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Arbeitsmarkt Wer jetzt einen Jobwechsel riskieren sollte

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Gefühlte Gefahr

Es sind vor allem die Spezialisten, die jetzt von der Krise profitieren und sich das in den vergangenen Jahren aufgebaute Know-how sowie die Kontakte versilbern können. Es sind Leute wie Rainer Lang.

Anfang des Monats wechselte Lang zu Siemens. Anders als Pragel bereitet ihm die Situation dort aber kein Magengrimmen, im Gegenteil: Bei seinem vorherigen Arbeitgeber ThyssenKrupp hatte er sich auf die Bekämpfung und Prävention von Wirtschaftskriminalität spezialisiert. Das Wissen wird in München dringend gebraucht. Bei Siemens schnürte man ihm deshalb ein attraktives Angebot: mehr Befugnisse und die Chance zu weltweiten Einsätzen gehören ebenso dazu wie satte 50 Prozent Gehaltsaufschlag.

Angst, dass irgendetwas schiefgehen könnte, hat der frischgebackene Director Forensic Audit nicht. „Ich kann jederzeit woanders hingehen.“

Wer sich im Job unwohl fühlt und mit dem Gedanken spielt, umzusteigen, sollte allerdings „vor der Welle reiten“, rät die Münchner Karriereberaterin Anette Adelmann. Denn ist erst einmal bekannt, dass irgendwo Personal abgebaut wird, würden Bewerbungen von dort zunehmend skeptischer begutachtet. Dahinter steckt nach wie vor das Klischee der Personaler, dass Top-Talente zu diesem Zeitpunkt längst abgewandert sind. Schließlich gehört zum Leistungsträger dazu, frühzeitig informiert zu sein.

Bei der Jobsuche nicht übereilt vorgehen

Doch wie sollte man dabei vorgehen? Am besten mehrdimensional und bloß nicht übereilt, raten die Experten. Zunächst sollten Interessierte ihr Profil in relevanten Business-Netzwerken einstellen und bestehende Kontakte aktivieren beziehungsweise ausbauen – online wie off-line.

Die überstürzte Kontaktaufnahme zu Headhuntern bringt dagegen nichts. Allein Christoph Nehring, Inhaber des Hanseatischen Personalkontors, bekommt jeden Monat rund 3000 Initiativbewerbungen auf den Tisch. Vor der Krise waren es 30 Prozent weniger. Gleichzeitig ist in der gesamten Branche die Auftragslage im Schnitt um ein Drittel zurückgegangen. „Was da nicht passt, wird sofort aussortiert“, sagt Nehring.

Zu den Umstiegsvorbereitungen gehört aber auch, die neuen Aufgaben sowie das eigene Können kritisch zu hinterfragen. Wer sich jetzt beruflich verändert, wechselt allenfalls zu einem neuen Arbeitgeber – aber nicht aus der Krise heraus.

„Eine Zeit für Schönwettersegler ist das definitiv nicht“, betont Headhunter Nehring. Wer jetzt umsteigt, „der braucht nicht nur eine robuste Natur, er muss den Job auch wirklich können“.

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