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Zweite Chance für Bewerber Was Sie bei Fehlern im Vorstellungsgespräch tun sollten

Quelle: Getty Images

Patzer im Bewerbungsgespräch können schnell den Traumjob kosten. Experten verraten, wo die Fallen lauern – und wie Bewerber einen Fehler doch noch gut machen können.

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Auch in Zeiten des Fachkräftemangels ist das Vorstellungsgespräch keine reine Formalie. Bewerber sollten den Termin nicht auf die leichte Schulter nehmen, betont Karriereberaterin Gesa Weinand. Firmen gehe es darum, die Kandidaten „live und in Farbe“ kennenzulernen. „Dafür braucht es Authentizität.“ Und bei der sei der richtige Umgang mit Fehlern im Gespräch entscheidend.

Es gibt Patzer, bei denen ist das Bewerbungsgespräch im Grunde gelaufen. Etwa bei Lügen im Lebenslauf oder im Vorstellungsgespräch. Die landeten in einer Umfrage des Personaldienstleisters Robert Half zu den schwerwiegendsten Fehlern ganz vorn – mit weitem Abstand. 21 Prozent der bundesweit befragten 300 Manager mit Personalverantwortung halten dies für unverzeihlich. Patrick Pieles, Bewerbungsexperte bei Robert Half, rät deshalb grundsätzlich davon ab, Lücken im Lebenslauf zu vertuschen oder Qualifikationen zu erfinden. Früher oder später komme die Wahrheit doch ans Licht und das Vertrauen bei dem neuen Arbeitgeber sei verspielt.

Die schlimmsten Fehler im Bewerbungsgespräch

Etwa jeder zehnte der befragten Manager gab an, jemanden durchfallen zu lassen, der zu spät zum Gespräch erscheint oder das Mobiltelefon nicht ausgeschaltet hat. Für bestmögliche Pünktlichkeit empfiehlt Pieles, den Weg im Voraus abzufahren, aktuelle Verkehrsinformationen im Auge zu behalten und einen Puffer einzuplanen. Sollte sich dennoch eine Verspätung abzeichnen, sollte der Gesprächspartner so früh wie möglich darüber informiert werden. Der Experte rät zu einer Checkliste mit den wichtigsten Punkten für den Termin. „Diese fungiert wie eine Art Sicherheitsnetz und kann vor dem Gespräch vor Ort noch einmal überflogen werden, um festzustellen, ob man an alles gedacht hat.“



Bei Lücken im Lebenslauf, die laut der Umfrage für acht Prozent der folgenschwerste Fehler waren, zeigt Pieles durchaus Verständnis: „Manche haben seit Jahren keinen Bewerbungsprozess durchlaufen.“ Umso wichtiger sei es, die beruflichen Stationen während der Vorbereitung auf das Gespräch noch einmal detailliert durchzugehen. Das biete auch die Chance, sowohl Erfolge als auch Lücken auf Nachfrage genauer zu beleuchten. 

Besonders kurze Beschäftigungszeiten oder Sabbaticals können im Interview Fragen aufwerfen, warnt Karriereberaterin Weinand. Bewerber sollten sich auch auf die Frage einstellen, warum gerade sie der Richtige für den Job sind. Die Expertin empfiehlt, sich intensiv mit der Stellenausschreibung auseinanderzusetzen: „Was davon bringe ich mit? Was davon habe ich bereits gemacht? Wo liegen meine Stärken und in welche der genannten Aufgaben können sie einfließen? Wo kann ich mich noch weiterbilden?“ Bewerber können nach Ansicht von Weinand zudem punkten, wenn sie möglichst gleich zu Beginn des Vorstellungsgesprächs selbst fragen, warum sie eingeladen wurden. „Menschen mögen es, wenn sie recht behalten, und mit dieser Frage erinnern sie sich daran, warum sie den Kandidaten für eine gute Wahl gehalten haben“, erklärt die Karriereberaterin. 

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    Fragen im Vorstellungsgespräch sind erwünscht

    Dass ein Bewerber im Gespräch seinerseits keine Fragen stellt, werteten immerhin sieben Prozent der befragten Manager als den größten Fehler. „Es ist immer empfehlenswert, sich für ein Bewerbungsgespräch mit dem Unternehmen und der Branche zu befassen und daraus Fragen zurechtzulegen – das hinterlegt beim Gegenüber auch den Eindruck, dass man sich gut vorbereitet und mit der Materie eingehend befasst hat“, rät Pieles. Konkrete Fragen zum Arbeitsumfeld sind nach Erfahrung des Experten ebenfalls gern gesehen, zum Beispiel: 

    • Können Sie mir einen typischen Arbeitstag in dieser Position beschreiben?
    • Welche Herausforderungen kommen in den ersten 90 Tagen auf mich zu?
    • Welche Erwartungen haben Sie an mich?
    • Wie würden Sie die Unternehmenskultur beschreiben?

    Wer den Eindruck hat, sich einen groben Schnitzer geleistet zu haben, sollte schnell handeln. Häufig sei es am besten, den Fehler noch im Gespräch anzusprechen, um den schlechten ersten Eindruck möglichst auszulöschen. „Beginnt das Gespräch mit einem Malheur, muss man ruhig bleiben und offen und ehrlich sein“, sagt Weinand. Ein Geständnis im Sinne von „Wie Sie sehen, bin ich nervös und brauche ein bisschen, um anzukommen. Ich arbeite daran“ zeige, dass man Schwächen zugeben kann und selbstreflektiert ist. Je mehr Zeit jemand nach einem Bewerbungsgespräch verstreichen lassen, um einen Fehler zu korrigieren, desto weniger aufrichtig wirke eine mögliche Erklärung, so Pieles. Er empfiehlt einen zügigen Anruf. Oder, falls der Ansprechpartner, nicht ans Telefon gehe, eine E-Mail mit der Bitte um ein kurzes Gespräch.

    Fehler gutmachen oder ignorieren?

    Manche Fehler aber lassen sich nachträglich kaum korrigieren. „Grundsätzlich muss ich mich bei einem Fehler entscheiden, ob ich die Situation durch mein erneutes Ansprechen verschlimmere oder entschärfen kann“, sagt Weinand. Ganz schlecht ist es zum Beispiel, wenn ein Bewerber im Gespräch über seinen vorherigen Arbeitgeber gelästert hat. „Die meisten werden das als Ausschlusskriterium nehmen, da in der Regel Loyalität und Respekt auch für das einstellende Unternehmen wichtig sind. An dieser Stelle würde ich es eher nicht noch einmal ansprechen und versuchen, ansonsten einen guten Eindruck zu machen“, rät Weinand. 

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    Zur guten Vorbereitung, sagt auch Pieles, gehöre es deshalb, die Frage nach dem Weggang geschickt zu umschiffen. „Um sich hier nicht zu entsprechenden Aussagen verleiten zu lassen, kann man im Gespräch sehr souverän kontern mit: Sie können sich vorstellen, dass es Gründe gibt, weshalb ich einen Wechsel in Betracht ziehe – bitte gestehen Sie mir jedoch zu, dass ich diese jetzt nicht ausbreite“, sagt Pieles. Bewerber sollten ihre Wechselgründe stattdessen im Verlauf des Gesprächs strategisch nutzen, etwa mit dem Hinweis „Ich verspreche mir von einem Wechsel mehr Arbeit im Team“. 

    Die großen Karriere-Irrtümer

    Wer sich bei einer ganzen Reihe von Firmen bewirbt, kann im Vorstellungsgespräch schon mal Daten oder sogar den Namen des Unternehmens verwechseln. „In dieser Situation kann man aus der Not eine Tugend machen“, empfiehlt Pieles. „Sie können sich dafür entschuldigen, wenn Sie die Zahlen durcheinanderbringen und hinzufügen, dass sie sich in Vorbereitung auf das Gespräch mit der Branche auseinandergesetzt haben und im Zuge dessen sich auch diverse Wettbewerber angeschaut haben und daher eventuell Zahlen durcheinanderbringen.“

    Wenn der Kandidat zu hoch pokert

    Angesichts des grassierenden Fachkräftemangels kann ein Bewerber versucht sein, ein besonders hohes Gehalt zu fordern. Damit das im Vorstellungsgespräch die Gegenseite nicht vor den Kopf stößt, empfiehlt Weinand, eine Gehaltsspanne zu nennen und diese gut zu begründen, etwa mit branchenüblichen Löhnen oder der eigenen Qualifikation. Sollte der Interviewer dennoch überraschend brüsk auf die Forderung reagieren, könne der Bewerber im Hinblick auf das Gesamtpaket mit geldwerten Vorteilen wie einem Dienstfahrzeug Verhandlungsbereitschaft signalisieren. „Es ist jedoch möglich, dass die kritische Reaktion auf die Gehaltsforderung ebenfalls nur gepokert ist“, gibt sie zu bedenken. „Dann gilt es, cool zu bleiben und auf das nächste Angebot zu warten.“

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    Nicht immer ist der Bewerber selbst die Fehlerquelle. Bei Interviews via Videokonferenz drohen zahlreiche technische Probleme, auf die man keinen Einfluss hat. Solche Störungen aber können die Eignung an sich infrage stellen – vor allem wenn viel im Homeoffice gearbeitet werden soll. Bewerber können laut Pieles gegensteuern, indem sie versichern, dass bis zum möglichen Jobantritt die nötigen technischen Voraussetzungen für eine stabile Verbindung geschaffen sein werden. 

    Lesen Sie auch: Das Bewerbungsgespräch sollte immer Chefsache sein!

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