WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Toter Praktikant in London Tod von Moritz E. wirft weiter Fragen auf

Seite 3/3

Wo sind die eigenen Grenzen?

Diese Berufsgruppen arbeiten am meisten
Vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer arbeiteten 2015 durchschnittlich 1.657 Stunden Quelle: ZB
ArbeitstageWas sich dagegen viel stärker geändert hat, sind die Tage, an denen gearbeitet wird. Von "Samstags gehört Vati mir" ist in vielen Branchen nichts mehr zu spüren: Im Jahr 2015 arbeitete gut jeder Vierte (26,5 Prozent) ständig oder regelmäßig an Samstagen oder Sonntagen. 20 Jahre zuvor, im Jahr 1996, waren es noch 23,5 Prozent. Bis zum Jahr 2007 war der Anteil auf den bisherigen Höchststand von 27,8 Prozent angestiegen und bis 2015 wieder etwas zurückgegangen. Quelle: dpa
Wohnungsanzeige Quelle: dpa
Ein junger Mann liest kleinen Kindern etwas vor Quelle: dpa
Zwei Männer putzen Fenster Quelle: dpa/dpaweb
Zwei Frauen richten ein Bett in einem Hotel Quelle: dpa/dpaweb
Ein Mann arbeitet an einer Maschine Quelle: dpa

Seit der Finanzkrise gingen im größten Finanzzentrum Europas rund 100.000 Arbeitsplätze verloren. Doch "ungeachtet aller Berichte, dass die Finanzbranche als Arbeitgeber nicht mehr so attraktiv sein soll gibt es immer noch ehrgeizige, zielstrebige junge Leute, die diese Jobs wollen und nicht wissen, wo die Grenzen ihrer eigenen Belastbarkeit sind" sagte Professor Chris Roebuck der WirtschaftsWoche. Roebuck, der früher bei der schweizerischen Bank UBS für die Betreuung junger Spitzentalente zuständig war, kritisiert allerdings auch die Macho-Kultur der Investmentbanken, die sich selbst als elitäre, globale, extrem wettbewerbsorientierte 24-Stunden-Dienstleister verstehen und von ihren hochbezahlten Angestellten daher 150prozentigen Einsatz und hohe Leistungsbereitschaft erwarten. Tatsächlich ist es in der City üblich, dass im Falle eines großen Übernahmedeals rund um die Uhr gearbeitet wird - 48-Stunden-Einsätze dieser Art sind legendär. Allerdings sind das Ausnahmesituationen.

Die Älteren tragen die Verantwortung

Roebuck sieht die Wurzel des Übels im verhängnisvolle Wechselspiel zwischen dem Erwartungsdruck der innerhalb der Banken aufgebaut wird und dem selbstinduzierten Druck, dem sich junge hoch motivierte, ehrgeizige Praktikanten aussetzen, die glauben, sie müssten freiwillig immer mehr Stunden arbeiten, um zu beweisen, wie gut sie sind. Viele von ihnen seien es gewohnt, in der Schule und im Studium stets die Besten zu sein, plötzlich seien sie umgeben von anderen, die ebenfalls Spitzenleistungen erbringen, das sei für manche eine ganz neue Herausforderung. Dennoch meint der Professor, extrem lange Arbeitszeiten seien "eigentlich ein Zeichen von Führungsschwäche, denn die Älteren tragen die Verantwortung dafür, dass diese jungen Leute sich nicht überfordern. Sie sollten einfach sagen: halt, stopp, jetzt ist es genug", sagt er. Auch über Moritz heißt es, er habe auch an der Uni bereits Nächte durchgelernt, um sich auf Klausuren vorzubereiten.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Tatsächlich bleibt zu hoffen, dass der Tod von Moritz sowohl ambitionierte Studenten als auch deren Vorgesetzte zum Nachdenken bringt. Wann machen derart viele Überstunden tatsächlich Sinn, und wie können gerade jüngere Mitarbeiter vor dem Überarbeiten bewahrt werden.

Bei der BofA jedenfalls will man aus dem Vorfall Lehren ziehen: "Wir sind geschockt und tief betrübt über die Nachricht vom Tod Moritz Erhardts. Wir wollen nun alles tun, um die Familie Erhardt, unsere Praktikanten und unsere Mitarbeiter in dieser schweren Zeit zu unterstützen. Wir haben auch eine hochrangige Arbeitsgruppe eingesetzt, um die Fakten und alle Aspekte dieser Tragödie zu prüfen und uns dabei zu helfen, von ihr zu lernen", so John McIvor, einer ihrer Londoner Sprecher.

 

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%