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Data Scientist neue Nr. 1 Jobsuchende stürzen sich auf neue Berufsbilder

Bewerber suchen nicht nur gezielt nach konkreten Berufsbezeichnungen, sondern auch nach Einstiegsstufen und weiter gefassten Berufsbildern. Quelle: Fotolia

Eine wichtige Anlaufstelle bei der Jobsuche sind Online-Jobportale. Eine Auswertung der Suchanfragen gibt Hinweise auf die Trends der Zukunft – und zeigt, dass auch analoge Berufe erst einmal nicht aussterben.

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Jobsuchende in Deutschland reiten auf der Trendwelle rund um neue digitale Berufe und sind gut über die Veränderungen am Arbeitsmarkt informiert – das lässt sich zumindest aus einer Auswertung schließen, die das Jobportal Glassdoor veröffentlicht. Demnach geben Nutzer am häufigsten den noch recht neuen Beruf „Data Scientist“ ein. Gezählt wurden dabei Klicks auf Stellenanzeigen nach vorheriger Suche nach dem jeweiligen Schlüsselwort. Die Daten stammen aus dem gesamten Monat Juni 2019, in dem rund 500.000 Suchanfragen zusammenkamen.

Data Scientist ist ein hochspezialisierter Beruf, der unter anderem fundierte IT-Kenntnisse voraussetzt. Zahlreiche Universitäten bauen derzeit Bachelor- und Masterstudiengänge mit dem Abschluss Data Scientist auf. Die Datenspezialisten analysieren und verarbeiten in Echtzeit große Datenmengen aus verschiedenen Quellen („Big Data“). Daraus leiten sie Trends und Informationen zum Beispiel über potenzielle Kunden ab.

Unter den ersten 15 der meistgesuchten Jobs sind bei Glassdoor fünf reine Digitalberufe. Neben Data Scientist ist der Techbereich mit den Berufen Software Entwickler (Platz 4), Product Owner (Platz 7), Data Analyst (Platz 8) und UX Designer (Platz 9) vertreten.

Felix Altmann, Arbeitsmarktexperte bei Glassdoor, sieht zwei Gründe für das hohe Interesse an Digitalberufen. Manche Arbeitnehmer seien tatsächlich unter Druck – oder glaubten es zu sein wegen der Veränderungen in Unternehmen durch die digitale Transformation. „Andere ergreifen einfach die Chancen, die die im Moment noch gute Arbeitsmarktsituation ihnen bietet“, sagt Altmann. Auch deshalb seien Unternehmen darauf erpicht, gute Mitarbeiter zu halten und böten ihnen mehr Weiterentwicklungsmöglichkeiten an. Wer aber erst einmal über Veränderung und Weiterentwicklung nachdenkt, schaut sich früher oder später eben doch auch anderweitig um.

Doch auch das muss festgehalten werden: Zehn der 15 meistgesuchten Berufe sind eben nicht originär digital. Ob Projekt- oder Produktmanager (Plätze 2 und 3), Controller (Platz 5) oder Ingenieur (Platz 6), Personalreferent (Platz 11) oder Key Account Manager (Platz 13) – auch diese Berufe sind unverändert stark gefragt bei Jobsuchenden.

Die 15 am häufigsten nachgefragten Jobbegriffe

Rang

Berufsbild

Offene Stellen auf Glassdoor

Ø Grundgehalt in Euro

1

Data Scientist

2500

60.000

2

Projektmanager

10.000

68.000

3

Produktmanager

9000

71.000

4

Softwareentwickler

6000

58.000

5

Controller

2300

58.000

6

Ingenieur

23.000

57.000

7

Product Owner

11.500

68.000

8

Data Analyst

4500

50.000

9

UX Designer

2000

50.000

10

Account Manager

16.000

45.000

11

Personalreferent

2000

58.000

12

Business Analyst

9000

52.000

13

Key Account Manager

11.000

65.000

14

Graphic Designer

1500

40.000

15

Sales Manager

15.500

57.000

Quelle: glassdoor.de

Weitere häufig gesuchte Begriffe sind UX Designer und Graphic Designer. Insgesamt wertet Felix Altmann dies als Trend zu drei Eigenschaften, die zukunftsfähige Berufe auszeichnen: digital, kreativ oder zwischenmenschlich. Digital, weil der Wandel in vollem Gange ist und hierfür Personal gesucht wird. Kreativ und zwischenmenschlich, weil diese typisch menschlichen Eigenschaften gerade im Kontrast zur Automatisierung wichtiger werden, weil sie nur bedingt von Maschinen ersetzt werden können.

Und noch etwas Auffälliges hat die Auswertung zutage gebracht. Nicht alle Nutzer geben eine konkrete Jobbezeichnung ein, wenn sie sich auf die Suche machen. Viele nutzen auch die Möglichkeit, mit der Auswahl der Hierarchiestufe oder der Art des Einstiegs ihre Suche zu beginnen. Dabei zeigt sich, dass neben Praktika und Werkstudentenstellen der Quereinstieg stark nachgefragt ist. Ein weiteres Indiz für den Trend zu Umorientierung und Weiterentwicklung? Möglich wäre es.

Auch das Jobportal Monster hat Bewegung festgestellt. Die Zahl der Sucheingaben nach Data Scientist etwa hat sich laut Monster.de-Sprecherin Katrin Luzar in den ersten sieben Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt – von 3700 im Vorjahr auf 8000 in diesem Jahr. Dabei sind Unterkategorien wie Junior beziehungsweise Senior Data Scientist noch nicht einmal berücksichtigt.

Um keine interessanten Angebote zu übersehen, würden sich Nutzer jedoch meist vom Großen ins Kleine arbeiten und dabei auch die automatischen Suchvorschläge nutzen. So kann am Anfang einer Suche erst einmal pauschal das Berufsfeld IT/Informationstechnologie stehen, gefiltert wird dann später. IT-Berufe sind auch bei Monster.de die am meisten gesuchten, gefolgt von Ingenieurswesen, Rechnungswesen, Administration/Sachbearbeitung, Vertrieb, Personalwesen, Marketing, Logistik und Transport, Produktion und Instandhaltung. Auch hier zeigt sich: Die klassischen Berufsfelder sind noch lange nicht verdrängt.

Beim Wettbewerber Stepstone waren die Top-Suchbegriffe im vergangenen Jahr im Bereich Marketing, Vertrieb und Personal, gefolgt von Logistik, Controller/in und Ingenieur/in. Bei Stepstone flog dagegen der Begriff IT im Jahr 2018 aus den Top Five, allerdings stieg die Zahl der Anfragen mit Stichwörtern wie SAP, Java oder Data Scientist stark an.

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