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Lebenslauf Wie viel Schummeln ist zu viel?

Den Lebenslauf frisieren? Machen doch alle. Die SPD-Politikerin Petra Hinz hat es allerdings übertrieben und ihren Lebenslauf schlicht gefälscht. Wie viel Kosmetik im CV erlaubt ist.

Hochstapelei gestanden: SPD-Frau hat Lebenslauf erfunden

Den Lebenslauf etwas zu schönen, ist ganz normal. Schließlich will sich jeder möglichst gut darstellen. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Hinz trieb es jedoch zu weit: Anders als in ihrem CV zu lesen hat sie weder Abitur noch ein Juristisches Staatsexamen. Das zieht nun kritische Fragen im Bundestag nach sich.

"In der Rückschau vermag Frau Hinz nicht zu erkennen, welche Gründe sie seinerzeit veranlasst haben, mit der falschen Angabe über ihren Schulabschluss den Grundstein zu legen für weitere unzutreffende Behauptungen über ihre juristische Ausbildung und Tätigkeit", heißt es in der Erklärung ihres Anwalts, die inzwischen auch auf der Internetseite der Essener SPD-Politikerin zu finden ist.

Das Aufpolieren des Lebenslaufs gehört für viele irgendwie zum guten Ton: 30 Prozent der Bewerbungen sind nicht hundertprozentig ehrlich, wie eine Untersuchung von 5000 Bewerbungen durch die Kocks GmbH, einer Detektei gegen Wirtschaftskriminalität, zeigt. Die Kosmetik der Lebensläufe reicht dabei von aufgerundeten Zahlen bei den verantworteten Mitarbeitern bis hin zu erfundenen akademischen Titeln oder wissenschaftlichen Arbeiten.

Der Beruf der Eltern interessiert den Arbeitgeber nicht
Eine stilisierte Familie mit Vater, Mutter und einem Kind Quelle: dpa
Alter des Bewerbers Quelle: Fotolia
Ein Priester hält einen Rosenkranz Quelle: dpa
Bewerbungsfoto Quelle: Fotolia
Kindergarten, Schulzeit Quelle: dpa
Tabelle in Microsoft Excel Quelle: AP
Referenzen zwei Kollegen schütteln Hände Quelle: dpa

Am häufigsten geschönt wird demnach bei der Bildung beziehungsweise den Abschlüssen. Auch bei angeblichen Kompetenzen oder Gehältern nehmen es Bewerber nicht so genau. Auf Platz zwei der häufigsten Bewerbertricks folgen gefälschte Lebensläufe, am dritthäufigsten werden Lücken auf kreative Weise gefüllt.

Entsprechend gering ist das Vertrauen in die Bewerberangaben bei vielen Unternehmen. Eine vom Personaldienstleister Robert Half in Auftrag gegebene Umfrage unter deutschen Managern zeigt: 49 Prozent gehen davon aus, dass Bewerber grundsätzlich übertreiben.

Fünf Tipps für den Lebenslauf

Welche Konsequenzen die SPD aus dem Fall zieht, blieb zunächst unklar. Wäre Hinz eine normale Angestellte, müsste sie nun mit einer Kündigung rechnen. Wer nämlich aufgrund seiner erfundenen Vita einen Job bekommt, hat seinen Arbeitgeber arglistig getäuscht. Das kann auch noch rückwirkend den Job kosten.

Ein bisschen aufplustern ist dagegen in Ordnung: Wer einem Mitglied der Geschäftsführung zugearbeitet hat, darf von sich im Lebenslauf behaupten, Assistenz der Geschäftsführung gewesen zu sein. Genauso kann im Curriculum Vitae aus einer kurzen Arbeitslosigkeit eine "Phase der beruflichen Neuorientierung" werden. Das fällt alles unter Schönfärberei. Nur lügen und erfinden geht eben nicht. Da ist ein Lebenslauf vergleichbar mit der Inhaltsangabe beziehungsweise der Zutatenliste eines Produkts: Die fiesen Chemikalien, die im Produkt versteckt sind, darf der Hersteller zwar hinter freundlichen Abkürzungen verbergen. Es muss aber drin sein, was drauf steht.

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