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Karrierefaktor Aussehen „Es gibt kein zu schön!“

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Schönen Menschen verzeiht man Fehler

Außerdem haben schöne Menschen einen weiteren Pluspunkt: „Wir nehmen sie eher war, betrachten sie intensiver und können uns an sie später besser erinnern“, sagt Rosar. Gerade bei Bewerbungsgesprächen, Assessment-Centern und im Berufsalltag kann das entscheidend dafür sein, ob und wie ein Bewerber oder Mitarbeiter von den Entscheidern wahrgenommen wird. „Last but not least neigen wir dazu, attraktive Menschen auch besser zu behandeln“, sagt der Attraktivitätsfoscher. Attraktiven Menschen profitierten zudem davon, dass ihnen gemeinhin Fehler und Verfehlungen leichter nachgesehen werden, sagt Soziologe Rosar. „Untersuchungen haben es immer wieder gezeigt, dass wir bei Fehlern von attraktiven Menschen generell nachsichtiger sind.“ Die Folgen bedürfen wohl keiner Erklärung.

Schöne Menschen sind nicht zwangsläufig bessere Menschen

Die reine Einschätzung: „Ist jemand, der attraktiver aussieht, besser, netter, fleißiger?“ ist wissenschaftlich betrachtet für Psychologen Gründl „schon geradezu langweilig“ – denn das Ergebnis sei einfach immer das gleiche: „Wenn man Menschen bittet, einfach nach Bildern den Charakter einer Person zu bewerten, kommt man immer zum gleichen Ergebnis“, erläutert Gründl. „Die unattraktiven bekommen schlechtere Charaktereigenschaften zugeschrieben, die attraktiven Gesichter durchweg positive.“

Dabei stimmt das mit der Realität natürlich nicht zwangsläufig überein. Wer die schöneren Gesichtszüge hat, ist nicht automatisch ein besserer Mensch. Auch das haben Wissenschaftler vielfach ausführlich untersucht. Das Ergebnis: Die besonders attraktiven Testpersonen waren weder intelligenter, noch netter – höchstens einen Hauch geselliger oder sozial kompetenter. „Dies zeigt sich aber nur bei einer großen Menge Probanden“, relativiert Gründl diese Ergebnisse.

„Das Gros der Studien zeigt, dass es keinen Zusammenhang zwischen Attraktivität und den tatsächlichen Persönlichkeitseigenschaften“, bewertet auch Soziologe Rosar die Forschungslage. Die wenigen Untersuchungen, die Zusammenhänge erkennen, argumentierten zumeist mit der Self-Fulfilling-Prophecy: „Die Attraktiven werden so behandelt als wären sie kompetenter und können deswegen ihre Möglichkeiten, kompetent zu werden, besser verwirklichen als andere, denen man es weniger zutraut“, so Rosar.

Wir lassen uns vom Schönheit blenden

„Es gibt einen allgemeinen Ausstrahlungseffekt, der Attraktivität auf andere Merkmale überträgt“, sagt Gründl. Deshalb würden etwa auch in Assessment-Centern schönere Leute bessere Beurteilungen für jobrelevante Eigenschaften bekommen, obwohl sie nicht besser sind, sondern einfach kompetenter auf die Beurteiler wirken. „Auch sie können es nicht trennen und lassen sich blenden.“ Von der Schönheit blenden lassen – die Redewendung kommt also nicht von ungefähr.

Nichtsdestotrotz gibt es auch immer wieder die Behauptung, dass es besonders Frauen beruflich schaden könne, wenn sie zu schön seien. Platt gesagt: „Die ist so schön, die kann nicht auch noch klug sein“.

Dass das Klischee in den Köpfen existiert, bewiesen israelische Forscher um den Ökonom Bradley Ruffle von der Ben-Gurion-Universität. Sie verschickten über 5000 fiktive Bewerbungen für über 2600 Jobs. Teils mit Bildern von durchschnittlich, teils mit Bildern von überdurchschnittlich attraktiven Männern und Frauen und teils ganz ohne Foto.

Das Ergebnis: Besonders erfolgreich waren die Bewerbungen der attraktiven Männer. Unterdurchschnittlich hingegen die der attraktiven Frauen. Die Vermutung der Wissenschaftler: Attraktivität benachteilige vor allem Frauen. Denn attraktive Frauen förderten das Balzverhalten insbesondere der männlichen Kollegen und schüre Eifersüchteleien unter den Frauen.

Ob das tatsächlich die korrekte Begründung ist, sei dahin gestellt. Die Problematik für attraktive Bewerber und Mitarbeiter scheint in jedem Fall real.

Haben Frauen also im Beruf tatsächlich Nachteile, wenn sie ganz besonders schön sind? Gründl kann das durch seine Untersuchungen nicht bestätigen. Bei seinen Studien seien Gesichter von sehr attraktiven Männern und Frauen gleichermaßen als besonders intelligent eingeschätzt worden. „Ein schönes Frauengesicht wird also nicht als weniger intelligent bezeichnet“, so Gründl. „Je schöner, desto intelligenter. Da gibt es kein zu schön.“ Eine Ausnahme gäbe es aber, räumt der Psychologe ein: Schönheit hat bei Frauen immer etwas mit besonders vielen weiblichen Attributen zu tun.

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