Unternehmen mögen frische Ansätze Die Papierbewerbung hat ausgedient

Wer heute dem potenziellen neuen Arbeitgeber imponieren will, sollte nicht unbedingt auf die klassische Bewerbung setzen. Was die eigene Website, Onlinevideos oder Facebook-Aktionen bringen können.

Über ihr Blog zum Thema digitale Medien punktefrau.de, hat Christine Heller einen neuen neuen Job in der Online-Kommunikation gesucht: http://www.punktefrau.de/blog/2013/01/14/jobsuche/ Quelle: Christine Heller

Matthew Epstein ist zu einer Bekanntheit im Internet geworden. Das nicht, weil er ein bahnbrechendes Onlinetool entwickelt oder ein eindrucksvolles Musikvideo ins Netz gestellt hat. Er hat sich lediglich bei seinem Traumarbeitgeber Google beworben. Dabei ist er allerdings überaus kreativ vorgegangen. Er hat eine eigene Homepage mit dem Banner Google - Please Hire Me (zu deutsch: Google - Bitte stell mich an) aufgebaut, dazu noch ein passendes Werbevideo gedreht und gleich auf der Website integriert. Dort erzählt er, verkleidet im Stil eines englischen Adligen, wieso Google ihn als Mitglied des Produkt-Marketing Teams aufnehmen sollte.

So sieht die perfekte Bewerbung 2013 aus
Online-BewerbungDie elektronische Bewerbung ist ja schon fast ein alter Hut und wird auch 2013 nicht verschwinden. Erstmals favorisiert eine Mehrheit von Personalchefs Online-Bewerbung vor den traditionellen Bewerbungen auf Papier. Das ergab eine Umfrage im Auftrag des Hightech-Verbands Bitkom bei 1.500 Personalverantwortlichen verschiedener Branchen. 41 Prozent der Unternehmen in Deutschland verlangen demnach Bewerbungen per Internet. Falls das Unternehmen für die Online-Bewerbung ein spezielles Formular auf dessen Homepage anbietet, sollten Sie das auch nutzen – und zwar alle Felder und möglichst ausführlich. Um Tippfehler zu vermeiden und besser zu wirken, sollten Sie die entsprechenden Textbausteine bereits in Ruhe offline vorformulieren. Es schadet auch nicht, diese noch einmal gegenlesen zu lassen. Achtung übrigens bei Sonderzeichen! Das Euro-Symbol kann etwa bei Gehaltsvorstellungen zu unfreiwilliger Verwirrung führen, wenn die Programmversion des Empfängers ein anderes Zeichen daraus macht. Ebenso sollten Sie formatierte Dateien, wie Ihren Lebenslauf oder eingescannte Zeugnisse bereithalten. Quelle: dapd
Bewerbungen per E-MailBei der ebenfalls weit verbreiteten Form der E-Mail-Bewerbung sollten Sie, sofern nicht in der Stellenanzeige angegeben, beim Unternehmen nach dem richtigen Ansprechpartner für die E-Mail-Bewerbung und dessen Adresse fragen. Wie auch bei der Bewerbung auf Papier gilt: Verschicken Sie jede Bewerbung einzeln und individuell. Serienmails sind ein No-Go. Besonders wichtig bei der E-Mail-Bewerbung ist die Betreffzeile: Falls Sie sich auf eine konkrete Stellenanzeige bewerben, sollte der Betreff das Wort Bewerbung, den Job, auf den Sie sich bewerben sowie (falls vorhanden) die Kennziffer der Stellenanzeige enthalten. Bei einer Kaltbewerbungen sollte ebenfalls der Begriff Bewerbung fallen, gefolgt von einer persönlichen Anrede und einem Slogan. Reizwörter erhöhen die Chance, Interesse zu wecken und gelesen zu werden. Also nicht:
Bewerbung per SmartphoneEin Trend, der sich 2013 verstärken dürfte, ist die Bewerbung mit dem Smartphone. Laut einer Studie der Universitäten Bamberg und Frankfurt findet es mehr als die Hälfte der Befragten gut, wenn Internet-Stellenbörsen und Online-Karriereportale Apps anbieten, über die nach offenen Stellen gesucht werden kann. 58 Prozent haben bereits mindestens einmal Stellenanzeigen oder Arbeitgeberinformationen per Smartphone oder Tablet aufgerufen. 46,5 Prozent begrüßen zudem ein entsprechendes Angebot von Unternehmen.
Bewerbung per Skype/VideoMittlerweile nutzen auch immer mehr Unternehmen die Möglichkeit, sich mittels Skype oder sonstiger Video-Tools ein erstes Bild vom Bewerber zu machen.
Anonyme BewerbungAuch die anonyme Bewerbung - also die ohne Foto und vollständigen Namen - dürfte sich in diesem Jahr weiter durchsetzen. So konnte die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes bereits im April 2012 Erfolge mit der anonymisierten Bewerbung präsentieren: Chancengleichheit für alle, lautete das Fazit des Experiments. Dafür wurden über einen Zeitraum von zwölf Monaten insgesamt 8550 Bewerbungen ohne Name und Foto versandt. Knapp 1300 Personen wurden innerhalb des Projekts zu einem Eignungstest oder einem Vorstellungsgespräch eingeladen, 246 Personen erhielten daraufhin ein Jobangebot oder einen Ausbildungsplatz. Allerdings kann niemand sagen, ob die Bewerber nicht auch dann zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen worden wären, wenn sie das Anschreiben mit vollem Namen und Foto abgeschickt hätten. Quelle: Fotolia
Die richtige VorbereitungUnerheblich davon, wie Sie sich 2013 bei einem Unternehmen bewerben; einige Standards gelten immer und dazu gehört auch eine gründliche Vorbereitung.
Fehler vermeidenMan kann es nicht oft genug wiederholen: Achten Sie auf Fehler im Anschreiben und im Lebenslauf! Wer sich im Anschreiben an Puma wendet und die Bewerbung an Nike adressiert, hat schon verloren.

Das humorvolle Video, in dem Epstein als Erkennungszeichen einen Schnauzbart trägt, wurde innerhalb kürzester Zeit zehntausende Male geklickt, aktuell steht der Zähler bei rund 1,2 Millionen Klicks. Die Website, in der das Video eingebettet ist, ist ansprechend gestaltet und erzählt mit wenigen Klicks wer Matthew Epstein ist, was er kann und wieso Google ihn anstellen sollte.

Auf die Website nebst Video erhielt Epstein binnen kürzester Zeit dutzende von Einladungen zu Vorstellungsgesprächen - auch von Google. Mittlerweile ist Epstein zwar nicht in dem Marketingteam des Internetgiganten eingestellt, allerdings hat er, wie er in einem zweiten Video erklärt, seinen Traumjob bei dem Startup SigFig gefunden.

Das Beispiel Epstein zeigt: Wer kreativ ist, kann schnell  die Aufmerksamkeit von Unternehmen und deren Personaler erwecken. Statt sich also umständlich per Onlinetool oder Papierbewerbung bei Unternehmen in die lange Schlange der potentiellen neuen Mitarbeiter einzureihen, stellt man lieber eine Website online, macht Werbung bei Facebook für sich oder dreht ein lustiges Video, das anschließend bei Youtube für Furore sorgt.

So muss ein Anschreiben aussehen

Aber klappt das immer?

Beispiele, bei denen kreative Köpfen mit einfallsreichen Bewerbungen in ihren Traumjobs landeten, gibt es zumindest einige. So erstellte der französische arbeitsuchende Produktmanager Philippe Dubost eine Website, die der Verkaufsseite von Amazon bis ins Detail nachempfunden ist. Was er dort verkaufte: Seine Arbeitskraft. Seine Seite Phildub.com brachte ihm so innerhalb kürzester rund 1,5 Millionen Besucher und einen Job bei dem französischen Unternehmen Birchbox.

Um an einen neuen Job zu kommen, investierte der Brite Adam Pacitti sogar gleich in eine ganze Werbekampagne. Er gestaltete eine Website mit passendem Video und gab seine letzten 500 Pfund für ein überdimensioniertes Werbeplakat, platziert in der Londoner Innenstadt, aus. Dieses Rundum-Bewerbungspaket beeindruckte die Personaler. Pacitti erhielt rund 60 konkrete Jobangebote und landete schlussendlich bei KEO Digital, wo er heute als Viral Producer arbeitet. Sein erstes Gehalt ließ Pacitti übrigens gleich erneut für ein Werbeplakat springen, auf dem er sich für den regen Zuspruch bedankte.

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