WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Arbeitsmarkt Wer Stellen streicht, wer einstellt

Ganz Deutschland steckt in der Krise. Ganz Deutschland? Nicht ganz: Die WirtschaftsWoche hat alle wichtigen deutschen Unternehmen nach ihren Einstellungsplänen für 2009 befragt. Fazit: Die Firmen suchen über 23.000 neue Mitarbeiter.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Stellenangebote in der Quelle: AP

Eigentlich könnte Tim R.* stolz sein. Der 25-jährige Student der Wirtschaftswissenschaften aus Aachen hat sich im Studium immer angestrengt und penibel darauf geachtet, sein Diplom in der Regelstudienzeit zu ergattern. In den Semesterferien hat er Praktika gemacht und dabei gute Zeugnisse eingeheimst.

Jetzt fehlt ihm nur noch die Diplomarbeit, danach ist die Uni für ihn Vergangenheit. Auf diesen Moment hat er sich eigentlich schon seit Jahren gefreut. Doch von Vorfreude ist derzeit nichts zu spüren, im Gegenteil: Tim R. wird mulmig bei dem Gedanken, sich bald um einen Arbeitsplatz bewerben zu müssen. „Ich wünschte, ich hätte noch ein paar Semester vor mir. Der Arbeitsmarkt sieht gerade nicht gut aus.“

Nein, rosige Aussichten haben Arbeitnehmer und Berufsanfänger derzeit wahrlich nicht. Wer in den vergangenen Monaten nicht auf dem Mars gelebt hat, den wird bei der täglichen Zeitungslektüre ein zunehmend flaues Gefühl beschlichen haben.

Politiker malen düsteres Szenario

Bei Daimler wurden die Zwangsferien in den deutschen Werken auf vier Wochen ausgedehnt, Volkswagen diskutiert eine Unterbrechung vom 18. Dezember bis zum 11. Januar, auch bei Audi und Porsche sind Produktionsstopps geplant. BMW hat angekündigt, vorerst 8100 feste Jobs und über 400 Zeitarbeitsplätze im Leipziger Werk zu streichen. Und Continental führt Kurzarbeit ein.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Politiker und Ökonomen malen deshalb für die kommenden Monate ein düsteres Szenario. Klar auch, dass diese apokalyptischen Prognosen an den Menschen nicht spurlos vorbeigehen: Die schlechte Stimmung greift in Deutschland um sich – nicht nur unter Studenten.

    „Die Auswirkungen der Finanzkrise haben die Arbeitnehmer verunsichert“, sagt etwa Marco Bertoli, Geschäftsführer Zentraleuropa des Online-Karriereportals Monster. Das Unternehmen befragte Ende November knapp 1000 deutsche Angestellte. Ergebnis: Zwei Drittel befürchten wegen der Finanzkrise Auswirkungen auf ihren Arbeitsplatz, 43 Prozent sind sogar schon auf der Suche nach einem neuen Job.

    Der Druck am Arbeitsplatz hinterlässt längst auch Spuren in Körper und Seele. Rund 40 Prozent der Arbeitnehmer fühlen sich akut gestresst. Jeder achte Deutsche hat Angst, dass ihn sein Job krank macht, so eine Umfrage des Personaldienstleisters Kelly Services. Doch selbst dann würden sich die Leute noch zur Arbeit schleppen: Jeder dritte kranke Arbeitnehmer bangt um den Job, wenn er sich daheim auskuriert.

    Die Sorge kommt nicht von ungefähr, genau genommen kommt sie sogar von den Managern selbst. Denn auch die strahlen derzeit alles andere als Zuversicht aus. In manchen Gesichtern spiegelt sich schlicht nackte Panik. Als etwa das Marktforschungsinstitut Psephos vor einigen Wochen knapp 800 Top-Manager nach ihren Zukunftsprognosen befragte, waren die Antworten eindeutig: 45 Prozent rechnen mit deutlich schlechteren Standortbedingungen in den nächsten zwölf Monaten.

    Zwar veröffentlichte die Bundesagentur für Arbeit (BA) vor Kurzem noch einmal gesunkene Arbeitslosenzahlen. Doch das ist nur der Nachhall aus den Monaten, in denen die Krise in Deutschland nur die Banken erfasst hatte. Inzwischen geht auch ifo-Präsi‧dent Hans-Werner Sinn längst davon aus, dass die Zahl der Arbeitslosen „jetzt sehr rasch wieder steigen“ werde.

    Noch immer gibt es laut BA Tausende offene Stellen in Deutschland. Die Pflegebranche sucht  offiziell mehr als 35.000 Mitarbeiter, auf Elektriker warten etwa 23.000 neue Jobs, in der Gastronomie fehlen 16 000 Kellner. Die Werbebranche braucht 18.000 Kaufleute, der Gesundheitssektor 16.000 Krankenschwestern und Arzthelferinnen. Doch diese Arbeitsplätze sind vor allem: schlecht bezahlt. Und daher kaum begehrt.

    Inhalt
    • Wer Stellen streicht, wer einstellt
    Artikel auf einer Seite lesen
    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%