WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Mobiles Bewerben Der Schreiner bewirbt sich mit dem Smartphone

Wer Akademiker sucht, hat mit einer traditionellen Stellenanzeige in der Zeitung oder online vielleicht noch Glück. Die Kassiererin oder den Schreiner findet man so aber nicht: Die bewerben sich eher mobil.

Vorsicht vor diesen Stellenanzeigen
Die StellenbeschreibungSie bewerben sich auf eine Stelle mit Assistentenfunktion beziehungsweise eine Stelle mit enger Zusammenarbeit mit dem Management? Dann stellen Sie sich darauf ein, den anderen den Rücken freizuhalten - und mehr nicht. Quelle: Fotolia
Ihr ProfilGesucht werden Mitarbeiter, die dynamisch und flexibel, kommunikativ, teamfähig und belastbar sind. Darunter verstehen der zukünftige Arbeitgeber sowie der Bewerber im besten Fall beide gar nichts, im schlechtesten Fall komplett unterschiedliche Dinge. Der belastbare Mitarbeiter kann zwar körperlich anpacken, hält aber Stress nicht aus, die dynamische Kollegin arbeitet schnell, ist aber menschlich eine Schlaftablette, teamfähig ist der Neue nur, wenn er das Team anführen darf und so weiter. Eine gute Stellenausschreibung sagt konkret, wen sie sucht und lässt keine Mehrfachdeutungen zu. Quelle: Fotolia
EinsatzbereitschaftDer neue Mitarbeiter sollte außerdem außergewöhnlichen Einsatz mitbringen. Wer das in einer Ausschreibung so betont, verwechselt Engagement mit Überstunden und Stress. Quelle: dpa
ArbeitsweiseGefragt sind außerdem selbstständiges Arbeiten und Entscheidungsstärke. Wenn nicht gerade jemand gesucht wird, der in einem jungen Unternehmen eine neue Abteilung aufbaut, könnte diese Phrase auch bedeuten, dass es im Betrieb an eindeutigen Vorgaben mangelt und jeder zusehen muss, was und wie er arbeitet. Quelle: Fotolia
VerantwortungsbewusstseinEinen Mangel an Strukturen und Vorgaben verstecken Unternehmen auch gern hinter schwammigen Formulierungen wie "Unternehmerisches Denken gewünscht" oder "Sie sind bereit, Verantwortung zu übernehmen". Im schlimmsten Fall kann das bedeuten: Mach deine Arbeit, wie du denkst - aber wehe, das Ergebnis stimmt nicht. Quelle: Fotolia
ArbeitsumfeldSie bewerben sich auf eine Stelle in einem sehr dynamischen Arbeitsumfeld. Richtig klar wird auch hier nicht, was gemeint ist. Entweder herrscht bei den Mitarbeitern eine hohe Fluktuation oder Sie müssen sich täglich um neue Aufgaben kümmern. Quelle: Fotolia
GleichberechtigungIm neuen Betrieb sind alle gleichberechtigt, es herrschen flache Hierarchien. Klingt nett, kann aber auch heißen, dass niemand Verantwortung übernimmt oder sagt, wo es lang geht. Quelle: Fotolia

Neues Jahr, neuer Job: Was die Situation am Arbeitsmarkt angeht, sind die Deutschen optimistisch. Das zeigt der aktuelle JobConfidence-Index der Personalvermittlung PageGroup. Demnach sind 65 Prozent der befragten Deutschen zuversichtlich, dass sich die Lage am Arbeitsmarkt verbessern wird. Im europäischen Durchschnitt sagen 51 Prozent: "Wird schon werden, mit dem neuen Job."

In Deutschland variiert die Zuversicht nach Altersgruppen. Am optimistischsten sind die Jungen. 58 Prozent der unter 30-Jährigen sagen, dass sie weniger als drei Monate brauchen würden, um eine neue Stelle zu finden. Bei den 30- bis 49-Jährigen denken das immer noch 45 Prozent und auch bei den Kandidaten jenseits der 49 Jahre ist mehr als ein Drittel überzeugt, dass die Jobsuche kein Problem wird.

Auch Nicht-Akademiker sind optimistisch

Optimistisch sind aber nicht nur Manager und Akademiker, auch Bäckereifachverkäuferinnen, KfZ-Mechaniker und Lageristen machen sich wenig Sorgen um die Nachfrage am Arbeitsmarkt. Laut einer Umfrage der Plattform mobileJob.com unter Arbeitnehmer mit außerakademischen Hintergrund können sich 81 Prozent einen Jobwechsel vorstellen. "Der nichtakademische Arbeitsmarkt ist deutlich dynamischer als der für Akademiker. Kandidaten im Pflege-, Service- oder Industriebereich sind nicht zuletzt aufgrund der stabilen Wirtschafts- und Arbeitsmarktsituation mutig genug, einen Jobwechsel voranzutreiben. Arbeitgeber, die hier auf der Suche sind, sollten die Gunst der Stunde im Jahr 2017 nutzen," sagt Steffen Manes, Geschäftsführer bei mobileJob.com.

Stellensuche ist mobil

Doch bevor Unternehmer damit loslegen, ihren Mitarbeiterstab aufzustocken, müssen sie sich fragen, wie die Zielgruppe nach Jobs sucht. Nur so kommen Stellenanzeige und Bewerber auch zusammen. meinestadt.de, ein Portal für die lokale Lehrstellen- und Jobsuche, hat deshalb Bewerberinnen und Bewerber zu ihren Suchgewohnheiten befragt.

Das Ergebnis: Insgesamt surfen 87 Prozent mit ihrem Smartphone die Stellenanzeigen ab. Lediglich zehn Prozent nutzen einen Firmen-PC oder Laptop. Für Unternehmen, die Fachkräfte mit einer Berufsausbildung statt einem Studium suchen, ist es also noch wichtiger, ihr Angebot mobil zu optimieren. Sonst erreichen sie nur zehn Prozent der Wechselwilligen. Außerdem ist es wichtig zu wissen, wann jemand nach einem Job sucht. Sonntagsnachmittags auf der Couch dürfte der Bewerber ein anderes Leseverhalten an den Tag legen als Montagsmorgens im Bus.

Neuer Job: Das suchen Bewerber aus verschiedenen Bundesländern

Zwischen drei und 20 Minuten für die Stellensuche

Das zeigt auch die Erhebung von meinestadt.de sehr schön: 95 Prozent der Wechselwilligen suchen tatsächlich zu Hause auf dem Sofa nach einer neuen Stelle. 20 Minuten nehmen sie sich für die Recherche.

Knapp die Hälfte der Teilnehmer sucht unterwegs nach einem Arbeitsplatz, beispielsweise im Wartezimmer beim Arzt, im Café oder auf dem Arbeitsweg. Da dauert die Recherche nur noch zehn Minuten - maximal. Und wer in der Mittagspause auf der Arbeit einen Blick riskiert (knapp jeder Sechste macht das) nimmt sich drei Minuten Zeit.

Kryptische Anzeigen mit zahlreichenden weiterführenden Links zu Karriereseiten, Youtube-Videos und Facebook-Auftritten erreichen diese gehetzten Kandidaten also überhaupt nicht. Was nicht heißen soll, dass man sich derartige Informationen sparen könnte. Nur sollten sich hier nicht die Kerninformationen - Anforderung, Arbeitszeit, Gehalt, Sozialleistungen - verbergen. Die wichtigsten Informationen müssen übersichtlich und auf den ersten Blick direkt für den Bewerber erkennbar sein. Und zwar direkt zu Beginn des Stellenangebots.

Weitere Informationen zum Arbeitgeber oder zur Unternehmenskultur sind erst im zweiten Schritt für Recherchen relevant. Wer nach einem kurzen Blick im Bus das Stellenangebot interessant fand, schaut sich auch zu Hause noch die Mitarbeitervideos an. Aber dafür muss der erste Eindruck stimmen. Also genau wie beim Vorstellungsgespräch. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass niemand zum Vorstellungsgespräch kommt, wenn Arbeitgeber mit ihren Stellenanzeigen nicht überzeugen.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%