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Arbeitsmarkt Immer mehr Deutsche suchen ihre Zukunft im Ausland

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Andrea Westermann Quelle: Martin Hangen für WirtschaftsWoche

Die Gründe, warum jemand Deutschland dauerhaft verlässt, sind natürlich vielfältig. Der eine beklagt die schlechte Stimmung hierzulande, der andere hohe Steuern, wieder andere schlechte Berufschancen.

Tatsache aber ist: Deutsche Auswanderer werden immer jünger, und sie sind immer besser qualifiziert. In kaum einem anderen Industriestaat verlassen mehr Akademiker ihre Heimat.

Der Anteil der Promovierten unter ihnen ist zehnmal höher als im Bevölkerungsschnitt, ergaben Studien der OECD.

Die „Crème de la Crème unserer Elite“ verlasse das Land, warnte Wirtschaftsstaatssekretär Walther Otremba im vergangenen Jahr. Das Prognos-Institut hatte im Auftrag des Wirtschaftsministeriums rund 1400 Fachkräfte befragt, die dauerhaft im Ausland leben: Ganze 83 Prozent hatten einen akademischen Abschluss.

Es sind eben nicht die Großfamilien, die ohne Fremdsprachenkenntnisse auf eine bessere Zukunft in der Ferne hoffen, weil sie es hierzulande nicht schaffen. Sondern die jungen, aufstrebenden, gut ausgebildeten Akademiker.

Zum Beispiel Ärzte. Im vergangenen Jahr befragten Forscher der Ruhr-Universität Bochum 4000 angehende Mediziner aus ganz Deutschland zu ihren Zukunftsplänen. Fazit: 72,7 Prozent der Befragten können sich vorstellen, nach dem Abschluss ins Ausland zu gehen. Nur jeder Fünfte rechnet damit, sich in Deutschland als Arzt niederzulassen. „Erschreckend“, resümierte Dorothea Osenberg. Sie hatte die Studie geleitet.

Wo Deutsche gefragt sind

Sicher, das Auswanderungs-Gen wird Studenten heutzutage früh eingepflanzt. Professoren, Personal- und Karriereberater – allesamt betonen stetig, wie wichtig Auslandserfahrungen bei einer späteren Bewerbung sind.

Doch in Zeiten wirtschaftlicher Flaute rächt sich das. Bereits 2005 erklärten 56 Prozent der Studenten, die kurz vor dem Examen standen, dass sie ins Ausland gehen würden, wenn ihnen dort ein Job sicher wäre.

Wo diese Jobs entstehen, wo Deutsche derzeit noch gefragt sind (Polen, Schweiz, Belgien, Australien) und wo sie zwar gerne hingehen würden, jedoch derzeit wenig Chancen haben (USA, Frankreich), zeigen die Länderberichte auf der vorherigen Seite.

Wer sich trotz oder gerade wegen der Krise in Warschau, Brüssel oder New York versuchen will, muss schließlich wissen, worauf dortige Arbeitgeber Wert legen und was es bei der Bewerbung zu beachten gilt.

Womöglich dienen die Beispiele deutschen Unternehmen aber auch zu mehr Engagement. Denn „hoch qualifizierte Deutsche“, sagt der Berliner Migrationsforscher Klaus Bade, „werden im Ausland mit Kusshand genommen“.

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