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Studie Abiturienten schätzen Berufsbildung zu wenig

Wie das Image der dualen Ausbildung aufpoliert werden kann, zeigt eine neue Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung.

Ein Auszubildender im Ausbildungszentrum des Autoherstellers BMW in München. Quelle: dpa

33.000 Lehrstellen blieben im vergangenen Herbst unbesetzt. Vor allem Gastronomie und Handwerksbetrieben fällt es schwer, geeigneten Nachwuchs zu finden und an sich zu binden. Denn die Jugendlichen, die sich für eine Ausbildung interessieren, suchen häufig in Berufsfeldern, die überlaufen sind oder für die sie nicht die nötige Qualifikation mitbringen. Der demografische Wandel wird dieses Problem in den nächsten Jahren weiter verschärfen.

Vor allem Abiturienten können dem dualen Ausbildungssystem wenig abgewinnen, das ergab eine  Umfrage des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) unter Mitgliedern von Kammern, Verbänden, Lehrern und anderen  Bildungsexperten. Ein Drittel der 420 Befragten ist der Überzeugung, dass Abiturienten ein negatives Bild von der dualen Berufsausbildung haben. 39 Prozent glauben sie seien positiv eingestellt. Der Rest (28 Prozent) hält die Abiturienten für unentschlossen, was ihre Bewertung des dualen Systems angeht. Immerhin hat sich im Jahr 2011 schon jeder fünfte Abiturient für eine Berufsausbildung und gegen ein Studium entschieden – Tendenz weiter steigend – aber das reicht nicht, um die leeren Lehrstellen zu füllen.

Laut BIBB-Studie können Imagekampagnen helfen, dieses Problem zu lösen. „Mit Ihnen kann es gelingen, zum einen leistungsstärkere Jugendliche von den Vorzügen einer dualen Ausbildung zu überzeugen. Zum anderen können sie  das Interesse Jugendlicher an Berufen wecken, die diese sonst eher nicht in Betracht gezogen hätten“, heißt es. Außerdem sind die Bildungsexperten davon überzeugt, dass ohne Imagekampagnen noch mehr Ausbildungsplätze unbesetzt blieben.

Doch solche Kampagnen bergen auch Risiken. Über die Hälfte der Experten gehen davon aus, dass die Ausbildungsbetriebe die geweckten Erwartungen nicht erfüllen können und die Bewerber somit enttäuschen.

Werbung für die duale Ausbildung oder die einzelnen Jobs sind nicht die einzigen Instrumente, die den Befragten hilfreich erscheinen, um Jugendliche für eine Berufsausbildung zu begeistern. Es sei vor allem wichtig, dass die Berufsorientierung an den Schulen weiter ausgebaut wird. Auch die Anhebung des Praxisanteils und die damit einhergehende Reduktion der Berufsschulstunden könnten die Attraktivität des dualen Systems fördern.

Wie die duale Ausbildung attraktiver werden könnte

Während die Abiturienten anscheinend noch vom Wert der dualen Berufsausbildung überzeugt werden müssen, ist das Image des Systems bei der Kernzielgruppe, nämlich den Hauptschul- und Realschulabsolventen, überwiegend positiv. Etwa 90 Prozent der Experten glauben, dass die Jugendlichen mit diesen Bildungsabschlüssen die duale Berufsausbildung schätzen und sind dabei in guter Gesellschaft. So hat Barack Obama die Ausbildungsprogramme deutscher Firmen bereits zum Vorbild für die USA erklärt. Viele Länder stellen ihr Berufsausbildungssystem mittlerweile auf das deutsche duale System um - in Europa (zum Beispiel Spanien und Italien) und auf der Welt (zum Beispiel Indien, Rußland, China und zahlreiche Länder Lateinamerikas). 

 

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