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Karriere Erfolg im Job durch richtige Gene

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Eigenschaften von eineiigen Quelle: dpa

Einige Monate später stießen zwei Schweizer Psychiater auf ein neues Gen, das die Hirnaktivität in gedächtnisrelevanten Regionen steuert. Laut Andreas Papassotiropoulos und Dominique de Quervain von der Universität Zürich spielt das Gen namens Kibra eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, sich etwas zu merken.

Im Februar 2007 entdeckten Psychiater der medizinischen Fakultät der Washington-Universität im US-Bundesstaat Missouri eine Verbindung zwischen dem CHRM2-Gen und dem logischen Denkvermögen. Wer über gute Variationen des Gens verfügte, schnitt im IQ-Test um bis zu 20 Punkte besser ab.

Das sind zwar nur drei Beispiele; die Wissenschaftler gestehen längst ein, dass bis zu 100 Gene die Intelligenz beeinflussen können. Aber die Ergebnisse sprechen für den Einfluss unserer Erbanlagen.

Unterfüttert wird dies durch die Studien von Frank Spinath. Der Psychologe an der Universität Saarbrücken ist einer der führenden Zwillingsforscher in Deutschland. In einer zwei Jahre dauernden Studie mit 300 Zwillingspaaren stellte er seinen Probanden immer wieder dieselbe Aufgabe: Sie sollten aus Papierschnipseln einen stabilen, möglichst hohen Turm bauen. Ergebnis: Die Türme der eineiigen Zwillinge wiesen jedes Mal verblüffende Ähnlichkeiten auf – sowohl in der Bauart als auch in der Höhe.

Zwillinge gehen auch ähnlich mit Frust um

Noch eindrucksvoller fand Spinath aber, wie die Zwillinge an die Aufgabe heran gegangen waren, also ob sie sich vorher einen Plan machten oder einfach drauflos probierten, ob sie sich später ihres Erfolgs vergewisserten und den Turm nachmaßen oder ob sie anschließend ihren Tisch aufräumten. Auch hier zeigte sich bei den genetisch identischen Zwillingen ein auffällig gleiches Verhaltensmuster.

Überhaupt waren viele Eigenschaften eineiiger Paare verblüffend ähnlich. Bei einem weiteren Experiment mit einer unlösbaren Rechenaufgabe beobachteten die Forscher, wie ihre Probanden mit Frust umgingen oder ob sie zu pfuschen versuchten – auch das sind wichtige Erfolgsmesser. Und siehe da: Hier waren die Aufzeichnungen ebenfalls eindeutig. Die eineiigen Zwillinge waren sich deutlich ähnlicher als die zweieiigen.

Eine Studie von Forschern des britischen St. Thomas’ Hospital in London scheint sogar zu belegen, dass selbst Unternehmergeist genetisch bedingt sein könnte. Sie verglichen den Werdegang von eineiigen und zweieiigen Zwillingen. Fazit: Bei den genetisch identischen Paaren kam es signifikant öfter vor, dass beide Unternehmer wurden. Es gebe Hinweise, so der Londoner Genetiker Tim Spector, dass die Erbanlagen zahlreiche Faktoren beeinflussen – von der Arbeitszufriedenheit bis hin zu beruflichen Interessen. Und zwar nicht nur bei Zwillingen, sondern überhaupt bei Geschwistern.

Erziehung, Schulbildung, Vorbild der Eltern – ist demnach alles für die Katz? Nicht ganz. Selbst wenn die Hälfte unserer Persönlichkeit durch die Gene bestimmt wird, können wir immer noch die andere Hälfte gestalten und fördern.

Auch Bestsellerautor Gladwell zieht in seinem Buch das versöhnliche Resümee, dass nicht automatisch die Klügsten erfolgreich werden. Erfolg sei vielmehr ein „Geschenk“. Zahlreiche Überflieger hätten im Leben einfach günstige Gelegenheiten auf dem Silbertablett serviert bekommen – und vor allem: sie auch genutzt.

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