Fachkräftesuche Der Mittelstand steht sich selbst im Weg

Die mittelständischen Unternehmen haben volle Auftragsbücher - und niemanden, der diese abarbeitet. Das liegt nicht nur daran, dass viele in entlegenen Regionen sitzen. Sie machen auch noch beim Recruiting Fehler.

Eine Stellenanzeige für einen Minijob auf 400 Euro Basis Quelle: dpa

Der deutsche Mittelstand ist gut drauf. So könnte man jedenfalls das aktuelle Mittelstandsbarometer der staatlichen Förderbank KfW zusammen fassen. Zwar bekommen die kleinen und mittelständischen Unternehmen das Griechenlanddrama und die Flüchtlingskrise zu spüren, das Geschäftsklima fällt um 1,3 Zähler auf 14,4 Saldenpunkte. Doch größere Betriebe seien deutlich stärker betroffen, da sich die Konjunktur in vielen Schwellenländern deutlich abkühle - allen voran in China und anderen rohstoffexportierenden Ländern, sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. "Das beeinträchtigt die Wachstumsaussichten der stärker international ausgerichteten Großunternehmen."

Die kleinen Unternehmen sind dagegen zuversichtlich. "Wird schon werden", so die Parole.

Auch nicht schlecht für den Mittelstand: Während die Zahl der Auszubildenden insgesamt seit geraumer Zeit sinkt, haben die kleinen und mittleren Firmen die Zahl der Nachwuchskräfte in den vergangenen fünf Jahren bei etwa 1,2 Millionen konstant gehalten, wie die KfW anlässlich des Beginns des neuen Ausbildungsjahres am 1. September mitteilte.

Die beliebtesten Ausbildungsberufe der Deutschen

Dass das nicht mehr lange so bleiben dürfte, zeigt nun eine Studie der Jobsuchmaschine Indeed unter Personalentscheidern aus mittelständischen Unternehmen. Laut der Umfrage ist ein Wunder, dass überhaupt noch jemand für kleine und mittelständische Unternehmen arbeiten will. Denn die Mittelständler sind offenbar nicht bereit, ihren potenziellen Bewerbern entgegen zu kommen. So sagen vier von zehn Kandidaten, dass ihr Traumarbeitgeber bei Arbeitszeit und -ort flexibel sein muss. Die großen Konzerne, die zwar nur ein Prozent der Wirtschaftsleistung erbringen, bei denen aber immerhin 40 Prozent der Deutschen arbeiten, haben das verstanden. Home-Office? Gibt's. Gleitzeit? Kein Problem.

Homeoffice & Arbeitszeit: So arbeitet es sich bei den Dax-Konzernen

Bei den Mittelständlern sind dagegen nur ein Viertel der von Indeed befragten Unternehmen bereit, Kandidaten die Möglichkeit zur Heimarbeit anzubieten, ein Drittel würde Teilzeitmodelle erwägen, um Bewerber zu locken. Erwägen - es gibt diese Modelle also nicht. Wenn man bedenkt, dass gerade kleine Unternehmen in der Regel mit den Gehältern der Großen nicht mithalten können, vertun sie hier die Chance, mit flexiblen Lösungen zu punkten.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Dass der Mittelstand auf Präsenzkultur und Stechuhr besteht, bekommen mögliche Bewerber aber gar nicht mit. Denn nur 56 Prozent der befragten Unternehmen nutzen Online-Jobseiten zur Ausschreibung von Stellen. Der Rest klebt einen Zettel ans Schaufenster oder inseriert im wöchentlichen Käseblatt.

Der begehrte Ingenieur wird dagegen vom Headhunter des Dax-Konzerns abgeworben oder kommt über Xing, LinkedIn und Konsorten in Kontakt mit spannenden Unternehmen. Denn die große Mehrheit der Jobsuchenden ist ganz klar online unterwegs.

Das könnten die besagten Unternehmen für sich nutzen, wie Indeed-Geschäftsführer Frank Hensgens sagt. "Bei der Online-Jobsuche sind alle Unternehmen gleich." Denn im Netz wird das Unternehmen aus Pusemuckl genauso leicht gefunden wie der Global Player mit Sitz in München. Eine ansprechende Karriereseite und eine gut verfasste Stellenanzeige sind dafür allerdings Pflicht. Das Problem: Das ist den meisten Mittelständlern zu viel Aufwand. "Tatsächlich nannte fast jeder vierte der Befragten das Verfassen einer ansprechenden Stellenanzeige als herausfordernd", heißt es in der Indeed-Studie.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%