Dramatischer Lehrermangel Rettungsaktion für die berufliche Bildung

Nicht nur die Schüler, sondern vor allem auch die Lehrer an Berufsschulen werden knapp. Jetzt ruft der Stifterverband zur Umkehr auf: Berufsschullehrer, dringend gesucht!

Das sind die beliebtesten Ausbildungsberufe der Deutschen
Der Lidl-Mitarbeiter Kristian Divic räumt ein Regal ein. Quelle: dpa
Kaufmann/Kauffrau für BüromanagementAuf Platz zwei der beliebtesten Lehrberufe folgen der Kaufmann oder die Kauffrau für Büromanagement. 28.449 junge Menschen haben einen entsprechenden Ausbildungsberuf begonnen. Die Daten der aufgehobenen Ausbildungsberufe Bürokaufmann/-kauffrau, Kaufmann/Kauffrau für Bürokommunikation und Fachangestellter/Fachangestellte für Bürokommunikation wurden dem neuen Beruf Kaufmann/Kauffrau für Büromanagement zugeordnet. Die deutsche Wirtschaft braucht derzeit jedoch ganz andere Fachkräfte: In 96 verschiedenen Berufsbildern herrscht schon seit Jahren ein Mangel an auszubildenden und Fachkräften. Die Kaufleute sind es jedoch nicht, die so händeringend gesucht werden. Die komplette Liste aller Engpass-Berufe  finden Sie hier. Quelle: Fotolia
Eine Verkäuferin präsentiert bunte, unbedruckte T-Shirts des US-amerikanischen Herstellers American Apparel Quelle: dpa/dpaweb
ein Lehrling zum Mechatroniker steht in einem Autohaus mit einer Bremsscheibe neben seinem Ausbildungsmeister Quelle: dpa
zwei Auszubildende zur Industriekauffrau beugen sich über einen Aktenordner Quelle: dpa
Arzthelferin Jennifer Brendle zieht den Impfstoff Pandemrix gegen die Schweinegrippe auf eine Spritze. Quelle: AP

„Schockiert“ sei er, sagte Volker Meyer-Guckel, Stellvertretender Generalsekretär des Stifterverbands, am Montag im Westfälischen Industrieclub in Dortmund. Schockiert, nachdem er sich über den Zustand des Systems der dualen Berufsbildung informiert habe. Diesem gehen einerseits durch den Run auf die universitäre Bildung – Stichwort Akademisierungswahn – die Schüler verloren, so dass rund 40.000 Lehrstellen in Deutschland im vergangenen Jahr frei blieben und Tausende Betriebe vergeblich nach jungen Leuten suchen. Doch die wollen lieber studieren. Seit 2013 liegt die Zahl der Studienanfänger über der der Lehrlinge.

So viel verdienen Auszubildende in den einzelnen Branchen pro Monat

Doch die berufliche Bildung steht auch von anderer Seite unter einem existenzbedrohenden Druck. Der Mangel an Berufsschullehrern nimmt mittlerweile dramatische Formen an. Besonders betroffen sind die gewerblich-technischen Fachrichtungen. Es werden nicht einmal ansatzweise ausreichend Lehrer für berufsbildende Schulen an deutschen Hochschulen ausgebildet. Im vergangenen Jahr habe es, so Meyer-Guckel in ganz Deutschland nur zehn Lehramtsstudenten für Mechatronik gegeben. Da die entsprechenden Studiengänge wegen der geringen Studierendenzahlen für die Hochschulen wenig lukrativ seien, würden sie oft abgeschafft. Eine fatale Abwärtsspirale.

Und hier will der Stifterverband jetzt gegensteuern, um das Miteinander von beruflichen Schulen und betrieblichen Ausbildung, das weltweit als ein Hauptgrund für die geringe Jugendarbeitslosigkeit und generell das hohe Qualifizierungsniveau junger Arbeitskräfte in Deutschland gilt, zu retten. Der Stifterverband hat dazu eine „Berufsschullehrerinitiative“ gestartet, die er gestern in Dortmund bei einer „Kick off-Veranstaltung“ vorstellte. Im wesentlichen geht es um die Bündelung verschiedener Reformvorschläge von verschiedenen Hochschulen und Einrichtungen in einem bundesweiten "Innovationsnetzwerk Lehramt berufsbildende Schulen", in dem Hochschullehrer aus allen Bundesländern vertreten sind. Die daraus gewonnenen Erfahrungen sollen letztlich neue bildungspolitische Initiativen anregen.

Das Ziel: die Attraktivität der entsprechenden Lehramtsstudiengänge zu steigern, neue Zielgruppen anzusprechen und dadurch den Lehrernachwuchs langfristig zu sichern. In Deutschland fehlten, so berichtet die Berufsschullehrerin Monika Reusmann, Vorsitzende der Initiative teachmint, bis zu 1200 Lehrer pro Jahr. Die Kultusministerkonferenz gehe unverständlicherweise davon aus, dass die Unterdeckung ab 2018 behoben werden könne. Doch woher die fehlenden Lehrer kommen sollten, sei völlig unklar, wie auch Berit Heintz vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag bestätigt. Man habe keine Ahnung, was die Kultusminister der Bundesländer vorhätten, um das Problem zu beheben.

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