Roboter Recruiting Wenn der Mensch von der Maschine eingestellt wird

Üblicherweise geht eine Bewerbung an den Personaler. Immer häufiger aber entscheidet der Computer mittels Statistik-Programm, wer genommen wird und wer nicht. Gleichförmigkeit statt Vielfalt ist die neue Devise.

Diese Unternehmen suchen ihre Bewerber am Smartphone
Platz 30 - SAPPunktzahl: 233 Platzierung im Vorjahr: Neu Quelle: REUTERS
Platz 29 - AccorPunktzahl: 233 Platzierung im Vorjahr: Neu Quelle: Reuters
Platz 28 - AltriaPunktzahl: 235 Platzierung im Vorjahr: 12 (-16) Quelle: AP
Platz 27 - EADSPunktzahl: 237 Platzierung im Vorjahr: Neu Quelle: dpa
Platz 26 - Rolls-RoycePunktzahl: 239 Platzierung im Vorjahr: Neu Quelle: AP
Platz 25 - CumminsPunktzahl: 241 Platzierung im Vorjahr: Neu Quelle: Presse
Platz 24 - GooglePunktzahl: 243 Platzierung im Vorjahr: Neu Quelle: dapd
Platz 23 - DatevPunktzahl: 245 Platzierung im Vorjahr: 29 (+6) Quelle: Presse
Platz 22 - Armée de TerrePunktzahl: 245 Platzierung im Vorjahr: 38 (-16) Quelle: dpa
Platz 21 - Grant ThorntonPunktzahl: 246 Platzierung im Vorjahr: Neu Quelle: dpa
Platz 20 - Buro HappoldPunktzahl: 250 Platzierung im Vorjahr: Neu Quelle: Presse
Platz 19 - AT&TPunktzahl: 252 Platzierung im Vorjahr: 5 (-14) Quelle: REUTERS
Platz 18 - Accenture FrancePunktzahl: 255 Platzierung im Vorjahr: Neu Quelle: Presse
Raytheon Quelle: REUTERS
Platz 16 - General Electric (GE)Punktzahl: 259 Platzierung im Vorjahr: 47 (+31) Quelle: AP
Platz 15 - AllianzPunktzahl: 262 Platzierung im Vorjahr: Neu Quelle: dapd
Platz 14 - UPSPunktzahl: 266 Platzierung im Vorjahr: 10 (-4) Quelle: REUTERS
Platz 13 - BarclaysPunktzahl: 283 Platzierung im Vorjahr: 51 (+36) Quelle: REUTERS
Platz 12 - Jaguar Land RoverPunktzahl: 304 Platzierung im Vorjahr: Neu Quelle: REUTERS
Platz 11 - ThyssenKruppPunktzahl: 325 Platzierung im Vorjahr: 9 (-2) Quelle: dpa

Ich habe ein Profil bei Facebook, eins bei Instagram und einen Account bei Twitter. Früher war meine Liste sogar noch länger: StudiVZ, meinVZ, netlog - alles einmal ausprobiert. Würde ich mich heute auf ein Jobangebot im Call-Center des Druckerherstellers Xerox bewerben, könnte es eng für mich werden. Wer in vier oder mehr sozialen Netzwerken registriert ist, wird kurzerhand aussortiert. Das Zauberwort: Eine datenbasierte Analysesoftware, die Bewerbungsunterlagen und Lebensläufe elektronisch scannt. Oder anders gesagt: Ein Methode, bei dem ein Computerprogramm entscheidet, wer den Job bekommt.

Xerox nutzt eine Statistik-Software, mit der Lebensläufe analysiert und selektiert werden. Bewerber müssen ihre Unterlagen hierbei hochladen oder Online-Fragebögen ausfüllen. Der Vorteil für die Unternehmen: Es geht schneller und ist effizienter. Außerdem, so könnte man argumentieren, urteilt der Computer gerechter. Er selektiert Bewerber nicht anhand ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe oder ihrer Religion aus. Der Computer diskriminiert nicht, er fokussiert sich alleine auf die gesuchten Eigenschaften für Bewerber. Die wurden vorher programmiert. Weder das optische Auftreten, noch andere Faktoren wie Langzeitarbeitslosigkeit, Vorstrafen oder Brüche im Lebenslauf spielen eine Rolle beim Roboter Recruiting. Es ist nicht anfällig für Rollenklischees oder von Emotionen gelenkt, denn es gibt keinen ersten Eindruck.

Nicht nur den Unternehmen wird die Arbeit erleichtert, auch Jobanwärter haben weniger Aufwand: Keine Initiativbewerbung bedeutet gleichzeitig kein lästiges Herumschlagen mit dem Seitenlayout und einem möglichst kreativen Design. Stundenlanges Tüfteln und Grübeln während der schier unmöglichen Suche nach einem möglichst innovativen Einstieg für das Motivationsschreiben wird überflüssig. Beim Roboter Recruiting zählen nur Zahlen, Daten und Fakten.

Im Internet kursieren zahlreiche Anleitungen, wie eine Bewerbung möglichst "roboterfreundlich" gestaltet werden kann. Frei nach dem Motto: Bloß keine Phantasie, es lebe der Telegrammstil.

Ein roboterfreundlicher Lebenslauf

Xerox arbeitet mit genau so einem speziellen Auswahlsystem für seine Call-Center Einstellungen. Das Unternehmen hat durch eine Statistik-Software ermittelt, welche Mitarbeiter besonders lange im Unternehmen arbeiten. Anschließend wurde untersucht, was die Personen gemeinsam haben. All diese Eigenschaften gelten als wichtig, also sollten diese auch die neuen Bewerber mitbringen. Zudem sollen sie möglichst nah am Arbeitsplatz wohnen, wenig Berufserfahrung mitbringen und soziale Netzwerke nur in Maßen nutzen. Wer mehr als zwei Stellen hatte, gilt als Job-Hopper - der Computer steckt einen also kurzerhand in die Schublade des unzuverlässigen Mitarbeiters, der häufig den Job wechselt und keine Konstante für das Unternehmen bedeutet. Heißt: Aussortiert!

Wer die Auswahlkriterien des Analyseprogramms allerdings erfüllt, dem steht nichts mehr im Weg. Hat der PC entschieden, ist es nur noch am Personaler per Mausklick abzusagen oder zuzusagen.

Das große Problem dabei: Persönlichkeiten gehen verloren. Durch Gleichförmigkeit entsteht Sicherheit, aber keine Vielfalt, keine Abwechslung und keine Innovation. Vermutlich lässt sich durch die Analyse der unendlichen Datenmengen bald sogar herausfinden, wann die neue Kollegin kündigen wird, wo sie ihren neuen Job antritt und wann sie ein Kind bekommt.

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