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Rekrutierung Wenn Unternehmen sich bei Talenten bewerben

Fotos machen, Bewerbungen schreiben, auf ein Gespräch warten - viele Deutsche können sich diesen Teil der Jobsuche offenbar sparen. Laut einer Studie bekamen 42 Prozent schon einmal Post vom Headhunter.

So vermeiden Sie Fehler mit Headhuntern
Sich hochrechnen: Jeder Headhunter benötigt eine genaue Angabe des Jahreseinkommens eines Kandidaten. Variable Anteile und zahlreiche sogenannte fringe benefits wie PKW, Versicherungen, Boni und so weiter sind jedoch nicht so ohne Weiteres in ein Gesamteinkommen umzurechnen. Natürlich möchte fast jeder Kandidat bei einem Job-Wechsel ein deutlich höheres Einkommen realisieren. Deshalb versuchen viele, ihr derzeitiges Einkommen hochzurechnen. Aber intransparente oder gar falsche Aussagen zum aktuellen Beschäftigungsverhältnis zerstören jegliches Vertrauen. Der Berater muss von Ihnen auch ehrlich überzeugt sein, um Sie bedenkenlos zu empfehlen. Quelle: Fotolia
Den Lebenslauf fälschen: Richtig gefälschte Lebensläufe kommen selten vor. Werden sie entdeckt, ist die Karriere des Kandidaten abrupt abgebrochen. Häufiger kommen jedoch "geschönte" Lebensläufe vor, indem beispielsweise Positionen besser dargestellt werden. Wenn der Headhunter dies herausfindet, hat er sofort Zweifel in die Qualifikation des Kandidaten. Stellt dies jedoch erst der Vorgesetzte im neuen Unternehmen fest, dann ist Vertrauensverhältnis zum neuen Unternehmen arg ramponiert. Quelle: gms
"Ich wäre froh, hier wegzukommen"Auch wenn das Jobangebot für Sie wie ein wahrer Segen erscheint, bleiben Sie sachlich. Schimpfen Sie nicht über Ihren derzeitigen Arbeitgeber. Schließlich erwartet man auch in Ihrem neuen Job Souveränität und Loyalität. Quelle: Fotolia
"Wie sind Sie auf mich gekommen"Fragen Sie den Headhunter nicht, wieso er eigentlich ausgerechnet bei Ihnen anruft. Sie sollten selbstbewusst sein. Offenbar hat man Sie in Ihrer Branche oder Funktion als kompetent wahrgenommen. Quelle: dpa
Misserfolge vertuschen: Ein Misserfolg im Job ist nicht unehrenhaft, sein Verschweigen aber durchaus. Entweder dem Berater oder spätestens bei der Vorstellung im Unternehmen fällt dieser Schwindel auf und der neue Job ist weg. Quelle: Fotolia
Nicht angefallene Kosten abrechnen: Jeder Kandidat hat ein Eigeninteresse am neuen Job, trotzdem erlauben es die gesetzlichen Bestimmungen, dem Unternehmen die Kosten für die Anreise zum Vorstellungsgespräch in Rechnung zu stellen. Selbstbewusste Kandidaten berücksichtigen das. Peinlich wird es aber, wenn Kandidaten durch den Vorstellungsprozess ihr Einkommen aufbessern wollen, indem sie dem Headhunter oder dem Unternehmen Reisekosten zusenden, obwohl sie ihren aktuellen Dienstwagen benutzt habe. Ähnliche Tricks kommen immer wieder vor. Das Ansehen des Kandidaten sinkt damit rapide. Quelle: Fotolia
Wohnungs- und Anstellungswechsel nicht mitteilen: Die Datenbanken der Headhuntern müssen immer wieder aktualisiert werden. Für eine effektive Zusammenarbeit mit dem Headhunter sollte jeder Kandidat persönliche Veränderungen umgehend mitteilen. Er bleibt damit im Focus und erspart dem Berater mühselige Suchaktionen. Quelle: Fotolia

Verkehrte Arbeitswelt - die Unternehmen in Deutschland warten nicht mehr darauf, dass Bewerber ihre Stellenanzeige finden, sie sprechen potenzielle Kandidaten einfach direkt an. Schon vier von zehn Bundesbürgern haben unaufgefordert Job-Angebote erhalten. "Unsere Umfrage bestätigt, dass der durch den demografischen Wandel ausgelöste Fachkräftemangel längst keine theoretische Diskussion mehr ist, sondern bereits sehr breit in der Bevölkerung wahrgenommen wird", sagt Oliver Back, Geschäftsführer vom Consultinghaus ROC Deutschland. "Erfreulich ist dabei aus Sicht der Unternehmen, dass drei Viertel der Deutschen auch gar nichts dagegen einzuwenden haben, unaufgefordert einen möglichen neuen Job vorgestellt zu bekommen."

Wie man vom Headhunter gefunden wird
Taten sprechen lassenEin Headhunter muss erkennen, dass eine Führungskraft ein akzentuiertes Profil zeigt. Dazu gehört einerseits ein zielorientierter Lebenslauf und auf der anderen Seite, dass man Spuren hinterlässt als Redner, Autor, Interviewpartner oder Sanierer. Quelle: Fotolia
Netzwerke pflegenEin Headhunter findet überwiegend über persönliche Netzwerke und Kontakte seine Kandidaten. Je größer die Schnittmenge zwischen deren Netzwerk und dem des Headhunters, desto größer die Chance, vom Richtigen angesprochen zu werden. Mit Netzwerken sind vor allem die im realen Leben gemeint. Soziale Netzwerke wie Linkedin, Xing oder Facebook spielen derzeit noch keine zentrale Rolle bei der Vermittlung von Topjobs. Quelle: Fotolia
Gradlinig arbeitenZwar sind Führungskräfte trainiert, alle Möglichkeiten auszuloten, aber nicht am Rande der Legalität. Ein cleverer Manager kann durch geschicktes Verhalten auch in der Grauzone überleben, das ist aber kein Suchkriterium für Headhunter. Im Gegenteil: Es gibt schwarze Listen. Und wer lange Zeit bei Unternehmen aus bestimmten Ländern, beispielsweise aus Russland oder Asien, gearbeitet hat, gilt als problematisch. Quelle: Fotolia
Teamgeist entwickelnKonzernerfolg hängt nie nur an einer Person, sondern an vielen Köpfen. Headhunter suchen also oft auch das Team oder den Teambuilder. Machen Sie diese Fähigkeit klar, bringen Sie Ihre Seilschaft mit. Quelle: Fotolia
Alleinstellungsmerkmale aufbauenKonsequenz und außergewöhnliche Vorgehensweisen sind entscheidend. Vorstand wird, wer die Politik des Unternehmens am besten versteht, nicht der schlaueste oder bissigste. Quelle: Fotolia
Narzissmus vermeidenEgomanen sind schlecht vermittelbar, selbst wenn sie eine noch so gute Erfolgs- und Erfahrungsgeschichte vorweisen. Durchsetzungskraft und Zielstrebigkeit kann durchaus sichtbar sein, sollte aber durch das nötige Quäntchen Kooperationsfähigkeit ergänzt werden. Quelle: Fotolia
Cool bleibenSobald sich jemand anbiedert, ist er für den Headhunter uninteressant. Wer glaubt, es “könne nicht schaden", einen Headhunter aktiv auf seine Dienste anzusprechen, tut genau dieses – er schadet sich. Ein guter Headhunter findet Mittel und Wege, selbst an die für ihn relevanten Informationen zu kommen: Er spricht mit Ihren Kollegen, der Sekretärin des benachbarten Vorstandsbüros, mit Managern aus anderen Unternehmen. Heißt im Klartext: Jede Vermittlungsanfrage ist ein no go. Kandidaten werden interessant, wenn sie Erfolge und Erfahrungen konsequent ausbauen. Quelle: Fotolia

Hauptsächlich nutzen die Unternehmen E-Mails, um mit ihren Wunschkandidaten in Kontakt zu treten. Jeder vierte Deutsche hatte schon einmal ein derartiges Schreiben in seinem privaten oder beruflichen Mail-Postfach.

Das entspricht auch dem Wünschen der Angestellten. Die Umfrage zeigt, dass 40 Prozent der Befragten von Headhuntern oder Unternehmen am liebsten per E-Mail kontaktiert werden. Jeder dritte möchte dagegen in einem persönlichen Gespräch abgeworben werden, beispielsweise im Rahmen einer Messe. "Die eigene Belegschaft ist also einer der wichtigsten Kanäle im Kampf gegen den Fachkräftemangel", resümiert Back. Allerdings seien die wenigsten Unternehmen darauf vorbereitet, potenzielle Kandidaten spontan von sich zu überzeugen. Back empfiehlt beispielsweise, die eigenen Mitarbeiter beispielsweise mit einer Smartphone-App auszustatten, so dass sie ihren Gesprächspartnern sofort alle aktuell freien Stellen präsentieren können.

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Den Umworbenen kommt es nämlich sehr darauf an, schon beim ersten Kontakt möglichst viel über die zu besetzende Stelle zu erfahren. Hinter dem Filterkriterium Teilzeit- oder Vollzeitstelle sind dabei Angaben über das Jobprofil, den Einsatzort sowie die Entlohnung am wichtigsten, um die Neugier zu wecken. Deutlich weniger wichtig ist den Deutschen der eigentliche Firmenname. Er rangiert in der Studie sogar hinter den Informationen zu den Sozialleistungen. Hauptsache Jobprofil, Einsatzort und Gehalt stimmen.

"Dieses Ergebnis liefert gleich zwei Erkenntnisse", so Personalexperte Back. Erstens sei nicht nur der Fachkräftemangel tägliche Realität. "Es ist für Unternehmen schlichtweg gefährlich, bei der Mitarbeitersuche nur auf den guten Namen zu setzen, statt dieses Thema genauso strategisch und systematisch anzugehen wie das operative Geschäft."


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