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Mitarbeiterzufriedenheit Die Deutschen sind ihrem Arbeitgeber treu

Während woanders Job-Hopping Gang und Gäbe ist, sind die Deutschen ihrem Chef treu. Sie bleiben im Schnitt elf Jahre beim selben Arbeitgeber. Trotzdem sind zwei Drittel der Deutschen von ihrem Job genervt.

In der Produktion der Magnetto Automotive Deutschland GmbH Treuen entnimmt Mitarbeiter Ronny Pietsch am 21.09.2012 einen Getriebekonsolenträger für BMW zur Weiterbearbeitung. Quelle: dpa

Deutsche Beschäftigte halten ihrem Unternehmen im Vergleich zu anderen europäischen Ländern überdurchschnittlich lang die Treue. Die Betriebszugehörigkeit hierzulande beträgt im Schnitt rund elf Jahre, wie die „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) berichtet. Zwar wurde der deutsche Arbeitsmarkt in den vergangenen Jahren stark flexibilisiert, seit 1992 habe sich die Zahl der Beschäftigten mit befristeten Arbeitsverträgen verdoppelt. „Dennoch ist Job-Hopping kein Phänomen, das für das Gros der Arbeitnehmer zutrifft“, sagte Thomas Rhein vom IAB dem Blatt. Gründe für die Loyalität seien unter anderem gute Gehälter und Entwicklungschancen.

Wann es Zeit für einen Jobwechsel ist
FrustWenn Sie gar keine Freude mehr an dem haben, was Sie tun, wenn Sie schon morgens mit Bauchschmerzen aufstehen und die positivste Stimmung, zu der Sie an der Arbeit fähig sind, eine genervte Grundhaltung ist, sollten Sie darüber nachdenken, ob Sie dauerhaft so weitermachen wollen. Die Düsseldorfer Outplacement-Beraterin Heike Cohausz rät in einem solchen Fall: "Stellen Sie sich zunächst folgende Fragen: Was genau hat meinen Frust ausgelöst? Wieso möchte ich nicht mehr mit meinem Chef arbeiten? Welche konkreten Situationen haben dazu geführt, dass ich gehen will?" Können Sie die Faktoren, die Ihren Frust auslösen, nicht verändern oder beeinflussen, sollten Sie ernsthaft über einen Jobwechsel nachdenken. Quelle: Fotolia
Zu wenig GehaltIhre Arbeit sollte Ihrem Chef mehr Geld wert sein? Dann sollte Sie natürlich der erste Weg zu Ihrem Vorgesetzten führen. Wenn Ihr Unternehmen wegen seiner wirtschaftlichen Lage aber nicht mehr zahlen kann, gibt es zwei Möglichkeiten: das Ganze so hinnehmen oder gehen. Gerade für Arbeitnehmer, die bereits öfter bei Lohnerhöhungen übergangen worden sind, wäre letzteres der richtige Weg. Laut einer Studie von TNS Infratest zusammen mit der Personalberatung Cribb ist gerade für Männer die Unzufriedenheit mit ihrem aktuellen Gehalt ein Wechselgrund. Von einem Jobwechsel versprechen sich laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der Online-Stellenbörse Jobware rund 30 Prozent der Befragten ein höheres Einkommen - und das kriegen Sie in der Regel auch. So bestätigt eine Umfrage des Personaldienstleisters Experis unter 1049 Arbeitnehmern, dass 56 Prozent der Befragten mit dem neuen Arbeitsplatz auch mehr Gehalt bekommen. Marcus Schmidt, Geschäftsführer der Personalberatung Hanover Matrix, sagt: "Steigerungen um zehn Prozent liegen dabei im Normbereich." Quelle: Fotolia
Gestiegene AnforderungenImmer mehr, immer schneller: Sie müssen immer mehr Arbeit bestenfalls in der gleichen, am liebsten aber in der Hälfte der Zeit, erledigen? Kollegen, die in den Ruhestand gehen oder kündigen werden nicht ersetzt, sondern die Arbeit bleibt an den übrigen Mitarbeitern hängen? Wenn es sich nicht nur um kurze Stressphasen - beispielsweise wegen Urlaubs- oder Krankheitsvertretungen - handelt, sind stetig steigende Anforderungen ohne entsprechende (pekuniäre) Würdigung für 17 Prozent ein Grund für eine Kündigung. Wenn Sie dem wachsenden Arbeitsberg nicht mehr Herr werden und auch keine Besserung in Sicht ist, wäre ein Jobwechsel eine Option. (Quelle: Umfrage des Personaldienstleisters Kelly Services unter 2200 Beschäftigten) Quelle: Fotolia
LangeweileDoch auch das Gegenteil gibt es häufig: Die Aufgaben, die Sie zu erledigen haben, sind überschaubar - und vor allem monoton. Sie langweilen sich nine to five. Bei einer Umfrage des Personaldienstleisters Robert Half unter mehr als 2400 Fachkräften sagte beispielsweise jeder zweite deutsche Arbeitnehmer, dass er für die Chance auf mehr Abwechslung sofort bei einem neuen Arbeitgeber anheuern würde. Und ein Jobwechsel kann dann tatsächlich etwas bewirken. Die Experis-Umfrage unter 1049 Jobwechslern zeigt, dass 46 Prozent derer, die den Schritt gewagt und gekündigt haben, ihre Tätigkeit nun für vielfältiger halten. Ein Viertel der Studienteilnehmer bemerkte, dass sich das sehr positiv auf die eigene Motivation auswirkte. Quelle: dpa
Wichtigstes Kriterium bei der Wahl eines neuen Arbeitgebers: Der Standort Quelle: AP
Zeit für die FamilieOb wegen Pendelei, Arbeitsberg oder Überstunden - manchmal fehlt einfach die nötige Zeit für Freunde, Familie und Privatleben. In diesem Fall müssen Sie sich die Frage stellen, ob Ihnen Ihr Job das Wert ist. "Jede Lebenssituation ist anders und auch die Ziele können im Lauf der Zeit variieren", sagt Beraterin Cohausz. Wenn es für den Berufseinsteiger noch völlig in Ordnung war, 60 Stunden die Woche zu arbeiten und durch die Welt zu jetten, ist dieses Modell für junge Eltern gänzlich ungeeignet. Auch für den älteren Arbeitnehmer wäre ein anderes Arbeitsmodell eventuell sinnvoll, auch wenn das alte Jahre lang gut funktioniert hat. "Ein Seiten- oder Rückschritt kann für eine ruhigere Phase im Leben, etwa um mehr Zeit mit den Kindern verbringen zu können, sinnvoll und wichtig sein", sagt Cohausz. Auch ein Funktions- oder Branchenwechsel können sinnvoll sein. Fragen Sie sich: Wo möchte ich in zehn Jahren stehen? Bringt mich der Schritt dorthin? Ist mir Führungsverantwortung wirklich wichtig? Quelle: Fotolia
KarrierechancenFür viele soll es allerdings nicht seit- oder rückwärts, sondern nach vorne gehen. Aber viele können in ihrem Unternehmen maximal 67 werden, mehr geben die Perspektiven nicht her. Wer mehr von seinem Berufsleben möchte, muss sich in diesem Fall nach einem neuen Job umsehen. Tiemo Kracht, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Kienbaum empfiehlt unzufriedenen Arbeitnehmern zu überprüfen, ob die Unternehmens- und Ertragsentwicklung eine tragfähige Basis für eine weitere Karriere bietet. " Wenn die nächste Führungsebene, für die Sie sich vorbereitet haben, mit einem Kandidaten besetzt wird, der jünger, im gleichen Alter oder geringfügig älter ist, kann der nächste Karriereschritt auf Jahre versperrt sein", sagt er. Quelle: Fotolia

Doch trotz des guten Gehalts und der Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz: arbeiten stresst die Deutschen - und zwar mehr als Geldsorgen, das kranmke Kind oder der Streit mit dem Partner. Das geht aus einer Umfrage des Bürodienstleisters Regus hervor, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. Fast zwei Drittel der Befragten hierzulande (61 Prozent) gaben als größten Stressfaktor ihre Arbeit an. Die Anspannung im Job ist bei 58 Prozent der Befragten im Vergleich zum Vorjahr außerdem gestiegen, weltweit empfinden das 48 Prozent der Menschen so. Privat macht den Menschen vor allem ihre finanzielle Lage Sorgen: 44 Prozent der Befragten sehen darin den größten Stressfaktor, in Deutschland sind es 25 Prozent.

Mehr als zehn Jahre Betriebszugehörigkeit

In Arbeit
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Seit 1992 berechnet das IAB die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit von Arbeitnehmern in deutschen Unternehmen. Laut der Zeitung lag sie damals bei 10,3 Jahren - Lehrlinge und Neueinsteiger mitgerechnet. Wegen des wirtschaftlichen Umbruchs in Ostdeutschland nach der Wiedervereinigung sank die Zahl, seit 2000 steige sie aber wieder kontinuierlich. 2009 betrug sie laut der Zeitung 11,2 Jahre. Experte Rhein geht davon aus, dass dieser Wert heute weitgehend stabil geblieben sei. In anderen europäischen ist die Bereitschaft, das Unternehmen zu wechseln, dem Bericht zufolge mitunter deutlich größer.

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