Rewe Auf Azubi-Jagd bei Snapchat

Über Snapchat will Rewe potenzielle Auszubildende auf sich aufmerksam machen. Das ist geschickt: Der Messenger wächst rasant. Doch das Potenzial sozialer Medien haben laut einer Studie erst wenige Unternehmen erkannt.

Über Snapchat will Rewe potenzielle Auszubildende auf sich aufmerksam machen. Quelle: Fotolia

Stellenanzeigen waren gestern. Snapchat ist heute. Zumindest bei der Supermarkt-Kette Rewe. Die Personalabteilung hat jetzt beim Instant-Messaging Dienst einen Account, um Auszubildende anzuwerben. "Snapchat ermöglicht es uns, unsere Zielgruppe direkt anzusprechen. Wir müssen dort sein, wo die jungen Menschen unterwegs sind", sagt ein Unternehmenssprecher auf Anfrage von WirtschaftsWoche Online.

Zum Start des neuen Ausbildungsjahres hat Rewe 2000 Lehrlinge in der Zentrale, in der Logistik und in den Märkten eingestellt. Obwohl der Lebensmittel-Konzern zu den größten Ausbildungsbetrieben Deutschlands gehört, kann er es sich nicht mehr leisten, nur auf Stellenausschreibungen zu setzen. Der demografische Wandel und die steigende Zahl der Studenten sind zwei wesentliche Gründe dafür, dass die Bewerberzahl auch bei Rewe zurückgeht. "Wir schaffen es aber weiterhin größtenteils, unsere Stellen zu besetzen", sagt ein Sprecher.

Dafür legt sich die Supermarkt-Kette mächtig ins Zeug. Sie wirbt nicht nur mit Übernahmegarantie und Tablets für Auszubildende. Die Bewerber und Lehrlinge können die Personalabteilung auch schon seit Längerem über Facebook und WhatsApp erreichen.

So gewinnen Unternehmen junge Talente
Mitarbeiter fertigen in einer Polsterei in Weidhausen (Bayern) Sitzmöbel. Quelle: dpa
ÜbernahmegarantieEine ähnliche geringe Attraktivität für junge Menschen dürften auf den ersten Blick auch scheinbar altmodische Branchen haben, die einen heftigen Strukturwandel hinter sich haben - beispielsweise die Porzellanbranche. Die Übernahmequote dort sei sehr hoch, wirbt Christoph René Holler, Geschäftsführer des Bundesverbandes Keramische Industrie, um Nachwuchs. „Die Fachkräfte werden gebraucht. Es hat sich herumgesprochen, dass man in der Regel übernommen wird.“ Bislang gelinge es noch, die meisten Ausbildungsplätze zu besetzen, „aber es wird immer schwieriger“, räumt er ein. Deshalb habe man bei den Tarifabschlüssen den Nachwuchs besonders berücksichtigt. Eine Sprecherin des traditionsreichen Porzellanherstellers Rosenthal in Selb sagt: „Durch eine gute Zusammenarbeit mit Schulen und der Agentur für Arbeit gelingt es uns trotz des demografischen Wandels und seiner Auswirkungen in den meisten Fällen, gut geeignete Kandidaten zu finden.“ Alle zum 1. September angebotenen Lehrstellen habe man besetzen können. Quelle: AP
Model Clelia zeigt "Putzpantoffeln" des Herstellers Present Time Quelle: dpa/dpaweb
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Die neue Präsenz des Lebensmittelhändlers auf Snapchat ist geschickt: Der Nachrichtendienst gehört aktuell zu den am stärksten wachsenden Messengern. Während laut Statista 2014 gerade einmal 13 Prozent aller 14- bis 27-Jährigen Snapchat regelmäßig nutzten, waren es ein Jahr später fast dreimal so viele.

Den Wachstumskurs des Instant-Messaging-Dienstes bekommt auch Rewe positiv zu spüren. Snapchat war laut Unternehmenssprecher eigentlich nur als Experiment gedacht – der Messenger hat sich aber innerhalb von zwei Wochen bereits als weiterer Recruiting-Kanal etabliert. "Wir verzeichnen zunehmend mehr Follower und Reaktionen auf unsere Snaps", sagt der Sprecher.

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Rewe gehört allerdings zu einer Minderheit, die das Potenzial von Social-Media-Kanälen für sich erkannt hat. Laut einer aktuellen Befragung des Online-Karriereportals Monster nutzt nur jedes vierte Unternehmen Snapchat und Co., um auf Azubi-Jagd zu gehen. "Um die passenden Kandidaten optimal anzusprechen, wird es für die Unternehmen wichtiger werden, deren Nutzungsgewohnheiten und bevorzugten Kanäle zu kennen und ihr Recruiting darauf abzustimmen", sagt Studienleiter Tim Weitzel.

Umso erstaunlicher ist, dass drei Viertel der Befragten aber wissen, dass sie auf Plattformen wie Snapchat und Co. präsent sein müssen, um die junge Generation zu rekrutieren – der Großteil die Plattformen aber noch nicht nutzt.

Stattdessen schlagen viele Unternehmen noch die klassischen Wege ein, um junge Menschen auf sich aufmerksam zu machen. Neun von zehn Befragten gaben an, dass sie Karriere-Events für Studenten sowie Personal- und Absolventenmessen nutzen, um sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren. Genauso viele greifen auf eigene Talent-Pools sowie persönliche Beziehungen zurück, um Azubis einzustellen.

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