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Neuorientierung Jobwechsel mitten in der Pandemie? Nur zu!

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Mitten in der Pandemie den Sprung in einen neuen Job wagen? Klingt vielleicht verrückt – ist aber gerade weit verbreitet. Quelle: imago images

Die Neuorientierung auf dem Arbeitsmarkt hat einer aktuellen Studie zufolge ausgerechnet mitten in der Pandemie Hochkonjunktur. Worauf also warten? So gelingt der Jobwechsel während der Coronakrise.

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Sie halten ausgerechnet jetzt, mitten in der Pandemie, Ausschau nach einem neuen Job? Wenn Sie unzufrieden mit ihrem Arbeitgeber sind und sich neu orientieren möchten, sind Sie aktuell tatsächlich in bester Gesellschaft. Schließlich hat die Coronakrise den Arbeitsmarkt vollkommen durcheinander gewirbelt. Und Kündigungen von Beschäftigten sind hoch im Kurs. Gut jeder zweite Arbeitnehmer (45 Prozent) will innerhalb der nächsten Monate oder nach der wirtschaftlichen Erholung von der Pandemie den Job wechseln. Das hat eine Umfrage des HR-Start-ups Personio aus München unter 2000 Arbeitnehmern und 500 Personalverantwortlichen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ergeben, die der WirtschaftsWoche vorab vorlag.

„Das vergangene Jahr hat Unternehmen und Personalabteilungen vor eine Vielzahl neuer Herausforderungen und Aufgaben gestellt. Im durchgängigen Krisenmodus blieb dabei oftmals kaum Zeit für eine effektive Personalstrategie, was nun Konsequenzen zum Vorschein bringt“, sagt Hanno Renner, der Personio 2015 mitgründete. Eine Kündigungswelle, so Renner, ließe sich kaum noch verhindern.

Tatsächlich klingt der Jobwechsel in der Pandemie zunächst herausfordernd. Allerdings: „58 Prozent der befragten Unternehmen wollen in den nächsten zwölf Monaten neue Leute einstellen. Das zeigt, dass die Chancen für arbeitssuchende Fachkräfte momentan sehr gut stehen“, sagt Renner. Renner selbst habe allein im Juni über 50 neue Kolleginnen und Kollegen bei Personio eingestellt. Personio konnte seit der Gründung mehr als 250 Millionen US-Dollar einsammeln und gilt als Einhorn; also als Start-up mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde US-Dollar. Gründer Renner ist überzeugt, dass die gute Lage nicht nur für sein Start-up anhält. Auch für Jobwechsler dürften die Chancen längerfristig gut stehen.



So weit die Theorie des Jobwechsels. Bloß: Wie stelle ich es an? Schließlich ist die Kündigung, die Aufgabe des sicheren, womöglich gut bezahlten Jobs, keine Kleinigkeit. Bei dem Jobwechsel ist vor allem eines wichtig: „Zur eigenen Risikominimierung sollte sich jeder mit der wirtschaftlichen Situation des Unternehmens und den marktseitigen Rahmenbedingungen intensiv auseinandersetzen“, sagt Jörg Breiski, Managing Director von Kienbaum Consultants, einer der größten Personalberatungen Deutschlands.

Auf zu den Corona-Profiteuren?

Das klingt komplex, meint für die unterschiedlichen Branchen aber folgendes: Aktuell seien besonders die Unternehmen in den Bereichen E-Commerce, MedTech, Life Science, Pharma, Logistik, IT und Dienstleistungen mit der Digitalisierung für einen Arbeitsplatzwechsel anzuraten, empfiehlt Breiski. Für die Neuorientierung ist laut Breiski anders als vor der Pandemie wichtig, sich technisch und persönlich auf die digitalen Prozesse, mit denen der Arbeitsalltag unterstützt wird, vorbereiten. Also etwa auf die aktuell besonders populären Videokonferenzen.

Unternehmen aus den kriselnden Branchen sollten hingegen dringend umsteuern. Sonst drohen die Arbeitnehmer davonzulaufen. Darüber sind sich die Arbeitgeber bewusst: Über ein Drittel gab in der Personio-Umfrage an, das Thema Mitarbeiterbindung verschärft anzugehen.

Tatsächlich klaffen die Realitäten der Arbeitgeber und Arbeitnehmer allerdings weit auseinander. Oft unterschätzen Arbeitgeber die Ursache der Kündigungen. Sie glauben zwar zu Recht, dass eine sich verschlechternde Work-Life-Balance zu einem Arbeitsplatzwechsel führen kann, aber vor allem sind den Mitarbeitern Anerkennung der eigenen Leistung und Aufstiegsmöglichkeiten wichtig. Erfahren sie diese nicht, wird die Kündigung wahrscheinlicher.

Außerdem zeigt die Auswertung, dass die Mehrheit der Arbeitgeber überzeugt ist, die Karriere der Mitarbeiter genügend zu fördern und für körperliches und mentales Wohlbefinden zu sorgen. Jedoch teilen nicht einmal die Hälfte der Mitarbeiter diese Einschätzung. Ähnlich positiv bewerten Unternehmen das eigene Management. Die Arbeitgeber sind demnach stolz darauf, wie sie in den vergangenen zwölf Monaten mit Herausforderungen der Unternehmenskultur, interner Kommunikation und Ressourcenmanagement umgegangen sind. Jeder zweite Mitarbeiter sieht das jedoch anders.

Mehr als die Hälfte der Arbeitgeber denkt, einen Anstieg der Mitarbeiterproduktivität festgestellt zu haben. Fehlanzeige: Fast bei jedem dritten Mitarbeiter hat die Produktivität gelitten. Ursächlich dafür sind laut der Umfrage der schlechte physische und psychische Gesundheitszustand der Mitarbeitenden, sinkende Motivation und Moral, ineffiziente Kommunikation mit Kollegen sowie die schwierige Situation bei der Kinderbetreuung. Die mangelnde Produktivität lässt sich also wieder auf die Arbeitssituation zurückführen. 77 Prozent der Mitarbeiter sagen, eine gute Arbeitsplatzkultur würde sie produktiver machen.

Die zunehmenden Kündigungen zwingen Unternehmen zum Handeln. „Sie passen ihr Geschäftsmodell an, hinterfragen die organisatorische Aufstellung und definieren neue Jobprofile“, sagt Breiski.

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