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Karriere Verspieltheit kommt Erwachsenen im Job zugute

Sie rasten bei Ratespielen völlig aus, legen im Büro gern mal eine Runde Kicker ein oder albern hemmungslos mit den Kollegen? Dann sind Sie wohl ein verspielter Typ. Das lässt sich im Job zum Guten nutzen.

Welche Spiele Manager gespielt haben sollten
MonopolyDas Spiel: Immobilienmogul werden und die anderen Mitspieler in den Bankrott treiben – darum geht es im Spieleklassiker Monopoly. Was Manager daraus lernen: Monopoly bildet ab, wie sich Märkte entwickeln: Sie können zum Monopol führen oder zu einem recht ausgeglichenen Markt. Sieger des Spiels ist, wer am Ende das größte Vermögen besitzt.  Das kann nach einer zuvor festgelegten Spieldauer sein. Wie in der Wirtschaft können sich nämlich auch eine relativ ausbalancierte Spielsituation entwickeln, in der alle beliebig lange weiter spielen können. Quelle: AP
Spiel des LebensDas Spiel: Die Teilnehmer spielen das ganze Leben durch – von Ausbildung und Studium bis zum Ruhestand. Gewonnen hat die Person mit dem höchsten Vermögen. Was Manager daraus lernen:  Das Spiel des Lebens ist ein reines Glücksspiel, die Spieler können hauptsächlich zwischen hohem und niedrigem Risiko entscheiden. Ähnlich ist es im echten Leben, indem man ebenso hauptsächlich zwischen unterschiedlichen Wahrscheinlichkeiten wählen kann. Das zeigt sich schon nach der ersten Spielentscheidung: Direkt Karriere machen? Oder doch Studieren? Auch wenn die Akademiker-Gehälter in der Regel höher sind, sagt die erste Entscheidung nichts über den Spielausgang aus. Quelle: Presse
Mensch ärger Dich nichtDas Spiel: Der Spieler, der als erstes all seine Figuren ins Haus bringt, hat gewonnen. Was Manager daraus lernen können: Die einzige Schwierigkeit ist, dass man immer wieder von anderen Spielern rausgeworfen werden kann. Das wirft einen immer wieder zurück. Damit muss man klar kommen, wieder von vorne anfangen und auch nach dem x-ten Rauswurf kann man immer noch gewinnen. Diese Hartnäckigkeit und Disziplin muss man auch im Berufsleben an den Tag legen. Quelle: AP
PokerDas Spiel: Alle Spieler geben einen Einsatz und die Hand mit dem höchsten Kartenwert gewinnt den Pot. Was Manager daraus lernen können: Bluffen. Wenn ein Spieler mit einer schlechten Hand durch Bluffen die anderen Spieler daran hindert, seinen vorgelegten Einsatz ebenfalls zu setzen, gewinnt er schließlich als einzig Übrigebliebener. Quelle: dpa
SchachDas Spiel: Bei der Mutter aller Strategiespiele schieben zwei Spieler Figuren so lange auf einem Brett hin und Herr, bei einer den anderen schachmatt setzt – also den König des anderen unabwendbar angreift. Was Manager daraus lernen können: In der Ruhe liegt die Kraft: Die Situation im Blick haben, analysieren und dann den richtigen Zug machen. So funktioniert’s auch im Leben. Quelle: AP
Die Siedler von CatanDas Spiel: Die Spieler besiedeln die fiktive Insel Catan, bauen Straßen und Siedlungen, handeln mit Rohstoffen. Gewonnen hat, wer zuerst eine bestimmte Anzahl sogenannter Siegpunkte erreicht hat. Was Manager daraus lernen:  Um Wachstum geht es nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch im Spiel. Die Teilnehmer expandieren ständig und müssen dabei das richtige Maß an Kooperation und Konkurrenz mit anderen Mitspielern finden. Die Spieler können Handel betreiben und Allianzen bilden und sich andererseits gegenseitig blockieren.
MühleDas Spiel: Ziel ist es, die gegnerischen Steine so zu schlagen, dass der Gegner nur noch zwei Steine übrig hat, der die gegnerischen Steine so zu blockieren, dass er nicht mehr ziehen kann. Was Manager daraus lernen können: Man kann machen was man will – man steckt in der Klemme. So ist es auch oft im Job. Quelle: Screenshot

Manche Menschen können sich auch über die kleinen Dinge im Alltag königlich amüsieren. Leichtherzigkeit und Verspieltheit können im Beruf jedoch manchmal hinderlich sein, etwa wenn Mitarbeiter als zu wenig ernsthaft oder unkonzentriert wahrgenommen werden. Dabei haben verspielte Menschen deutliche Vorteile: Sie sind meist gute Beobachter, es fällt ihnen leicht, neue Perspektiven einzunehmen und auch Aufgaben, die anderen monoton erscheinen, können sie noch etwas abgewinnen. Zu dieser Erkenntnis kommen Psychologen der Martin-Luther-Universität Halle (MLU).

Sie haben den Charakterzug Verspieltheit bei Erwachsenen untersucht - bislang wurden meist Erkenntnisse von Kindern auf ältere Menschen übertragen. Dies sei jedoch ein Fehler, meinen die Forscher. "Dadurch gehen viele Aspekte verloren, zum Beispiel solche, die sich auf romantische Beziehungen oder intellektuelle Leistungen beziehen", sagt Privatdozent René Proyer vom Institut für Psychologie an der MLU. Um der Verspieltheit bei Erwachsenen auf den Grund zu gehen, untersuchte er mehrere Studien und Befragungen mit rund 3000 Teilnehmern.

Proyer sieht Verspieltheit bei Erwachsenen gar als neue Persönlichkeits-Dimension. Bisher werden Wesenszüge in der Psychologie klassischerweise mit den fünf Aspekten Extraversion, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit, Offenheit und emotionale Stabilität beschrieben. Die Verspieltheit ließe sich hier jedoch nicht einfügen - sie sei ein eigenständiger Charakterzug.

Wie die Deutschen am liebsten spielen

Verspielte Menschen leben ihre Neigungen in vielfältigen Situationen aus. Auch auf den Job-Alltag lässt sich dieses Persönlichkeitsmerkmal übertragen. Verspielte Menschen können laut der Studie alle möglichen Situationen ihres Lebens so umdeuten, dass sie sie als unterhaltsam erleben. Das kann den erlebten Stress deutlich reduzieren, so die Forscher. Im deutschen Sprachraum sei Verspieltheit zu negativ besetzt: Verspielte Menschen gelten mitunter als unzuverlässig oder würden nicht ernst genommen - zu Unrecht. Denn gerade bei komplexen Problemstellungen fiele es verspielten Menschen leichter, die Perspektive zu wechseln und so zu neuen, ungewöhnlichen Lösungen zu kommen.

Diese Dinge lenken uns von der Arbeit ab
Schnatternde ArbeitskollegenMitarbeiter – immer gut, um von der Arbeit abzuhalten. In einer Extra-Liste zählt Career Building die kuriosesten Dinge auf, bei denen Arbeitgeber ihrer Angestellten während der Arbeitszeit schon angetroffen haben. Darunter finden sich zahlreiche Aktivitäten, für die Mitarbeiter Kollegen brauchten – beispielsweise das Verschicken „unangebrachter Bilder“ an selbige, oder das Ausdrucken von Tierbildern, um diese anschließend handschriftlich nach Kollegen zu benennen und im Büro verteilt aufzuhängen. Auf Platz 9 im Ranking schaffen es aber schon Mitarbeiter, die schlicht zu laut sind – 17 Prozent der Befragten Arbeitgeber nennen diese als erhebliche Produktivitätskiller. Interessant: Gleichzeitig haben 12 Prozent die Erfahrung gemacht, dass Arbeiten im Großraumbüro die Produktivität fördert. Quelle: www.careerbuilder.com Quelle: imago
MeetingsEin Klassiker der modernen Arbeitsvermeidung und Produktivitätsminderung: Konferenzen zu jedem Anlass. Rund 26 Prozent der Arbeitgeber sehen in dauernden Meetings eine zuverlässige Möglichkeit, Arbeitskraft zu reduzieren. Wenig überraschend wirkt sich das drastische Reduzieren von Konferenzen positiv aus, 16 Prozent der Arbeitgeber lassen den Konferenzraum gern öfter mal unbenutzt. Quelle: imago
Zigarettenpausen/Pausen für SnacksPausen können helfen. Eine Mittagspause oder kurze offizielle Unterbrechungen der Arbeit sehen 21 Prozent der Arbeitgeber als eine gute Möglichkeit, die Produktivität ihrer Angestellten zu erhöhen. Doch diese Pausen müssen vor allem zeitlich klar geregelt sein. Denn mit Zigarettenpausen oder auch Unterbrechungen für eine kurze Zwischenmahlzeit sehen andererseits wiederum 27 Prozent der Befragten als willkommene Möglichkeit der Arbeitsvermeidung. Ebenfalls schon beobachtet und vielleicht gut gemeint aber nicht hilfreich: Die Verwendung von regulärer Arbeitszeit für den Versuch, Kollegen zu hypnotisieren – um ihnen das Rauchen abzugewöhnen. Quelle: imago
Arbeitskollegen „die mal vorbei schauen“Als einziges gleich mehrmals in der Liste vertreten: Kollegen, die sich gegenseitig von der Arbeit abhalten. 27 Prozent der Arbeitgeber glauben, dass ein „mal eben vorbeischauen“ für einen kurzen Plausch oder ähnliches unter Kollegen ein natürlicher Feind effizienten Arbeitens ist. Und das Problem geht für 30 Prozent der Befragten noch tiefer: Sie glauben an eine schlechte Moral im Büro, weil einzelne Kollegen die Arbeit ihrer faulen Mit-Angestellten mit erledigen müssen. Quelle: imago
E-MailsDas all zu engagierte Checken und Verschicken von E-Mails ist für 31 Prozent der absolute Produktivitätskiller und schafft es damit auf Platz 5. Das Problem mit konsequenter Arbeitsvermeidung ist, dass sie am Ende nur mehr Arbeit schafft: 45 Prozent der befragten Arbeitgeber sind überzeugt, dass die Qualität des Erledigten leidet, ständiges Gegenprüfen und Korrigieren kostet dann Zeit und Nerven. Die selben Arbeitsschritte werden doppelt ausgeführt. Das belastet nicht nur die Atmosphäre der Angestellten untereinander, sondern auch die Beziehung zwischen Angestellten und Chef. Und das tut keinem Arbeitsplatz gut. Quelle: dpa
Soziale MedienDie einen widmen einfach der Pflege des eigenen Profils zu viel Aufmerksamkeit, die anderen sind damit beschäftigt, ihren Arbeitgeber online nieder zu machen (ein weiteres Highlight in der Liste der kreativsten Einfälle zur Arbeitszeitvermeidung unter Kollegen) – so oder so: 36 Prozent der Chefs glauben ihre Angestellten könnten effektiver arbeiten, würden sie weniger Arbeitszeit mit sozialen Medien verbringen. Darunter zählen nicht nur Facebook und Co., sondern auch Foren, Blogs oder sogar Online-Spiele. Quelle: dpa
Klatsch und TratschSogar noch beliebter als das Prokrastinieren in sozialen Netzwerken ist das Lästern von Mensch zu Mensch. 37 Prozent der Befragten nennen die Beschäftigung mit Klatsch und Tratsch unter ihren Angestellten als beliebte Möglichkeit, Arbeit zu vermeiden. Manchmal offenbar mit unangenehmen Folgen: Ein Befragter gab als die erinnerungswürdigste Aktion eines Angestellten an, dieser habe eine Pause vom Arbeitsplatz genutzt, um einem Kollegen die Reifen aufzuschlitzen. Quelle: imago

Psychologe Proyer identifiziert in seiner Untersuchung vier Typen von verspielten Erwachsenen:

- Auf andere ausgerichtete Verspieltheit: Menschen, die gern mit Freunden und Bekannten herumalbern.

- Leichtherzige Verspieltheit: Menschen, die ihr ganzes Leben als ein Spiel wahrnehmen.

- Intellektuelle Verspieltheit: Menschen, die gern mit Ideen und Gedanken spielen. Auch eintönige Aufgaben können für sie interessant sein.

- Extravagante Verspieltheit: Menschen, die sich für seltsame und groteske Dinge interessieren und auch kleinen, alltäglichen Beobachtungen Interessantes abgewinnen können.

Die Studie wurde in der Fachzeitschrift "Personality and Individual Differences" veröffentlicht.

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