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Jobverlust Gekündigt - nach 15 Jahren als Führungskraft

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Doch auch wenn es nicht läuft, dürfe man der Versuchung nicht nachgeben, eine niedrigere Position zu akzeptieren. „Das geht regelmäßig schief“, ist Pfeifer überzeugt. Seine Frau Jutta sagt ihm: „Es kommt immer das, was man denkt.“

Also denkt Pfeifer positiv. Und groß. Er denkt sich den Erfolg herbei. Wenn Headhunter anrufen, um ein Sondierungsgespräch zu führen, akzeptiert er nicht jeden Termin. Er will beweisen: Ich bin noch gefragt, ich mache die Termine. Dann sagt er zum Beispiel, dass er diese Woche schon drei Gespräche hat – und schlägt ein Datum in zwei Wochen vor. Selbst wenn in den beiden Wochen gar nichts passiert.

In der Zwischenzeit trainiert er für sein berufliches Comeback. Diszipliniert wie ein Athlet für Olympia. Es ist ein mentaler Dreikampf: Kaltakquise von Personalberatern, Eigenmarketing, Vorstellungsgespräch. Er arbeitet an seiner Kondition: Perfekte Interviews über zehn Minuten, Interviews über eine Stunde. Er setzt sich Messlatten, schält die Meilensteine seiner beruflichen Laufbahn deutlicher heraus und erkennt: „Kein Mensch interessiert sich dafür, was ich wann gemacht habe. Was zählt, ist allein den Berufsweg als Abfolge von Erfolgen zu erzählen.“

Zweite Karriere beginnt

Und dann geht alles auf einmal sehr schnell. Pfeifer liest ein Inserat in der „FAZ“, ruft den Headhunter an, der dort angegeben ist. Er ahnt, dass er nicht für den Job infrage kommt, aber er weiß jetzt, wie man sich in Szene setzt.

Die Stelle ist tatsächlich nichts, aber der Personalberater gibt ihm den Tipp, das Universitätsklinikum in Bonn suche gerade einen wie ihn. Pfeifer packt seine Unterlagen zusammen, noch am selben Tag schickt er ein C4-Kuvert nach Bonn. Tags darauf mailt der kaufmännische Direktor zurück: „Ja, wir suchen einen Zentralbereichsleiter Informatik. Hätten Sie Zeit für ein Gespräch am 18. Juni?“

An dem Gespräch nehmen drei Vorstände teil, ein Vertreter der Personalabteilung und der Headhunter, der Pfeifer den Tipp gab. Sie fragen ihn – wie erwartet – nach seinen Erfolgen, nach Stärken und Schwächen. Pfeifer ist vorbereitet. Seine Antworten sind geschliffen. Das Gespräch dauert zwei Stunden. Zum Schluss fragen sie nach zwei Referenzen. Hella Hagena sagt ihm hinterher, dass das ein gutes Signal ist. Das beste eigentlich.

Am 7. Juli erhält Erich Pfeifer die Zusage – er hat den Job. Eine Woche später verhandelt er nur noch Vertragsdetails. Das Gespräch dauert eine halbe Stunde. Am 3. August beginnt seine zweite Karriere.

Erich Pfeifer sitzt jetzt an seinem Schreibtisch. Neben dem Computer steht das Modell eines Golf-Cartbags. Er blickt durch das Fenster seines neuen 35-Quadratmeter-Büros. Er kann den Hubschrauberlandeplatz sehen, die Notärzte, den Gärtner. Ein paar Amseln zwitschern dumpf durchs Glas. Draußen ist jetzt Sommer. 

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