Jobmarkt 2016 Herausforderungen und Risiken auf dem Arbeitsmarkt

2015 lief es rund am deutschen Arbeitsmarkt. Mittlerweile sieht es aber nicht mehr so rosig aus, es kommen schwere Zeiten, wie Arbeitsmarktexperten warnen. Vor welchen Herausforderungen der Jobmarkt in diesem Jahr steht.

Arbeitslosigkeit Quelle: dpa

Die Konjunktur läuft rund, bei vielen Dienstleistungsunternehmen brummt das Geschäft und auch die Industrie schaut zuversichtlich nach vorn - insgesamt also gute Aussichten für den Arbeitsmarkt 2016. Trotzdem schauen viele Arbeitsmarktexperten wie gebannt auf die kommenden Monate. Selten zuvor - sieht man von der Finanzkrise des Jahres 2008 ab - stand der deutsche Arbeitsmarkt vor ähnlich schwierigen Aufgaben wie im neuen Jahr. Experten sehen dabei folgende Herausforderungen und Risiken:

Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit

Seit Jahren liegt die Zahl der Menschen, die länger als ein Jahr arbeitslos ist, fast unverändert bei einer Million. Ihre Chancen, der Arbeitslosigkeit zu entkommen, haben sich nach BA-Berechnungen seit Jahren kaum verbessert. Daran haben auch etliche Förderprogramme kaum etwas ändern können, ist Professor Stefan Sell, Arbeitsmarktexperte an der Hochschule Koblenz, überzeugt.

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Sell rechnet auch im neuen Jahr nicht mit einem durchschlagenden Erfolg. Zu stark haben das Bundesarbeitsministerium in den vergangenen Jahren die Förderetats der Jobcenter zusammengestrichen. Und das im vergangenen Sommer von Ministerin Andrea Nahles (SPD) aufgelegte Förderprogramm zur Intensivbetreuung von Langzeitarbeitslosen sei „so restriktiv, dass die Jobcenter Probleme hätten, dafür Leute zu finden“.

Auch der Arbeitsmarktforscher Enzo Weber rechnet nicht mit schnellen Erfolgen: „Das Problem ist: Der ganz große Wurf wird bei der Langzeitarbeitslosigkeit nicht gelingen“, ist er überzeugt. „Es braucht da eine Politik der vielen kleinen Schritte. Es geht am Ende um den Einzelfall.“ Langzeitarbeitslose müssten intensiv und konstant betreut werden. Das sei sehr beratungsintensiv und teuer.

Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt

IAB-Forscher Weber rechnet in diesem Jahr mit 130.000 zusätzlichen Arbeitslosen aus sogenannten Asylzugangsländern. Ein rascher Vermittlungserfolg wird nach Webers Einschätzung eher die Ausnahme sein. „Bevor ein Flüchtling auf gutem Wege ist, um Arbeit zu finden, das kann zwei bis drei Jahre dauern“, glaubt er. Bei entsprechendem Engagement der Jobcenter sei das aber zu schaffen. Denn viele der zumeist jungen Flüchtlinge seien hochmotiviert.

Weitaus kritischer sieht sein Kollege Sell die Ausgangsbedingungen für die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. Die vom Bundesarbeitsministerium bewilligten 250 Millionen Euro hält er für nicht ausreichend. Die Flüchtlinge bräuchten ausnahmslos Sprachkurse und eine Schulausbildung. „Doch gerade die Sprachkurse sind das Nadelöhr. Hier müsste ein Batzen Geld in die Hand genommen werden“, meint Sell.

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Handwerker- und Fachkräftemangel

Auch andere Arbeitsmarktforscher haben zuletzt vor einer Überakademisierung der deutschen Arbeitswelt gewarnt. Für Sozialwissenschaftler Sell sind die Probleme inzwischen real. In Deutschland fehlt es immer mehr an Handwerkern und Facharbeitern. Das, so seine Befürchtung, dürfte sich 2016 noch verstärken - und so manchen Betrieb vorübergehend lähmen.

Mit ein Auslöser dafür war nach Sells Einschätzung die Einführung der abschlagsfreien Rente mit 63: Über Nacht verschwanden plötzlich ältere und erfahrene Facharbeiter aus den Montagehallen. Das dürfte sich fortsetzen, glaubt Sell. Denn viele der älteren Handwerker und Monteure gehörten der Babyboomer-Generation an, die demnächst regulär in Rente gehe.

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Weltwirtschaft wächst langsamer

Lange konnte die exportorientierte deutsche Wirtschaft auf Abnehmer ihrer Produkte in vielen Teilen der Welt hoffen. Vor allem China galt für Viele als lukrativer Zukunftsmarkt. Diese Zeiten scheinen erst mal vorbei. In China haben sich jüngst die Konjunkturaussichten weiter verdüstert und zu einem massiven Kurseinbruch an den chinesischen Börsen geführt.

BDI-Präsident Ulrich Grillo warnte in den vergangenen Tagen zudem vor der geringen Wachstumsdynamik in wichtigen Schellenländern. So seien etwa von Brasilien im Jahr 2016 keine Impulse für die Weltwirtschaft zu erwarten, von China geringere als 2015. Und im Falle von Russland müsse sich Deutschland mit einem weiterhin schrumpfenden Markt abfinden. Auch die anhaltenden Konflikte im Nahen Osten verunsichern viele deutsche Unternehmen.

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