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Jobverlust Gekündigt - nach 15 Jahren als Führungskraft

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Wartende vor Arbeitsamt: Quelle: dpa

Danach verschwindet Pfeifer von der Bildfläche, wie es ihm sein Anwalt geraten hat. Sechs Wochen lang. Aber das Nichtstun fällt ihm bereits nach kurzer Zeit schwer. Seine Frau Jutta sagt: „Die Umstellung hat uns schon belastet. Man muss sich mehr abstimmen.“

So ist das bei vielen, die den Job verlieren. Wenn man keine Arbeit mehr hat, begreift man erst, wie sehr die den eigenen Rhythmus prägt. Der Stress, die langen Arbeitszeiten, die Bestätigung durch den Erfolg – das alles fehlt auf einmal. Selbst seinem Hobby, dem Golfspiel, kann Erich Pfeifer derzeit nicht nachgehen. Draußen ist Winter, ein besonders kalter dieses Jahr. Und Urlaub? Den hatte er ja gerade erst.

Abtauchen ist trotzdem nicht sein Ding. Der Mann ist entschlossen zu kämpfen, er will kein aussortiertes Opfer sein. Im Grunde hat er die Entscheidung zu gehen ja selbst getroffen, sagt er sich. „Ich habe mich nie arbeitslos gefühlt“, betont Pfeifer. Eher arbeitsuchend. Das klingt nach einem Euphemismus, der es auch ist. Aber psychologisch ist es ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Immerhin, er hat keinen Zeitdruck. In seinem Kaarster Einfamilienhaus denkt er jetzt sehr lange nach. Manchmal bis tief in die Nacht. Ein bisschen was riskieren, mal einen Golfplatz managen, das Hobby zum Beruf machen. Das wär’s! Der Traum währt nur kurz. Recherchen ergeben, dass die Nachfrage nach Golfplatz-Managern zyklisch zur Krise verläuft. Nach zwei Tagen verwirft Pfeifer die Idee wieder.

Stattdessen beginnt er damit, seine Unterlagen zu überarbeiten. Bloß keine Zeit verplempern. Das ist das Schlimmste. Und irgendwie unprofessionell für einen Ex-Manager, findet er.

Also schreibt er eine To-do-Liste für die nächsten Wochen: Versicherungen anrufen, Finanzen strukturieren, Altersvorsorge umschichten, Lebenslauf aktualisieren, Netzwerke aktivieren. Der Terminkalender füllt sich wieder. Es fühlt sich ein bisschen nach Beschäftigung an.

Netzwerk aktivieren

Pfeifer geht seine gesamte Visitenkarten-Sammlung durch. Er macht zwei Haufen: Leute, die er mal getroffen hat und die ihm aktuell helfen können – und Leute, die er mal getroffen hat.

Der erste Haufen ist kleiner. „Da ist mir aufgefallen, wie wichtig Netzwerkpflege ist“, sagt Pfeifer, „vor allem, dass man damit besser anfängt, bevor man die Kontakte braucht.“

Er schreibt alle persönlich an. Nur - wenige melden sich. Direkt helfen kann keiner.

Am 17. Februar ruft sein Anwalt an: grünes Licht, Pfeifer kann jetzt mit der Suche nach einem neuen Job beginnen. Er wählt die Nummer der Düsseldorfer Outplacement-Beratung von Rundstedt. Die kennt er noch von früheren Projekten.

Damals musste er Mitarbeiter entlassen, er war der Auftraggeber. Jetzt ist er der Klient. Es ist nicht leicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen, weil man damit immer auch eingesteht, sie zu brauchen.

„Sind das Ihre Unterlagen?“, fragt ihn Hella Hagena, seine Outplacement-Beraterin. Sie lässt kein gutes Haar an seinem Lebenslauf: nicht marktadäquat sei der, zu detailliert. Außerdem fehle das Kurzprofil, das sein Leben auf einer Seite zusammenfasst. Ein Muss heute. „Aber wie bitte schön packt man 30 Jahre Berufserfahrung auf eine Seite?“

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