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Master oder Bachelor? „Fehlende Begeisterung kann man nicht ausgleichen“

Ein Master kann zu schnelleren Schritten auf der Karriereleiter führen - je nach Branche kann ein Abgang von der Uni mit Bachelorabschluss aber auch Vorteile bieten. Quelle: IMAGO

Der Stepstone-Gehaltsreport vergleicht Einstiegsgehälter für Uniabsolventen. Forschungsleiterin Anastasia Hermann verrät im Interview, wann sich ein Master lohnt und warum der Abschluss kein hohes Einkommen garantiert. 

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Dass ein Masterabschluss ein besseres Gehalt ermöglicht, ist nicht überraschend. Allerdings gibt es je nach Branche, Berufsfeld, Abschluss und Region erhebliche Gehaltsunterschiede. Im Durchschnitt verdienen Berufseinsteiger nach dem Universitätsabschluss rund 44.800 Euro brutto. Bachelorabsolventen erhalten in den ersten zwei Jahren im Schnitt etwa 3500 Euro weniger, Masterabsolventen fast 2000 Euro mehr. Das geht aus dem Gehaltsreport für Absolventen der Online-Jobplattform Stepstone hervor, der die durchschnittlichen Gehälter für Berufseinsteiger analysiert. Ist ein Masterstudium der beste Schritt für mehr Lohn? Mit welchem Abschluss haben Uniabsolventen die besten Einstiegschancen? Und zahlen sich Praktika aus? Die Stepstone-Forschungsleiterin Anastasia Hermann beantwortet im Interview die wichtigsten Fragen für angehende Studierende und solche, die unsicher sind, was nach dem Bachelor die beste Entscheidung für ihre Karriere ist.

Wirtschaftswoche: Frau Hermann, Bachelorabsolventen verdienen beim Berufseinstieg etwa acht Prozent weniger als Uniabsolventen im Durchschnitt, Masterabsolventen etwa vier Prozent mehr. Wie entwickeln sich die Gehaltsunterschiede im Berufsleben?
Anastasia Hermann: Die Gehaltslücke zwischen Bachelor und Master schließt sich im Laufe des Berufslebens nicht, im Gegenteil: die Unterschiede zwischen durchschnittlichen Jahresgehältern werden mit zunehmender Berufserfahrung eher größer. Wieviel ein Masterabsolvent im Laufe seiner Karriere mehr verdient als jemand mit Bachelorabschluss, lässt sich aber nicht pauschal sagen, da Karrieren immer unterschiedlich verlaufen. Zum Beispiel machen viele Bachelor-Absolventen im Laufe des Berufslebens doch noch einen Masterabschluss.

In welchen Branchen lohnt sich ein Master finanziell gesehen am meisten?
Große Gehaltsunterschiede gibt es zum Beispiel im Baugewerbe. Dort verdient man mit einem Master 16 Prozent mehr, auch in der Finanzdienstleistungsbranche bekommen Masterabsolventen mit einem durchschnittlichen Einstiegsgehalt von rund 49.000 Euro deutlich mehr, als ihre Kollegen mit Bachelorabschluss, die mit etwa 43.000 Euro Jahresgehalt rechnen dürfen. Aber es gibt auch Branchen, in denen der Lohnunterschied relativ gering ist: im Groß- und Einzelhandel verdienen Bachelorabsolventen nur zehn Prozent weniger als Berufseinsteiger mit Masterabschluss.

Mit welchem Abschluss finden Absolventen beim Berufseinstieg schneller einen Job?
Die Jobchancen hängen stark mit der Nachfrage in der Branche zusammen. In der Informatik und BWL besteht eine hohe Nachfrage, weshalb man mit einem Bachelor kaum Nachteile beim Berufseinstieg haben dürfte. Das hängt allerdings auch damit zusammen, dass die meisten Leute in der IT sich in ihrem Berufsleben noch weiterbilden, es gibt also keinen fachlichen Nachteil. Naturwissenschaftler brauchen hingegen vergleichsweise lange für die Jobsuche, da es ein sehr spezifischer Arbeitsmarkt ist und es nicht viele passende Stellen für einen bestimmten Abschluss gibt – da kann ein Master helfen.

Kann Überqualifikation bei der Jobsuche zum Problem werden?
Beim Berufseinstieg eher weniger. Möchte ein Arbeitnehmer seinen Job im Laufe seiner Karriere allerdings wechseln, könnte das ein Thema sein. Eine bessere Qualifikation suggeriert potenziellen Arbeitgebern auch höhere Gehaltsvorstellungen. Es kommt dann stark auf die Spezialisierung und Branche an. In der Chemiebranche beispielsweise sind Abschluss und Training essenziell und Arbeitgeber achten stark auf die formale Qualifikation der Bewerber.

Gibt es Branchen, in denen ein Masterabschluss ab einer gewissen Position für eine Beförderung vorausgesetzt wird?
Wenn eine Person den Bachelor und einige Jahre Berufserfahrung hat, kann das auch Vorteile gegenüber jemandem mit Masterabschluss bringen. Den meisten Arbeitgebern ist vor allem wichtig, dass man einen Hochschulabschluss hat. Meistens sehen sie sich den Abschluss auch an, um zu sehen, was die Person an Zusatzqualifikationen wie zum Beispiel Praktika mitbringt. Bei Beförderungen geht es aber vor allem auch um persönliche Eigenschaften und die Reife eines Bewerbers, teilweise ist das auch mit dem Alter verbunden.

Mit welcher Absicht absolvieren Studierende ein Masterstudium?
Wir stellen fest, dass die meisten Studierenden den Master machen, um sich neue Kenntnisse und Fähigkeiten anzueignen und klar zu machen, in welchem Bereich sie später arbeiten möchten. Abiturienten wählen zwar eine Studienrichtung aus, aber der Bachelor ist häufig recht allgemein ausgelegt. Der Master bietet die Möglichkeit, sich zu spezialisieren und das schätzen die Unternehmen. Honoriert wird das dann eben auch mit etwas höherem Gehalt. Mehr zu verdienen ist aber nur selten der Antrieb für ein Masterstudium.

Welche Fragen sollten sich Bachelorstudenten stellen, bevor sie ein Masterstudium aufnehmen?
Sie sollten sich darüber klar werden, in welche berufliche Richtung sie später gehen möchten und sich fragen, was im bisherigen Studium gut gegangen ist und wo sie thematisch tiefer einsteigen möchten. Bestehende Stärken und Interessen sollte man in jedem Fall weiter vertiefen und verbessern. Wichtig ist auch, in welchen Branchen der ausgewählte Masterstudiengang überhaupt gefragt ist und in welchen Berufen man damit später konkret arbeiten kann.

Wie sollte ein Studium gewählt werden, um möglichst viel zu verdienen?
Natürlich können angehende Studierende ihr Studienfach nach den finanziell vielversprechendsten Branchen aussuchen, um dann zu schauen, welche Berufe ihnen damit offenstehen und was sie dann verdienen würden. Bei diesem Vorgehen empfiehlt sich ein Medizinstudium – wenn man die entsprechenden Neigungen nicht hat, sind Jura oder Wirtschaftswissenschaften eine gute Alternative. Allerdings wird es ohne persönliches Interesse und Begabungen in jedem Bereich schwierig sein, viel zu verdienen. Es gibt viele Betriebswirtschaftler oder Juraabsolventen, die gut, aber nicht überragend sind. Deshalb ist es viel besser, etwas mit Leidenschaft zu machen und eventuell schon während des Studiums praktische Erfahrungen zu sammeln. Denn fehlende Begeisterung kann man im weiteren Berufsleben nicht ausgleichen.

Kann praktische Erfahrung den Einstieg ins Berufsleben erleichtern?
Je mehr Erfahrung ein Bewerber hat, desto sicherer ist er sich, was er wirklich machen möchte. Sie hilft dabei, mögliche Arbeitgeber zu überzeugen und nimmt ihnen die Unsicherheit bezüglich der Ernsthaftigkeit der Bewerbung. Das kann auch zu einem höheren Einstiegsgehalt führen, weil es zum Beispiel zeigt, dass man sich schneller einarbeiten kann.

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