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Networking: Wie Sie Sport und Arbeit verbinden

Simone Janson Freie Autorin

Das Silicon Valley ist in vielen Bereichen zukunftsweisend – auch in puncto Arbeitskultur.

Sport als Networking-Tool kennt man bislang vor allem vom Golfen – dessen Image ist aber eher altmodisch und uncool. Kiten ist der neue Trend. Quelle: dpa

In digitalen Unternehmen vermischen sich die Aspekte von Arbeit und Freizeit zusehends. Kein Wunder, dass auch neue, sportliche Formen von Meetings und Networking entstehen.

Einer der Vorreiter ist LinkedIn-Mitgründer Konstantin Guericke, der seine Meetings bereits seit Jahren beim Wandern abhält. Die Idee entstand, weil Guericke während der Gründungsphase von LinkedIn viel Arbeit und wenig Zeit für Sport hatte. Mit seinem Co-Gründer Reid Hoffmann verlegte er seine Treffen auf die Wanderwege. 

Heute ist Guericke Partner beim Venture-Capital-Unternehmen Earlybird, aber er wandert noch immer – im Schnitt etwa 10 Meetings in der Woche finden auf den Wegen rund um Palo Alto in Kalifornien statt. Seine Gesprächspartner sind dabei oft Studierende aus Stanford oder StartUp-Gründer. Im Mittelpunkt steht für Guericke der Aufbau von Vertrauen: "Wenn man gemeinsam wandert und vielleicht auch spezielle Erfahrungen teilt, das schweißt schon zusammen – wie beim gemeinsamen Essen."

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Grillwurst Quelle: dpa
vegetarische Suppe Quelle: dpa Picture-Alliance
Vitaminpillen auf einem Löffel Quelle: dpa
drei Leute joggen Quelle: dpa
Zigaretten Quelle: dpa
Frauen in einer Saune Quelle: dpa Picture-Alliance
Menschen machen Yoga am Times Square Quelle: AP
ein Mann liegt im Bett und schläft Quelle: obs

Sport als Networking-Tool kennt man bislang vor allem vom Golfen – dessen Image ist aber eher altmodisch. „How Kiteboarding Became the New Golf“ titelte daher kürzlich der Journalist Max Chafkin und zeigte, welchen Einfluss der Trendsport auf die Networking- und Business-Kultur des Silicon Valley hat. Stefan Lake, Country Manager Deutschland bei der Employer-Branding-Beratung Universum, ist selbst begeisterter Kitesurfer mit Trainerlizenz und sieht vielfältige Einsatzmöglichkeiten gerade im Personalbereich: „Man kann beim gemeinsamen Kiten sehr viel über den Charakter eines Menschen erfahren und sehen, wie jemand in Stresssituationen reagiert, etwa wenn der Drachen wegfliegt oder sich die Leinen verheddern.“ Überhaupt erfordere Kiten sehr viel Geschicklichkeit und sogar physikalische Kenntnisse, etwa wenn es um die Windströmung geht. Und es ist attraktiv vor allem für eine junge Zielgruppe: „Das Equipment ist relativ günstig und nur mit einem Rucksack zu transportieren, außerdem ist es nachhaltiger als Motorsport“, sagt Lake.

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Kein Wunder also, dass sich rund um das Thema Networking und Sport zahlreiche Angebote etabliert haben. Das Aachener Unternehmen SoS Events veranstaltet zweimal jährlich das Recruiting-Event Students on Snow und Students on the Rocks: Studierende gehen mit Unternehmensvertretern von Bayer oder Siemens klettern oder skilaufen und lernen sich so unverbindlich kennen. Auch internationale Unternehmen wie Yahoo oder Google nutzen gerne mal Tourismus-Regionen wie Teneriffa, die Côte d'Azur, die Gegend rund um Dublin oder auch die norwegischen Lofoten, um Teambuilding-Events zu veranstalten. "Wir bieten Unternehmen die verschiedensten Aktivitäten von Segeln über eBiking bis zum Klettern an“, sagt etwa Alexandra Sauvaigo vom Tourismusverband Estérel - Côte d'Azur.

Was auffällt: Viele dieser Angebote kommen betont hipp, cool und außergewöhnlich daher. Warum aber gehen dann erfolgreiche Unternehmer wie Konstantin Guericke lieber wandern?

Eine Erklärung dafür hat der Autor und Moderator Manuel Andrack: Der durch seine Arbeit mit Harald Schmidt bekannt gewordene Grimme-Preisträger ließ sich früher seine Gags beim Wandern einfallen, heute läuft er hauptberuflich deutsche Wanderwege ab und schreibt Bücher darüber. Dabei hat auch er mit dem Wandern angefangen, um weniger Zeit immobil und passiv vor dem Computer zu sitzen. Und zunächst andere Sportarten ausprobiert: „Joggen zum Beispiel fand ich sehr anstrengend. Und beim Radfahren muss man viel mehr auf den Verkehr achten und kann nicht über sich und seine Ideen nachdenken“, sagt Andrack und verdeutlicht: „Durch die Bewegung wird das Gehirn besser durchblutet, gleichzeitig hat mein beim Wandern meist die Muße, nachzudenken. Deshalb fließen die Gedanken dann regelrecht beim Gehen.“ Sein Fazit: Wandern macht schlau und erfolgreich. 

Letztendlich ist es aber egal, welcher sportlichen Aktivität man nachgeht: Wichtig ist es, überhaupt körperlich in Bewegung zu bleiben. Und die sollte am besten Spaß machen. Das fällt vielen in einem stressigen Arbeitsalltag schon schwer genug – und daher ist es eine gute Idee, den Sport in die eigenen Arbeitsabläufe zu integrieren. Konstantin Guericke: „Die meisten Gesprächspartner sagen, dass sie Wandermeetings auch besser finden als im Büro zu hocken. Manche machen es dann häufiger selbst so, aber die meisten sind dann doch bald wieder in ihrem alten Trott.“

Die Autorin betreibt das Blog Berufebilder. Sie können auch über Twitter mit ihr in Kontakt treten.

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