Mitarbeiterbindung Deutsche Unternehmen bieten schlechte Work-Life-Balance

Deutschen Unternehmen laufen die Mitarbeiter im internationalen Vergleich besonders schnell weg. Im Wettbewerb um gute Mitarbeiter sollten Firmen künftig auch das Bedürfnis nach einem Ausgleich von Beruf und Privatleben berücksichtigen, zeigt eine internationale Studie.

Rund 40 Prozent der Unternehmen in Deutschland gehen davon aus, dass die Work-Life-Balance ihrer Mitarbeiter unausgewogen ist. 60 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass ihre Mitarbeiter häufig unter großem Druck arbeiten. Da wundert es wenig, dass deutschen Unternehmen im internationalen Vergleich besonders oft die Leistungsträger und Nachwuchstalente abhanden kommen.

Für die "Global Talent Management & Rewards Study 2012" der Unternehmensberatung Towers Watson wurden insgesamt 1.605 Firmen weltweit befragt, darunter 36 aus Deutschland. Die Studie ist das Gegenstück aus Unternehmensperspektive zur "Towers Watson Global Workforce Study 2012" aus Sicht der Arbeitnehmer.

10 Tipps für den Jobwechsel
1. Klarheit schaffenBevor Sie überstürzt kündigen, wagen Sie eine ehrliche Bestandsaufnahme: Wollen Sie wirklich den Job wechseln? Oder flüchten Sie vor temporären Problemen? Haben Sie diese Fragen für sich klar beantwortet, bewahrt Sie das vor einer Kurzschlussreaktion, die Sie im Nachhinein womöglich bereuen. Quelle: Fotolia
2. Rat holenFragen Sie enge Freunde, Kollegen oder professionelle Coaches um Rat. Stellen Sie eine Kosten-Nutzen-Rechnung auf: Was geben Sie auf, was riskieren Sie - und was können Sie gewinnen? Außerdem sollten Sie Ihre finanziellen Reserven prüfen: Können Sie sich Einbußen leisten, kommt ein eventueller Umzug infrage? Quelle: dpa
3. Zukunft planenNicht jeder macht sich mit einer erfolgreichen Geschäftsidee selbstständig. Falls Sie sich in einer anderen Branche um einen festen Job bewerben, bereiten Sie sich schon mal auf kritische Fragen vor: In künftigen Vorstellungsgesprächen müssen Sie Ihre Entscheidung begründen. Sprechen Sie nicht von etwaiger Überforderung im aktuellen Job. Sondern machen Sie klar, dass der angestrebte Posten Ihren Talenten und Zielen entspricht. Quelle: Fotolia
4. Kündigen Sie korrektDie Kündigung muss schriftlich erfolgen, außerdem sollten Sie sie persönlich abgeben. In der Regel müssen Sie die Kündigung begründen, auch wenn das formal nicht erforderlich ist. Widerstehen Sie aber der Verlockung, in dem Schreiben abzurechnen: Es ist der neue Job, der Sie lockt – und nicht der alte, der Sie schockt. Quelle: Fotolia
5. Analysieren Sie die TrennungWelchen Anteil hatten Sie selbst an der Trennung? Hätten Sie etwas besser machen können? Wie können Sie sich künftig für solche Situationen wappnen? Die Antworten helfen Ihnen nicht nur dabei, sich vom alten Job zu lösen – sondern auch, sich auf eine neue Herausforderung einzulassen. Quelle: Fotolia
6. Bleiben Sie engagiertSeien Sie weiterhin pünktlich und zuverlässig, auch wenn es Ihnen schwer fällt. Bringen Sie Projekte zu Ende, verhandeln Sie wichtige Vorhaben selbst. Und bieten Sie an, einen eventuellen Nachfolger einzuarbeiten. Quelle: Fotolia
7. Schaffen Sie OrdnungUnd zwar wortwörtlich. Räumen Sie Ihr Büro auf, bevor Sie kündigen. Bringen Sie persönliche Dinge nach Hause – aber auch nur solche, die Ihnen wirklich gehören, löschen Sie private Dateien vom Computer. Nach der Kündigung haben Sie dazu vielleicht keine Gelegenheit mehr. Quelle: gms
8. Fordern Sie Feedback einVereinbaren Sie ein Abschlussgespräch mit Ihrem Arbeitgeber, in dem Sie um Feedback bitten. Es ist vielleicht die letzte Gelegenheit, Konflikte zu lösen. Und suchen Sie das Gespräch mit Kollegen, die Ihnen wichtig sind. Quelle: Fotolia
9. Holen Sie ein Arbeitszeugnis einSie können Ihrem Vorgesetzten beispielsweise anbieten, Ihre Referenzen schriftlich zusammenzufassen – dann fällt es ihm leichter, Ihnen ein Zeugnis zu schreiben. Wer weiß, wann Sie das noch mal brauchen… Quelle: Fotolia
10. Feiern Sie Ihren AbschiedDer Ausstand sollte zu Ihnen und Ihrem Verhältnis zu Kollegen und Chefs passen – also weder zu pompös noch zu geizig ausfallen. Wenn Sie jahrelang zusammengearbeitet haben, verzichten Sie auf Schnittchen – und laden Sie stattdessen Ihre Abteilung zum Essen ein.

Viele Mitarbeiter seien bereit, in bestimmten kritischen Phasen für ihr Unternehmen Höchstleistungen zu erbringen, wie die befragten Unternehmen bestätigen. „Wird daraus jedoch ein ‚Dauersprint', leidet das Engagement der Mitarbeiter", erklärt Olaf Lang, Leiter des Beratungsbereichs Talent & Rewards bei Towers Watson. "Die Global Workforce Study zeigt, dass gerade eine gute Work-Life-Balance Mitarbeiter motiviert, nicht nur kurzfristig, sondern regelmäßig gute Arbeitsergebnisse abzuliefern. Unternehmen sollten daher Strategien entwickeln, um die Motivation und das Engagement ihrer Mitarbeiter langfristig und nachhaltig zu unterstützen", so Lang.

Stress als wichtiger Grund für Jobwechsel

Im internationalen Vergleich zeigt sich die Situation der Mitarbeiter in Deutschland besonders angespannt. Denn weltweit gehen immerhin 52 Prozent der Unternehmen davon aus, dass die Work-Life-Balance ihrer Mitarbeiter stimmt. In Deutschland liegt dieser Anteil bei gerade einmal bei 31 Prozent. "Die hohe Arbeitsbelastung kann auch die Bindung der Mitarbeiter an das Unternehmen beschädigen", weiß Towers-Watson-Berater Jürgen Haselgruber. "Unternehmen in Deutschland berichten seltener als Unternehmen weltweit, dass ihre Mitarbeiter sie als guten Arbeitgeber weiterempfehlen. Und aus Mitarbeitersicht zählt die Chance, arbeitsbezogenen Stress zu begrenzen, zu den zehn wichtigsten Gründen für einen Jobwechsel."

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

70 Prozent der Unternehmen in Deutschland fällt es nach eigenen Angaben schwer, ihren Nachwuchstalenten den Verbleib schmackhaft zu machen, aber nur 54 Prozent weltweit. 34 Prozent der deutschen Firmen berichten, dass ihnen Hochschulabsolventen oft davonlaufen, international klagen darüber nur 20 Prozent der Unternehmen. "Unternehmen, die ihre Mitarbeiter dabei unterstützen, Privatleben und Arbeit gut ‚unter einen Hut zu bringen', etwa durch flexible Arbeitsmodelle, die Möglichkeit, längere Auszeiten zu nehmen oder Unterstützung bei der Kinderbetreuung, werden sowohl mit Blick auf das Engagement als auch mit Blick auf die Mitarbeiterbindung über Wettbewerbsvorteile im ‚War for Talents' verfügen“, sagt Haselgruber.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%