WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

IT-Experten dringend gesucht Unternehmen müssen mehr bieten als Tischkicker

Alle suchen nach Entwicklern: Rund 500.000 Stellen sind derzeit offen. Doch der Versuch, die Programmierer mit Tischkicker und Hängematte anzulocken, scheitert meist. Wie Unternehmen an IT-Experten kommen.

Quelle: Fotolia

Entwickler sind längst nicht mehr nur bei Softwareanbietern gefragt. Mittlerweile suchen Versandhäuser, Papierfabriken, Personalberatungen oder Krankenhäuser fast mehr IT-Experten als alles andere. Derzeit sucht zum Beispiel Aldi Süd in Mülheim an der Ruhr einen IT-Manager für Customer Interaction. Alternativ können Interessierte auch Solution Architect beim Möbelhaus Ikea werden. Je nach Vorliebe in Hofheim-Wallau oder in Malmö.

"Es gibt durch die Digitalisierung eine riesige Nachfrage nach technischem Know-how. Heute ist jedes Unternehmen irgendwie auch eine Tech-Firma“, bestätigt Paul D’Arcy, Marketingleiter von Indeed USA. Allein bei der Suchmaschine Indeed sind im deutschsprachigen Raum 24.467 verschiedene Entwickler-Jobs gelistet.

Wer die spezialisierten Jobportale, die Zahlen des Arbeitsamtes und öffentlichen Gesuche einzelner Unternehmen hinzu rechnet, kommt per heute auf etwas mehr als 500.000 Angebote für Entwickler. Abhängig von der eigenen Spezialisierung sind es mal mehr, mal weniger.

Und das Gute ist: Die Tech-Talente kommen nach Deutschland. Zahlen von Indeed belegen, dass IT-Experten - gerade seit dem Brexit-Votum - das einstige Tech-Mekka London verlassen und nach Deutschland strömen. Binnen 48 Stunden nach dem Referendum haben sich Anfragen von Entwicklern, die im Vereinigten Königreich leben und in Deutschland nach Jobs suchen, nahezu verdoppelt. Und auch die Entwickler aus dem restlichen EU-Ausland, die sonst nach Jobs in England gesucht haben, verlagern ihre Suche nach Deutschland: Am 24. Juni stieg die Zahl der eingehenden Suchen aus der EU nach Deutschland um 61 Prozent im Vergleich zu den Durchschnittstagen vor dem Referendum.

Unter den Branchen, die Briten besonders häufig in Deutschland suchten, befanden sich neben Marketing und Finance auch gleich mehrere Suchbegriffe aus dem IT-Bereich sowie Data Science und Ingenieurwesen. Das sei ein Indiz dafür, dass gerade Fachbereiche, die für die Digitalisierung besonders wichtig sind, von einer Umorientierung britischer und europäischer Arbeitnehmer profitieren könnten.

Diese Tech-Jobs werden im Jahr 2020 gesucht

Berlin und Dublin sind das neue London

In Berlin, Frankfurt und München reibt sich so mancher deshalb schon die Hände: "Ich bedaure, dass sich Großbritannien für den Brexit entschieden hat – aber wenn dadurch Investitionsentscheidungen für Berlin getroffen werden, dann begrüßen und befördern wir das", sagte beispielsweise Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD). Es gebe "erste Anzeichen dafür, dass die Start-up-Szene stärker auf Berlin schaut."

Und Mariano Mamertino, Economic Research Analyst bei Indeed, bekräftigt: "Berlin und Dublin haben jetzt schon Magnetwirkung auf europäische Jobsuchende. Beide Städte sind attraktiv, bieten hohe Lebensqualität und - ganz entscheidend - niedrigere Lebenshaltungskosten als London, das zieht ohnehin schon heute."

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%