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Karrierefaktor Aussehen „Es gibt kein zu schön!“

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Schönen Menschen verzeiht man Fehler

Außerdem haben schöne Menschen einen weiteren Pluspunkt: „Wir nehmen sie eher war, betrachten sie intensiver und können uns an sie später besser erinnern“, sagt Rosar. Gerade bei Bewerbungsgesprächen, Assessment-Centern und im Berufsalltag kann das entscheidend dafür sein, ob und wie ein Bewerber oder Mitarbeiter von den Entscheidern wahrgenommen wird. „Last but not least neigen wir dazu, attraktive Menschen auch besser zu behandeln“, sagt der Attraktivitätsfoscher. Attraktiven Menschen profitierten zudem davon, dass ihnen gemeinhin Fehler und Verfehlungen leichter nachgesehen werden, sagt Soziologe Rosar. „Untersuchungen haben es immer wieder gezeigt, dass wir bei Fehlern von attraktiven Menschen generell nachsichtiger sind.“ Die Folgen bedürfen wohl keiner Erklärung.

Schöne Menschen sind nicht zwangsläufig bessere Menschen

Die reine Einschätzung: „Ist jemand, der attraktiver aussieht, besser, netter, fleißiger?“ ist wissenschaftlich betrachtet für Psychologen Gründl „schon geradezu langweilig“ – denn das Ergebnis sei einfach immer das gleiche: „Wenn man Menschen bittet, einfach nach Bildern den Charakter einer Person zu bewerten, kommt man immer zum gleichen Ergebnis“, erläutert Gründl. „Die unattraktiven bekommen schlechtere Charaktereigenschaften zugeschrieben, die attraktiven Gesichter durchweg positive.“

Kleine Details können die komplette Wirkung verändern
Bei einem professionellen Foto - egal, ob es für die Bewerbung, die Firmen-Website oder den Xing-Auftritt ist - kommt es auf die Details an, weiß die Düsseldorfer Business-Fotografin Christine Sommerfeldt. Hier im Bild zu sehen ist Bettina Gohm, die bei Siemens für die globale Vergütungspolitik des Unternehmens zuständig ist. In diesem Bild wirkt die HR-Managerin sympathisch, offen, und kommunikativ, aber auch durchsetzungsstark und souverän. Ein winziges Detail verändert die Wirkung deutlich... Fotos: Christine Sommerfeldt, Business-Fotografin
In diesem Bild hält Managerin Gohm den Kopf nur ein kleines bisschen weiter gesengt als im Foto davor - und wirkt gleich skeptisch beziehungsweise fragend und zurückhaltend. Aber nicht nur die Körpersprache entscheidet über die Wirkung... Fotos: Christine Sommerfeldt, Business-Fotografin
Auch die Auswahl der Kleidung, des Schmucks und der Farben verändern die Wirkung total. In diesem Bild tut der knallige Blazer sein Übriges. Apropos Farbe... Fotos: Christine Sommerfeldt, Business-Fotografin
In diesem Bild steht Gohm vor einem dunklen Hintergrund und wirkt dadurch gleich viel konservativer und weniger dynamisch, als vor dem hellen Hintergrund. Zum Vergleich: Fotos: Christine Sommerfeldt, Business-Fotografin
Gohm in der gleichen Pose, mit gleichem Outfit, gleichem Schmuck und gleicher Kopfhaltung vor weißer Wand. Fotos: Christine Sommerfeldt, Business-Fotografin
Die Wirkung auf Fotos und wie sie durch Kleidung, Haltung und Farben beeinflusst wird, ist aber kein reines Frauenthema. Hier zu sehen: Wolfgang. Netter Typ, hemdsärmelig. Einer zum Probleme lösen und gemeinsam Feierabendbierchen trinken. Fotos: Christine Sommerfeldt, Business-Fotografin
Und das hier ist Herr Doerfler. Fotos: Christine Sommerfeldt, Business-Fotografin

Dabei stimmt das mit der Realität natürlich nicht zwangsläufig überein. Wer die schöneren Gesichtszüge hat, ist nicht automatisch ein besserer Mensch. Auch das haben Wissenschaftler vielfach ausführlich untersucht. Das Ergebnis: Die besonders attraktiven Testpersonen waren weder intelligenter, noch netter – höchstens einen Hauch geselliger oder sozial kompetenter. „Dies zeigt sich aber nur bei einer großen Menge Probanden“, relativiert Gründl diese Ergebnisse.

„Das Gros der Studien zeigt, dass es keinen Zusammenhang zwischen Attraktivität und den tatsächlichen Persönlichkeitseigenschaften“, bewertet auch Soziologe Rosar die Forschungslage. Die wenigen Untersuchungen, die Zusammenhänge erkennen, argumentierten zumeist mit der Self-Fulfilling-Prophecy: „Die Attraktiven werden so behandelt als wären sie kompetenter und können deswegen ihre Möglichkeiten, kompetent zu werden, besser verwirklichen als andere, denen man es weniger zutraut“, so Rosar.

Wir lassen uns vom Schönheit blenden

„Es gibt einen allgemeinen Ausstrahlungseffekt, der Attraktivität auf andere Merkmale überträgt“, sagt Gründl. Deshalb würden etwa auch in Assessment-Centern schönere Leute bessere Beurteilungen für jobrelevante Eigenschaften bekommen, obwohl sie nicht besser sind, sondern einfach kompetenter auf die Beurteiler wirken. „Auch sie können es nicht trennen und lassen sich blenden.“ Von der Schönheit blenden lassen – die Redewendung kommt also nicht von ungefähr.

Nichtsdestotrotz gibt es auch immer wieder die Behauptung, dass es besonders Frauen beruflich schaden könne, wenn sie zu schön seien. Platt gesagt: „Die ist so schön, die kann nicht auch noch klug sein“.

Dass das Klischee in den Köpfen existiert, beweisen israelische Forscher um den Ökonom Bradley Ruffle von der Ben-Gurion-Universität. Sie verschickten über 5000 fiktive Bewerbungen für über 2600 Jobs. Teils mit Bildern von durchschnittlich, teils mit Bildern von überdurchschnittlich attraktiven Männern und Frauen und teils ganz ohne Foto.

Das Ergebnis: Besonders erfolgreich waren die Bewerbungen der attraktiven Männer. Unterdurchschnittlich hingegen die der attraktiven Frauen. Die Vermutung der Wissenschaftler: Attraktivität benachteilige vor allem Frauen. Denn attraktive Frauen förderten das Balzverhalten insbesondere der männlichen Kollegen und schüre Eifersüchteleien unter den Frauen.

Ob das tatsächlich die korrekte Begründung ist, sei dahin gestellt. Die Problematik für attraktive Bewerber und Mitarbeiter scheint in jedem Fall real.

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