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Karriere Erfolg im Job durch richtige Gene

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Microsoft-Chef Bill Gates: Quelle: REUTERS

Beispiel Bill Gates. Sicher war der Microsoft-Gründer schon von Natur aus klüger als viele seiner Mitschüler. Doch wurde er alleine deswegen zu einem der reichsten Menschen des Planeten? In seinem Buch fasst Gladwell die Geschichte des kleinen Bill so zusammen: Gates' wohlhabende Eltern schickten ihn auf eine Privatschule, die – mit finanzieller Unterstützung der Elternschaft – schon 1968 einen modernen Rechner anschaffte. Die Familie Gates wohnte nur ein paar Minuten Fußweg von der Schule entfernt, weshalb Bill schon als Achtklässler regelmäßigen Zugang zu den Anfängen der Softwareentwicklung hatte – und sich neugierig daran erprobte.

Solch glückliche Zufälle allein reichen jedoch nicht. So führt Erfolgsautor Gladwell auch die sogenannte 10 000-Stunden-Regel von Daniel Levitin an. Der US-Neurologe von der McGill-Universität in Montreal will herausgefunden haben, dass sich jeder mit einer Sache mindestens 10 000 Stunden beschäftigt haben muss, bevor er über die nötigen Kenntnisse verfüge, um in seinem Bereich zur Weltspitze gehören zu können. Egal, ob als Musiker, Sportler oder Wissenschaftler.

Die Regel mag populär zugespitzt sein, Belege dafür finden sich aber in zahlreichen weiteren Forschungsarbeiten. So verglich der Psychologe K. Anders Ericsson, heute Professor an der Florida- State-Universität, Anfang der Neunzigerjahre die Lebensläufe von Studenten einer Musikakademie und kam zu dem Ergebnis: Die Jahrgangsbesten hatten schon seit frühester Kindheit stets mehr Stunden geübt als ihre mittelmäßigen Kommilitonen.

Eltern haben Einfluss auf den Erfolg ihrer Kinder

Tatsächlich haben die Eltern einen nicht unwesentlichen Einfluss auf den späteren Erfolg ihrer Kinder. Das hat nur mittelbar mit ihrer sozialen Herkunft zu tun, umso mehr mit dem Erziehungsstil und damit, wie die Umgebung der Kinder ihre Talente erkennt und fördert.

Die US-Soziologin Annette Lareau von der Universität von Maryland hat diesen Erziehungsstil vor wenigen Jahren an Drittklässlern untersucht und herausgefunden: Stärker als alle anderen erwarteten Eltern aus bildungsnahen Schichten von ihren Kindern, mit anderen zu kommunizieren und keinen übertriebenen Respekt vor Autoritäten zu haben. Die Folge: Die Kleinen lernten so schon früh, für sich selbst einzustehen und Selbstbewusstsein zu entwickeln. Kinder aus Arbeiterfamilien und bildungsfernen Schichten hingegen konnten sich durch ihre Erziehung später nicht flexibel an ihre Umgebung anpassen – für den Erfolg in Schule, Studium und Beruf war das äußerst hinderlich.

Auch die Ernährung scheint Einfluss auf die Entwicklung zu haben. So zeigten diverse Untersuchungen, dass Neugeborene, die aufgrund eines Gendefekts ein IQ-Defizit aufweisen müssten, durch gesundes Essen und entsprechende Förderung bis zum Jugendalter dennoch einen normalen IQ entwickelten. Wissenschaftler vermuten, dass die Ernährung auf Enzyme einwirkt, die wiederum die Gene positiv beeinflussen.

Offensichtlich steckt die DNA des Erfolgs zu einem Gutteil in unseren Genen und beeinflusst Intelligenz, Charakter und Karriere. Sie lässt sich aber auch ihrerseits verändern. Wer mit gutem Erbmaterial ausgestattet ist, landet also nicht automatisch auf der Erfolgsspur, andere nicht automatisch auf dem Abstellgleis.

Wie simpel sich zuweilen die Macht der Gene brechen lässt, zeigt eine Studie aus dem vergangenen Jahr. Robert Gramling von der Universität Rochester im Bundesstaat New York konnte zeigen: Männer, die glaubten, dass sie ein geringes Infarktrisiko hätten, erlitten tatsächlich drei- mal weniger Herzinfarkte – ganz gleich, wie ihre DNA aussah.

Manchmal reicht schon eine gesunde Portion Optimismus.

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