Praktikum bevorzugt Hochschulabsolventen haben Angst vor dem Berufseinstieg

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Wer von der Uni kommt ist voller Tatendrang und will sofort in den Beruf einsteigen? Von wegen! Die meisten Absolventen trauen sich einen Direkteinstieg gar nicht zu und starten lieber als Trainee.

Eine Frau hält sich erschrocken die Hände vor den Mund Quelle: Fotolia

Auf dem Arbeitsmarkt herrscht Optimismus, wie eine Umfrage des Marktforschungsinstituts TNS Infratest im Auftrag der Online-Jobbörse StepStone zeigt: Jede zweite Fachkraft schätzt ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt aktuell positiv ein. Dementsprechend schmieden ausgebildete Arbeitnehmer in Deutschland zurzeit konkrete Karrierepläne: Gut ein Drittel (37 Prozent) von ihnen erwartet in diesem beziehungsweise im kommenden Jahr eine berufliche Veränderung - fünf Prozent mehr als 2014. "Die Dynamik auf dem Fachkräftemarkt nimmt zu, die Fachkräfte werden selbstbewusster", sagt Sebastian Dettmers, Geschäftsführer von StepStone.de.

"Rekrutierende Unternehmen benötigen mehr denn je überzeugende Argumente im Wettbewerb um die besten Talente." Berufseinsteiger, die ein abgeschlossenes Universitätsstudium in der Tasche haben, müssen sich quasi nicht mehr bewerben, sondern die Bewerbungen der Arbeitgeber entgegen nehmen. So zumindest das vorherrschende Bild.

Darauf legen junge Arbeitnehmer bei der Wahl ihres Arbeitnehmers Wert

Die einzigen, die davon nicht so recht überzeugt sind, sind die Uni-Absolventen. Die trauen sich den Direkteinstieg ins Berufsleben nämlich nicht zu. 46 Prozent der Absolventen wünschen sich, dass ihr Einstieg in ein Unternehmen über ein Traineeprogramm gelingt. Sieben Prozent ziehen ein Praktikum vor. Nur 47 Prozent der Absolventen würden den Direkteinstieg wählen, wenn sie es sich aussuchen könnten. Das ergibt eine Studie der Beratungsgesellschaft Kienbaum zum Absolventenjahrgang 2015. Kienbaum hat rund 600 Studierende, die kurz vor ihrem Abschluss stehen, nach ihren Wünschen zu Beruf und Karriere befragt; etwa die Hälfte darunter sind angehende Ökonomen.

Der Survival-Guide für Berufseinsteiger

Der Grund für die Unsicherheit: Die jungen Talente wollen beim Berufseinstieg an die Hand genommen werden. "Die Absolventen geben sich anscheinend gerne damit zufrieden, als Trainee weniger Verantwortung zu tragen, unverbindlich in viele Unternehmensbereiche hineinschnuppern zu können und von einer guten Betreuung zu profitieren", sagt Constanze Wachsmann, Personalberaterin und Leiterin des Dresdner Büros von Kienbaum. Das unverbindliche Schnuppern wird von Unternehmen allerdings nicht so gerne gesehen. Wer von der Uni kommt, soll ein klares Profil haben und wissen, was er kann und will. "Das sucht man beim Großteil des Absolventenjahrgangs 2015 vergeblich", so Wachsmann.

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Also heißt es für Unternehmen nicht nur, die Work-Life-Balance zu optimieren und Betriebskitas einzurichten, sondern auch die Berufseinsteiger entsprechend zu betüddeln. Am wichtigsten ist den Absolventen die persönliche Betreuung während des Traineeships, an zweiter Stelle folgt die Vielfältigkeit der Tätigkeiten und am drittwichtigsten sind den Absolventen gezielte Personalentwicklungsmaßnahmen.

"Die Studierenden sehen das Traineeship als Deal: Sie sind gut ausgebildet und stellen teilweise Gehalt und Sicherheit hinten an. Dafür wollen sie aber auch einen Mentor an ihrer Seite, spannende und abwechslungsreiche Inhalte und eine Perspektive", sagt Wachsmann. Arbeitgeber sollten also auf die Anforderungen der Absolventen eingehen und ihnen eine Mischung aus Vielfalt, Perspektiven und guter Betreuung beim Berufsstart bieten.

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