Beruf und Karriere Wie die Deutschen ihre Job-Chancen bewerten

Die meisten Deutschen schauen optimistisch in die berufliche Zukunft: Sie erwarten für dieses Jahr Beförderungen, mehr Geld, bessere Arbeitsbedingungen. Nur in Schweden ist die Stimmung noch besser.

Die Arbeitskräftenachfrage ist auf einem Rekordhoch, entsprechend optimistisch sind junge Arbeitnehmer. Quelle: dpa

Gute Stimmung bei den Deutschen: 63 Prozent glauben, dass sich die Arbeitsmarktsituation im Laufe des Jahres 2016 zu ihren Gunsten verbessern wird. Sie rechnen mit einer besseren Work-Life-Balance, mehr Geld, einer Beförderung oder zumindest einem spannenderen Aufgabenfeld oder einer Weiterbildung. Das zeigt der aktuelle JobConfidence-Index der Personalvermittlung PageGroup. Für die europaweite Umfrage wurden rund 16.000 Arbeitnehmer aus zwölf Ländern befragt. Und ausgerechnet die Deutschen sind in punkto Optimismus ganz vorne dabei. Nur in Schweden ist die Stimmung der Arbeitnehmer noch besser.

Ein bisschen German Angst darf natürlich trotzdem sein. So zeigt die Umfrage, dass der deutsche Arbeitsmarkt allgemein positiver eingeschätzt wird als die eigene berufliche Situation.

"Das spiegelt schön die deutsche Mentalität wider. Nach dem Motto ‘Uns geht es gut, aber mir nicht zwangsläufig auch‘, zeigt sich die Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung des Arbeitsmarktes und den eigenen Chancen, einen neuen Job zu bekommen", sagt Goran Barić, Geschäftsführer der PageGroup Deutschland.

Trotzdem sind 57 Prozent der Deutschen unter 30 Jahren überzeugt, dass sie maximal drei Monate brauchen würden, um einen neuen Job zu finden. In der Altersgruppe zwischen 30 und 49 Jahren sagen das noch 42 Prozent und selbst bei den über 49-Jährigen gehen immer noch 39 Prozent davon aus, dass sie weniger als drei Monate suchen müssten, um einen neuen Job zu finden.

So beurteilen die Deutschen ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Schaut man sich allein die offenen Stellen an, die im letzten Monat bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet wurden, wird klar: Die Deutschen haben allen Grund zum Optimismus. Unternehmen jeder Größe und Branche suchen Mitarbeiter - vom Lageristen bis zum Manager. Allein im Juni gab es:

  • 44.800 offene Stellen in der Verkehr- und Logistikbranche,
  • 44.100 offene Stellen aus dem Bereich Metallbauer,
  • 43.000 offene Stellen in der Mechatronik-, Energie- und Elektrotechnik,
  • 43.000 offene Stellen im Handel,
  • 42.000 offene Stellen für Maschinen- und Fahrzeugtechniker,
  • 38.600 offene Stellen in der Körperpflege - vom Friseurhandwerk bis zur Altenpflege,
  • 37.000 offene Stellen für Kraftfahrer,
  • 33.200 offene Stellen in der Medizintechnik,
  • 32.300 offene Stellen in der Unternehmensführung und -organisation,
  • 30.900 offene Stellen im Tourismus-, Hotel- und Gaststättengewerbe.

Und das sind nur die Top Ten der am stärksten nachgefragten Berufe.

Der deutsche Markt bietet außerdem sehr gute Möglichkeiten zur konstanten Kompetenzentwicklung. Und das in allen Altersstufen. Stichwort "lebenslanges Lernen". Auch hier sind zwar die Jungen unter 30 wieder besonders optimistisch - 91 Prozent sind der Meinung, dass sich ihre Möglichkeiten zur Kompetenzentwicklung verbessern werden - aber auch in der Altersgruppe 49plus sagen dies noch 67 Prozent.

Trotz der allgemeinen Jubel-Stimmung zeigt der JobConfidence-Index auch: Je älter, desto pessimistischer werden die Angestellten in Deutschland. Sowohl die Chance auf Beförderung (47 Prozent) als auch auf Gehaltserhöhungen (41 Prozent) werden von den Deutschen über 49 Jahren zunehmend schlechter wahrgenommen. Auch mit einer besseren Work-Life-Balance haben 65 Prozent bereits abgeschlossen.

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