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Fachkräftemangel Ausländische Talente haben keine Lust auf Deutschland

Die Eurokrise beschert deutschen Unternehmen Fachkräfte aus Spanien und Griechenland. Doch ansonsten machen Top-Talente lieber einen Bogen um die Bundesrepublik. Daran ändert auch die BlueCard nichts.

Ausländische Fachkräfte kommen nur dann nach Deutschland, wenn es gar nicht anders geht. Quelle: dpa

Eigentlich müssten deutsche Unternehmer froh sein über die Eurokrise: Sie beschert ihnen eine reiche Auswahl an topausgebildeten Leuten, die für einen Job alles tun würden. Allein im Jahr 2011 kamen 958.000 Menschen nach Deutschland, um der Arbeitslosigkeit im eignen Land zu entfliehen. Besonders stark war der Anstieg aus den Krisenländern Griechenland und Spanien. Aus Griechenland kamen 90 Prozent mehr Einwanderer (dies entspricht 23.800 Personen), aus Spanien 52 Prozent (20.700 Personen) mehr als noch im Vorjahr.

Europas Krisenländer im Reformcheck
GRIECHENLANDWirtschaft: Die griechische Wirtschaft steckt in einer dramatischen Rezession. 2011 schrumpfte die Wirtschaftsleistung um 6,8 Prozent. Für 2012 erwartet die EU-Kommission einen Rückgang von 4,7 Prozent. Die griechische Regierung hatte zuletzt einen Rückgang von 2,8 Prozent vorhergesagt. Das Bild zeigt den griechischen Container-Hafen in Piräus. Quelle: dpa
Haushalt: Trotz drastischer Sparanstrengungen lag das griechische Haushaltsdefizit 2011 bei 10,6 Prozent der Wirtschaftsleistung. Für dieses Jahr erwartet die Regierung ein Defizit von 6,7 Prozent.  Quelle: dpa
Ausblick: Wie es in dem Krisenland weiter geht, ist unklar. Die Wähler haben den Sparkurs der beiden etablierten Parteien Nea Demokratia und Pasok abgestraft. Gewinner der Wahlen sind extreme rechte und linke Parteien. Ob diese jedoch eine Regierung bilden können, ist fraglich. An die vereinbarten Sparziele jedenfalls wollen sich die meisten Politiker nicht mehr halten. Quelle: dapd
PORTUGALWirtschaft: Im zweiten Land, das unter dem Schutz des Euro Rettungsschirms steht, geht es steil bergab. 2011 schrumpfte die Wirtschaftsleistung um 1,6 Prozent - für dieses Jahr prognostiziert die portugiesische Regierung einen Rückgang von 3,3 Prozent. Hoffnung setzt die EU auf 2013: Dann soll die Wirtschaft in Portugal wieder um 0,3 Prozent wachsen. Quelle: dpa
Haushalt: Im Gegensatz zu anderen Euro-Krisenländern hat Portugal seine Sparauflagen für 2011 sogar übererfüllt. Das Haushaltsdefizit lag 2011 bei etwa 4,5 Prozent – und damit unter der mit dem IWF vereinbarten Zielmarke von 5,9 Prozent Quelle: dpa
Ausblick: Was die Sparziele betrifft, liegt Portugal im Zeitplan. Allerdings kann die schwache Wirtschaftsentwicklung das schnell wieder ändern. Ein weiteres Problem ist die Refinanzierung des Staates. Das bisherige Hilfspaket sieht vor, dass sich Portugal ab 2013 wieder selbst 10 Milliarden Euro am Kapitalmarkt beschaffen muss. Experten halten dies für unrealistisch. Sie gehen davon aus, dass ein neues Hilfspaket nötig ist.    Quelle: Reuters
SPANIENWirtschaft: 2011 erzielte Spanien noch ein Mini-Wachstum von 0,7 Prozent. Nach wie vor hat die Wirtschaft das Platzen der Immobilienblase nicht verdaut. Für dieses Jahr erwartet die EU-Kommission einen Rückgang um 1,8 Prozent, im kommenden Jahr soll die Wirtschaft um 0,3 Prozent schrumpfen. Quelle: Reuters

Diese Zuwanderung von gut ausgebildeten Kräften will die deutsche Politik auch weiter fördern. So sagte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer gegenüber der "Welt am Sonntag": "Ob bei der Polizei, bei Pflegeberufen, der Bundeswehr oder der Berufsfeuerwehr: Es wird wegen des Geburtenrückgangs einen härteren Wettbewerb um qualifizierte junge Leute geben." Deshalb setze man auf junge Kräfte aus dem Ausland. Gerade Bayern ist vom Fachkräftemangel betroffen.

Deutschland dürfe sich allerdings nicht alleine auf die krisenbedingte Zuwanderung aus Südeuropa verlassen, so Maria Böhmer (CDU). Deshalb müsse man auch außerhalb Europas um Fachkräfte werben. Dafür müsse sich Deutschland ein Beispiel an Ländern wie Kanada oder Australien nehmen, die Ausländer mit entsprechenden Qualifikationen und Sprachfähigkeiten einwandern lassen. Hierzulande kann dagegen nur problemlos einwandern, wer schon ein konkretes Jobangebot hat.

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Daran ändert auch die BlueCard nichts. Diese vor gut einem Jahr eingeführte Karte soll es Hochqualifizierten von außerhalb der EU leichter machen, sich in Deutschland niederzulassen. Zuziehen darf, wer einen Job mit einem Jahresgehalt von rund 46.000 Euro vorweisen kann. Zuvor lag die Schwelle bei 66.000 Euro. Kritiker halten diese Summe allerdings immer noch für zu hoch. Gerade, da auch das durchschnittliche Einstiegsgehalt deutscher Akademiker noch deutlich unter diesem Betrag liege.

Trotzdem haben mehr als 10.000 Akademiker seit dem 1. August 2012 eine Aufenthaltsgenehmigung mittels Blue Card bekommen. Für das Arbeitsministerium ein Grund zu Freude. Allerdings waren 70 Prozent dieser Fälle schon als Studenten in Deutschland und haben nur ihren Aufenthaltsstatus geändert. Nur jeder Dritte kam über die neue Regelung ins Land. Für Nicht-Akademiker, also die händeringend gesuchten Fachkräfte, außerhalb der EU gilt die Blue Card übrigens nicht.

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