Recruiting Wie die Deutschen auf Jobsuche gehen

Fachkräftemangel und wählerische Kandidaten machen die Mitarbeitersuche schwierig. Hinzu kommt ein Dschungel aus Jobplattformen, Netzwerken und Suchmaschinen. Wie suchen eigentlich die Bewerber?

Wann es Zeit für einen Jobwechsel ist
FrustWenn Sie gar keine Freude mehr an dem haben, was Sie tun, wenn Sie schon morgens mit Bauchschmerzen aufstehen und die positivste Stimmung, zu der Sie an der Arbeit fähig sind, eine genervte Grundhaltung ist, sollten Sie darüber nachdenken, ob Sie dauerhaft so weitermachen wollen. Die Düsseldorfer Outplacement-Beraterin Heike Cohausz rät in einem solchen Fall: "Stellen Sie sich zunächst folgende Fragen: Was genau hat meinen Frust ausgelöst? Wieso möchte ich nicht mehr mit meinem Chef arbeiten? Welche konkreten Situationen haben dazu geführt, dass ich gehen will?" Können Sie die Faktoren, die Ihren Frust auslösen, nicht verändern oder beeinflussen, sollten Sie ernsthaft über einen Jobwechsel nachdenken. Quelle: Fotolia
Ein Mitarbeiter der Firma Miele hält am Mittwoch (02.05.2012) in Lehrte am Firmengelände anlässlich eines Warnstreiks ein Plakat mit der Forderung nach 6,5 Prozent Gehalt hoch. Quelle: dpa
Gestiegene AnforderungenImmer mehr, immer schneller: Sie müssen immer mehr Arbeit bestenfalls in der gleichen, am liebsten aber in der Hälfte der Zeit, erledigen? Kollegen, die in den Ruhestand gehen oder kündigen werden nicht ersetzt, sondern die Arbeit bleibt an den übrigen Mitarbeitern hängen? Wenn es sich nicht nur um kurze Stressphasen - beispielsweise wegen Urlaubs- oder Krankheitsvertretungen - handelt, sind stetig steigende Anforderungen ohne entsprechende (pekuniäre) Würdigung für 17 Prozent ein Grund für eine Kündigung. Wenn Sie dem wachsenden Arbeitsberg nicht mehr Herr werden und auch keine Besserung in Sicht ist, wäre ein Jobwechsel eine Option. (Quelle: Umfrage des Personaldienstleisters Kelly Services unter 2200 Beschäftigten) Quelle: Fotolia
LangeweileDoch auch das Gegenteil gibt es häufig: Die Aufgaben, die Sie zu erledigen haben, sind überschaubar - und vor allem monoton. Sie langweilen sich nine to five. Bei einer Umfrage des Personaldienstleisters Robert Half unter mehr als 2400 Fachkräften sagte beispielsweise jeder zweite deutsche Arbeitnehmer, dass er für die Chance auf mehr Abwechslung sofort bei einem neuen Arbeitgeber anheuern würde. Und ein Jobwechsel kann dann tatsächlich etwas bewirken. Die Experis-Umfrage unter 1049 Jobwechslern zeigt, dass 46 Prozent derer, die den Schritt gewagt und gekündigt haben, ihre Tätigkeit nun für vielfältiger halten. Ein Viertel der Studienteilnehmer bemerkte, dass sich das sehr positiv auf die eigene Motivation auswirkte. Quelle: dpa
Blick auf das Hermsdorfer Kreuz in Thüringen, Schnittstelle der Autobahnen 4 und 9 Quelle: dpa/dpaweb
Zeit für die FamilieOb wegen Pendelei, Arbeitsberg oder Überstunden - manchmal fehlt einfach die nötige Zeit für Freunde, Familie und Privatleben. In diesem Fall müssen Sie sich die Frage stellen, ob Ihnen Ihr Job das Wert ist. "Jede Lebenssituation ist anders und auch die Ziele können im Lauf der Zeit variieren", sagt Beraterin Cohausz. Wenn es für den Berufseinsteiger noch völlig in Ordnung war, 60 Stunden die Woche zu arbeiten und durch die Welt zu jetten, ist dieses Modell für junge Eltern gänzlich ungeeignet. Auch für den älteren Arbeitnehmer wäre ein anderes Arbeitsmodell eventuell sinnvoll, auch wenn das alte Jahre lang gut funktioniert hat. "Ein Seiten- oder Rückschritt kann für eine ruhigere Phase im Leben, etwa um mehr Zeit mit den Kindern verbringen zu können, sinnvoll und wichtig sein", sagt Cohausz. Auch ein Funktions- oder Branchenwechsel können sinnvoll sein. Fragen Sie sich: Wo möchte ich in zehn Jahren stehen? Bringt mich der Schritt dorthin? Ist mir Führungsverantwortung wirklich wichtig? Quelle: Fotolia
KarrierechancenFür viele soll es allerdings nicht seit- oder rückwärts, sondern nach vorne gehen. Aber viele können in ihrem Unternehmen maximal 67 werden, mehr geben die Perspektiven nicht her. Wer mehr von seinem Berufsleben möchte, muss sich in diesem Fall nach einem neuen Job umsehen. Tiemo Kracht, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Kienbaum empfiehlt unzufriedenen Arbeitnehmern zu überprüfen, ob die Unternehmens- und Ertragsentwicklung eine tragfähige Basis für eine weitere Karriere bietet. " Wenn die nächste Führungsebene, für die Sie sich vorbereitet haben, mit einem Kandidaten besetzt wird, der jünger, im gleichen Alter oder geringfügig älter ist, kann der nächste Karriereschritt auf Jahre versperrt sein", sagt er. Quelle: Fotolia
Burn-outDie Zahl der Gestressten und psychisch Erkrankten wächst seit Jahren bedenklich. Burn-out gilt längst als Volkskrankheit. Psychologen attestieren immer mehr Arbeitnehmern, vollkommen ausgebrannt zu sein. Überall schwelt der Frust. Und mit ihm die Bereitschaft, den Job zu wechseln. Wer wegen Überlastung im Job psychische Probleme bekommt, sollte neben einer Therapie unbedingt auch über einen Job- oder zumindest Arbeitsplatzwechsel nachdenken. Quelle: Fotolia
Unmögliche ArbeitszeitenEin Auslöser für Burn-out, zumindest aber ein Garant für Unzufriedenheit und damit den Wunsch nach einem Jobwechsel, sind unmögliche Arbeitszeiten. Für 32 Prozent der Arbeitnehmer sind immer längere Arbeitszeiten und regelmäßige Überstunden ein Grund, den Arbeitgeber zu wechseln. Quelle: Fotolia
ArbeitsklimaAber nicht nur die Bedingungen, die das Unternehmen seinen Mitarbeitern aufoktroyiert, können die Lust am Arbeiten schmälern, auch das vorherrschende Arbeitsklima kann ein Motivationskiller sein. Wenn Sie weder mit Ihrem Chef noch den Kollegen auf Dauer zusammen arbeiten können oder wollen, müssen Sie gehen. Sonst machen Sie sich unglücklich. "Spaß und Freude an der Aufgabe und jeden Morgen gerne ins Büro zu gehen, sind absolute Voraussetzung für einen erfolgreichen Job. Nur lassen sich die eigenen Stärken voll für das Unternehmen einsetzen", bestätigt auch Heike Cohausz von P4 Career Consultants. Und die Experis-Studie zeigt, dass ein Drittel der Jobwechsler das Arbeitsklima im neuen Unternehmen als angenehmer empfindet. Das hat laut Experis-Geschäftsführer Attilio Berni aber nicht zwangsläufig etwas mit netteren Vorgesetzten oder Kollegen zu tun. "Vielmehr kommen die Mitarbeiter positiv eingestellt in den neuen Job, was sich auf ihr Umfeld auswirkt", sagt Berni. Quelle: Fotolia

Der beste Freund des Menschen ist der Laptop – jedenfalls, wenn es um die Jobsuche geht. Denn die betreibt kaum jemand heute noch analog. Laut einer Umfrage der Jobsuchmaschine Jobrapido nutzen 63 Prozent der Deutschen ihren Laptop für die Suche nach einem neuen Job, 20 Prozent das Smartphone. Der Anteil derer, die Zeitungsanzeigen oder die Agentur für Arbeit bemüht, liegt bei 17 Prozent. Wer Mitarbeiter sucht, muss also online inserieren - und zwar mobiloptimiert und am besten überall.

Doch im Netz wird es unübersichtlich, wie der Jobbörsen-Kompass zeigt. Derzeit gibt es mehr als 1.200 Online-Jobbörsen gehören - vom Generalisten bis zum Spezialisten.

Spezialisten sind gefragt

Laut einer Nutzerumfrage von Jobbörsen-Kompass nutzen die Deutschen am liebsten auf sie zugeschnittene Suchmaschinen wie Staufenbiel, Absolventa, Unicum oder foodjobs. Hier kann sich der Bewerber von vorneherein sicher sein, nur Jobs zu finden, die zu ihm passen.

Vergleichsweise schwach in der Gunst der Kandidaten schnitten derweil Social Media Portale ab.

Die besten Jobportale 2016: Die fünf besten Anbieter in der Kategorie "Generalisten"

Laut Jobrapido zeigen die Deutschen bei der Jobsuche ein erstaunliches Maß an Eigeninitiative: Immerhin mehr als ein Drittel bewirbt sich prinzipiell auch ohne entsprechendes Jobangebot. Etwa 40 Prozent tun das, wenn ihnen das betreffende Unternehmen besonders attraktiv erscheint.

Um herauszufinden, welches Unternehmen besonders gut zu ihnen passt, informieren sich über 80 Prozent der Umfrageteilnehmer eingehend über den Betrieb - natürlich hauptsächlich online über die Unternehmenswebsite.
Erstaunlich: Immer noch knappe neun Prozent machen sich erst kundig, wenn die Bewerbung bereits läuft, drei Prozent halten das Ganze sogar gänzlich für unnötig.

Die besten Jobportale 2016: Die fünf besten Anbieter in der Kategorie "Meta-Suchmaschinen"

Ist die Bewerbung verschickt - am liebsten übrigens per Mail oder ein standardisiertes Bewerbungsformular des Unternehmens - sind die Deutschen ziemlich geduldig. 39 Prozent warten einige Wochen, bevor sie die Hoffnung auf eine Antwort aufgeben. 18 Prozent hoffen sogar drei bis vier Monate lang auf eine Rückmeldung. Und für ein Fünftel der Befragten stirbt die Hoffnung zuletzt: Sie setzen darauf, dass auch viel später noch eine Reaktion kommen könnte.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%