Azubi-Recruiting Trends 2015 So kommen Unternehmen an Azubis

Exklusiv

Junge Menschen haben nur ihr Smartphone im Kopf und haben keine Lust auf Ausbildung? Die Realität sieht anders aus. Was Unternehmen über ihre künftigen Mitarbeiter wissen sollten.

So gewinnen Unternehmen junge Talente
Mitarbeiter fertigen in einer Polsterei in Weidhausen (Bayern) Sitzmöbel. Quelle: dpa
ÜbernahmegarantieEine ähnliche geringe Attraktivität für junge Menschen dürften auf den ersten Blick auch scheinbar altmodische Branchen haben, die einen heftigen Strukturwandel hinter sich haben - beispielsweise die Porzellanbranche. Die Übernahmequote dort sei sehr hoch, wirbt Christoph René Holler, Geschäftsführer des Bundesverbandes Keramische Industrie, um Nachwuchs. „Die Fachkräfte werden gebraucht. Es hat sich herumgesprochen, dass man in der Regel übernommen wird.“ Bislang gelinge es noch, die meisten Ausbildungsplätze zu besetzen, „aber es wird immer schwieriger“, räumt er ein. Deshalb habe man bei den Tarifabschlüssen den Nachwuchs besonders berücksichtigt. Eine Sprecherin des traditionsreichen Porzellanherstellers Rosenthal in Selb sagt: „Durch eine gute Zusammenarbeit mit Schulen und der Agentur für Arbeit gelingt es uns trotz des demografischen Wandels und seiner Auswirkungen in den meisten Fällen, gut geeignete Kandidaten zu finden.“ Alle zum 1. September angebotenen Lehrstellen habe man besetzen können. Quelle: AP
Model Clelia zeigt "Putzpantoffeln" des Herstellers Present Time Quelle: dpa/dpaweb
Segeltörn
Hochseilgarten Quelle: dpa
Innovation Challenge Quelle: Fotolia
Krimi Quelle: Fotolia

Ohne Studium geht nichts: Immer weniger junge Menschen machen in Deutschland eine Ausbildung. Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge sank 2014 nach dem neuen Berufsbildungsbericht erneut um 1,4 Prozent auf rund 520.000. Entsprechend blieben im Jahr 2014 rund 37.000 Lehrstellen unbesetzt.

Die Gründe für den Mangel an Azubis sind vielfältig: zu demografischen Effekten wie der sinkenden Schulabgänger-Zahl und dem generellen Trend zum Studium kommen noch diverse Vorurteile der Unternehmen, die beispielsweise keine Migranten oder Hauptschüler ausbilden wollen. „Über 280.000 von der Bundesagentur für Arbeit als geeignet eingestufte Jugendliche haben vergeblich eine Ausbildung gesucht“, beschweren sich entsprechend die Gewerkschafter - oft handelte es sich um Hauptschüler oder Leistungsschwächere.

Doch wie viel ist denn dran an dem Bild, das viele Chefs offenbar von den 15- bis 18-jährigen Lehrlingen haben? Sind sie wirklich mit ihrem Smartphone verwachsen und werden von ihren Helikopter-Eltern vor jeglicher Unbill des Lebens bewahrt? Besteht die Jugend nur noch aus unselbstständigen, ungebildeten, egoistischen Facebook-Junkies? Die aktuelle Ausgabe der jährlich durchgeführten Studie Azubi-Recruiting Trends unter 799 Ausbildern und 1428 Azubis zeigt: Der Nachwuchs tickt anders, als so mancher Vorgesetzte fürchtet.

Was Azubis von ihrer Ausbildung erwarten

Bei der Bewerbung beispielsweise sind die jungen Menschen überraschend konservativ: Rund 71 Prozent der befragten Schüler und Azubis bewerben sich „gerne“ oder „sehr gerne“ traditionell mit Mappe und Anschreiben. Via E-Mail würden sich 61 Prozent bewerben, 51 Prozent finden Online-Bewerbungen auf der Karriere-Seite eines Unternehmens gut. „Eine schriftliche Bewerbung kann viel mehr von einer Person zeigen, da viel Mühe investiert werden kann beziehungsweise der erste Eindruck ein ganz anderer ist als bei einer Onlinebewerbung“, begründete einer der Teilnehmer seine Vorliebe für die klassische Variante.

Mobile Bewerbungen finden die Nachwuchs-Kräfte dagegen alles andere als angemessen. So sagte einer der Befragten: „Wer mit dem Handy eine Bewerbung schreibt, hat auch keine Lust auf Arbeiten.“

Was das angeht, müssten sich Chefs und Lehrlinge bestens verstehen. Denn laut einer Umfrage der Jobsuchmaschine Indeed haben nur zwölf Prozent der befragten Arbeitgeber ihre Job- und Karriereseiten für mobile Endgeräte optimiert. Entsprechend finden auch nur elf Prozent der Ausbilder eine Bewerbung per Smartphone akzeptabel.

Was Unternehmen beim Social-Media-Recruiting beachten sollten

Es gibt aber durchaus auch Gegner der klassischen Papierbewerbung unter den Kommentatoren. Und ihre Argumente sind nicht von der Hand zu weisen: „Ich habe bis zu 200 Bewerbungen geschrieben. Wenn ich alle auf dem Postweg verschickt hätte, dann hätten mich die Kosten erschlagen“, so einer der Teilnehmer.

Das soll nun aber keine Ausrede für Unternehmen sein, weiter zu rekrutieren, wie in den 1950er Jahren. Denn die Jungen bewerben sich zwar gerne klassisch, informieren sich aber überwiegend im Internet. Entsprechend sollten Ausbildungsangebote und Karriereseiten schon mobil optimiert sein – allein schon, weil seit dem 21. April 2015 Smartphone-optimierte Websites bevorzugt in den Google-Ergebnissen angezeigt werden. Wer hier nicht mitspielt, wird also leicht übersehen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%