Körpersprache: Unsere Haltung verrät unsere Gedanken
Hinter dem Kopf verschränkte Hände drücken Dominanz aus. Entscheidungen wird er nicht mehr revidieren, er besitzt genügend Selbstbewusstsein.
Foto: Fotolia.comMenschen, die ihre Hände wie zum Gebet aneinanderlegen, fühlen sich sicher: Entscheidungen, die sie getroffen haben, stehen fest und sind nicht mehr zu ändern.
Foto: dpaAuch wenn es hier eher freundlich aussieht: Vor dem Körper verschränkte Arme sind immer auch eine Abwehr-Haltung. Haben Sie vorher einen verbalen Angriff gestartet, dann haben sie Ihren Gesprächspartner nun in die Defensive gedrängt.
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Die Angst sitzt ihr im Nacken: Der Gesprächspartner fühlt sich unwohl bzw. in die Enge gedrängt. Jetzt können Sie ihn vielleicht zum Eingestehen eines Fehlers bekommen, oder er hat zumindest ein schlechtes Gewissen.
Foto: Fotolia.comWenn jemand mit der Hand "imaginären" Schmutz von seiner Kleidung entfernt, dann sollten Sie vorsichtig sein: Noch schlägt er nicht zurück, aber er bereitet sich gerade darauf vor, Widerspruch einzulegen.
Foto: Fotolia.comZur Pistole geformte Finger, die dazu noch unmittelbar auf den Gesprächspartner deuten, zeigen die Aggressivität des Gegenüber. Passen Sie auf.
Foto: Fotolia.comDas Berühren der Nase ist eine typische Geste für einen Gesprächspartner, der Zweifel hat. Ihn sollten Sie noch überzeugen.
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Der amerikanische Psychologe Albert Mehrabian entwickelte im Jahr 1971 die 7-38-55-Formel. Er glaubte, dass der größte Teil der Information in einem Gespräch oder einer Rede nonverbal vermittelt wird. Nur sieben Prozent dessen, was bei uns ankommt, seien tatsächlich Worte. Die Art, wie wir etwas sagen, entscheidet zu 38 Prozent.
Doch am wichtigsten ist Mehrabian zufolge die Körpersprache: Sie mache 55 Prozent des Gesagten aus. Nun lässt sich über die Formel streiten. Richtig ist aber, dass die Körpersprache in der Kommunikation eine wichtige Rolle spielt.
Körpersignale legen unsere Gefühle - von Angst über Freude bis zu Unsicherheit und Wut - gnadenlos offen. Geübten Beobachtern bleiben Diskrepanzen zwischen gesprochenem Wort und dem, was tatsächlich dahinter steckt, nicht verborgen. Und auch im Vorstellungsgespräch oder der Gehaltsverhandlung kann uns unser Körper verraten.
Wissenschaftler vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) führten für eine Studie eine Aufzeichnung einer Gehaltsverhandlung vor. Die Studenten sollten abschätzen, ob der Angestellte letztlich mehr Geld bekommt oder nicht. Und die Mehrheit hatte mit ihrer Einschätzung Recht. Die Art, wie die Personen im Video miteinander interagierten, sprach eine deutliche Sprache.
Studien belegen, dass sogar Babys die Körpersprache ihrer Eltern lesen können, wie der Körpersprachenexperte Joe Navarro weiß. Der Mensch ist darauf ausgelegt, auch ohne Worte zu kommunizieren. Und zwar ehrlich. Unser Körper zeigt, wie wir uns fühlen.
Frauen machen sich oft klein
Im Beruf ist das allerdings nicht immer förderlich. Karriereratgeber warten deshalb mit zahlreichen Tipps auf, wie wir besonders überzeugend auftreten: Wir sollen lächeln, den Rücken durchdrücken, raumgreifende Positionen einnehmen und die Arme nur dann vor der Brust verschränken, wenn wir wirklich Skepsis oder Ablehnung signalisieren wollen.
Die Kommunikationstrainerin Cornelia Topf hat sogar einen Ratgeber speziell für Frauen geschrieben. Diese neigen dazu, sich durch ihre Körperhaltung klein zu machen. Sie schwächen "durch Haltung oder Gestik ihren Status", wie die Autorin des Buchs "Körpersprache für Frauen" schreibt. Dazu gehörten gefaltete Hände, übereinander geschlagene Beine oder überkreuzte Füße. Männer streckten dagegen im Sitzen die Beine von sich, wodurch sie eine ganz andere - raumgreifendere - Wirkung erzielen.
Karriere ruinieren in wenigen Schritten
Mit einer schlechten oder viel mehr unpassenden Körpersprache können sich sowohl Bewerber als auch Manager einiges verbauen. Am schnellsten geht das, wenn schon die Begrüßung schief läuft. Dazu am besten dem Gegenüber gar nicht erst die Hand geben. Falls der Händedruck unausweichlich ist, sollte er möglichst kalt und ausdruckslos sein. Danach sollte es mit dem Job oder der Gehaltserhöhung eigentlich schon aus sein.
Verschiedene Studien belegen nämlich, dass ein angenehmer Handschlag immer ein Türöffner ist. So fand Greg Stewart von der Universität von Iowa in einer Studie heraus, dass Bewerber mit einem angenehmen Handschlag deutlich häufiger einen Job bekommen. Und Francesca Gino von der Harvard Business School konnte belegen, dass Verhandlungen deutlich fairer ablaufen, wenn sich die Verhandlungsteilnehmer vorher die Hände geschüttelt haben.
Den perfekten Händedruck definieren verschiedene amerikanische Forscher übrigens als kurz - maximal drei bis vier Sekunden - fest und trocken. Dazu gehört ein offenes Lächeln, der Blick ins Gesicht des Gegenübers gerichtet. Auch die Bewerbungs- und Karriereberatung Hesse/Schrader weiß, wie es nicht geht: Wer den Blick senkt, signalisiert dem Gegenüber Desinteresse. Wer mit dem Chef über eine Gehaltserhöhung verhandelt oder sich für einen Fehler rechtfertigt, sollte dem Vorgesetzten also in die Augen schauen. Wer häufig blinzelt, demonstrativ wegschaut und den Blick nicht fokussiert, zeigt Unsicherheit und outet sich so als schwacher Verhandlungspartner. Gleiches gilt für nervöses Herumzupfen an der Kleidung oder das Spielen mit dem Haar.
Genauso wenig überzeugen laut Hesse und Schrader ein stereotypes Dauerlächeln oder das so genannte "Piranha-Lächeln", das alle Zähne zeigt. Aber auch zusammengepresste Lippen in Kombination mit nach unten gezogenen Mundwinkeln helfen im Gespräch nicht weiter. Dieser Gesichtsausdruck suggeriert Unzufriedenheit bis hin zur Verbitterung oder den Wunsch nach Distanz.
Victory-Zeichen
Dieses Siegeszeichen - prominent geworden durch Winston Churchill - ist nahezu auf der ganzen Welt verständlich. Nur Vorsicht: Wer die Hand verkehrt herum hält, also dem Gegenüber den Handrücken zeigt, bekommt zumindest in Australien, Großbritannien und Malta richtig Ärger. Dieses umgekehrte Zeichen ist dort nämlich das Pendant zum international bekannten Stinkefinger.
Foto: REUTERSRausgestreckte Zunge
Wer Tibet bereist, sollte sich darauf vorbereiten, dass erwachsene Menschen einander die Zunge herausstrecken. In Teilen der chinesischen Verwaltungseinheit ist dies eine verbreitete Begrüßungsform. Weitere Begrüßungsrituale sind unter anderem das Überreichen eines Schleiers, auf Höhe der Brust gefaltete Hände, das Berühren der Stirn oder das Heben der Hand.
Foto: dpa/dpaweb
Zeigefinger
Schon in Deutschland heißt es, man solle nicht mit dem (nackten) Finger auf (angezogene) Menschen zeigen. Was hierzulande aber nur latent unhöflich ist, ist beispielsweise in Thailand ein regelrechter Fauxpas. In Südafrika gilt die Geste als Angriff.
Foto: dpaEinen Kopf kürzer machen
Wer in Polen seinem Gegenüber signalisieren möchte, dass etwas gestorben ist oder er ihn einen Kopf kürzer machen möchte, sollte sich nicht - wie hierzulande üblich - mit der flachen Hand am Hals entlang fahren. Die Geste bedeutet viel mehr, dass das Gegenüber so betrunken ist, dass ihm der Alkohol bis zum Hals steht.
Foto: FotoliaDaumen hoch
Was in den meisten Ländern Europas das Zeichen für "prima" oder "gut gemacht" ist, ist in der Türkei mehr als nur eine Beleidigung: Der nach oben gereckte Daumen ist dort eine äußerst obszöne Aufforderung zum Geschlechtsverkehr.
Foto: REUTERSDaumen hoch als Zahl
In China ist der nach oben gereckte Daumen im Übrigen das Zeichen für die Zahl fünf. In Indonesien entspricht das gleiche Zeichen der Zahl sechs
Foto: dpaOkay-Zeichen
Ähnlich mehrdeutig ist der mit Daumen und Zeigefinger gebildete Kreis: In Deutschland und Amerika bedeutet die Geste "okay", im kulinarischen Bereich auch "lecker". In Spanien, Griechenland und Russland ist es dagegen eine Beleidigung. Wer dieses Zeichen macht, beschimpft sein Gegenüber als A****loch. Bei Franzosen und Belgiern drückt die Geste dagegen aus, dass jemand oder etwas wertlos, eine Null, ist. Und in Japan gilt die Geste als das Zeichen für Geld.
Foto: FotoliaMano cornuta
Diese Geste gehört zumindest in Deutschland - außer bei Metal-Konzerten oder Festivals - nicht zum Standardrepertoire. Die hochgereckte Faust mit ausgestrecktem Zeige- und kleinem Finger hat dennoch sehr unterschiedliche Bedeutungen: In den USA heißt das Zeichen "Ich liebe dich", in Italien und Spanien ist es dagegen eine schlimme Beleidigung beziehungsweise bezeichnet den Gegenüber als gehörnten Ehemann. Gleichzeitig ist die Mano cornuta (gehörnte Hand) in Italien auch das Zeichen gegen den bösen Blick. Und in der Türkei ist es der Gruß der Partei Graue Wölfe.
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Den Vogel zeigen
Wer in Amerika den Vogel gezeigt bekommt, darf sich geschmeichelt fühlen: Statt "du tickst nicht richtig", ist die Geste in den USA ein Zeichen dafür, dass jemand besonders clever und intelligent ist.
Foto: FotoliaFaustschlag in die Handfläche
Sie wollen Ihrem Gegenüber zeigen, dass Sie energiegeladen sind und eine Sache anpacken wollen? Oder dass es gleich kräftig etwas auf die Mütze gibt? Dann sollten Sie nicht unbedingt mit der Faust in die offene Handfläche schlagen. In Teilen Westafrikas bedeutet die Geste "einverstanden sein". In Chile und in arabischen Ländern sollte man dieses Zeichen ganz unterlassen. Es sei denn, man möchte wirklich mit seinem Gegenüber ins Bett.
Wer um diese Zeichen weiß, kann zumindest versuchen, sie zu vermeiden. Vollständig unterdrücken lassen sich die Reaktionen unseres Körpers auf eine unangenehme Situation ohnehin nicht. Schließlich läuft Körpersprache weitgehend unbewusst ab - wir können uns gar nicht ständig darauf konzentrieren. Darüber hinaus gibt es Signale, die Menschen nicht verbergen oder unterdrücken können - wie das Blinzeln.
Körpersprache für sich nutzen
Dennoch ist es möglich, sich eine positive Körpersprache anzueignen. Denn positive, starke Gesten machen auch stark.
Das hat die amerikanische Sozialpsychologin Amy Cuddy in einem Experiment nachweisen können. Dafür ließ sie rund 40 Studenten verschiedene Posen einnehmen. Eine Gruppe sollte Haltungen einnehmen, die Stärke und Überlegenheit demonstrieren: Sie legten die Füße auf den Tisch oder verschränkten die Arme hinter den Kopf. Die andere Gruppe machte sich körperlich klein und kauerte sich zusammen.
Das Ergebnis: Bei denjenigen, die die Machtpositionen eingenommen hatten, stieg der Testosteronspiegel im Blut und das Stresshormons Cortisol wurde geringer. Diejenigen, die sich klein gemacht hatten, hatten dafür eine höhere Cortisoldosis und weniger Testosteron im Blut. Dementsprechend sicher beziehungsweise unsicher verhielten sich die Probanden auch in anschließenden Befragungen.
Wer also ein wichtiges Gespräch vor sich hat oder einen wichtigen Vortrag halten muss, sollte davor ein paar Minuten in einer Siegerpose verharren. Statt mit gesenktem Kopf, gebeugtem Rücken und überkreuzten Füßen vor der Tür des Chefs zu warten, sollte man lieber eine raumgreifende Position einnehmen: Breite Schultern, gerader Rücken, Arme locker, Kopf hoch - das färbt auf den Hormonspiegel im Blut ab und macht selbstsicher. Und mit der Selbstsicherheit kommt auch die richtige Körpersprache.
Dabei geht es jedoch nicht darum, eine Rolle zu spielen oder sich als jemand auszugeben, der man nicht ist. Wer einem Kunden ein Produkt verkaufen will, muss selber davon begeistert sein, um überzeugend zu wirken. Hält der Vertriebsmitarbeiter selbst das Produkt für völligen Nonsens, muss er wenigstens versuchen, sich in eine euphorische Stimmung zu versetzen.
Was allerdings nicht funktioniert, ist sich Gesten anzutrainieren. Egal, wie oft das aufrechte Sitzen mit durchgedrücktem Kreuz zuhause geübt wird - wer in einer bestimmten Situation ängstlich oder unsicher ist, wird sich immer möglichst klein machen.