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Kontroll-Profis Beste Berufschancen für hauptberufliche Aufsichtsräte

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Nolte weiß, wovon er spricht. Sein arbeitsintensivstes Mandat ist der Aufsichtsratsvorsitz bei dem Bürodienstleister Triumph Adler. Ein schwerer Job. Bis vor zwei Jahren steckte das Unternehmen in einer turbulenten Umstrukturierung: Die Produktion in Deutschland musste geschlossen werden, Hunderte Mitarbeiter verloren den Job. Um das Unternehmen zu retten, wurde es von einem Hersteller von Büro-Ausrüstung zu einem Beratungsunternehmen umgebaut. Seit zwei Jahren kann Triumph Adler wieder Gewinne verkünden – ein schöner Erfolg, auch für Nolte.

Seine langjährige Management-Erfahrung half dem 58-Jährigen bei den Entscheidungen. Nach seinem MBA an der Wharton Business School arbeitete Nolte viele Jahre im Beratungsunternehmen McKinsey, zuletzt als Vorstand des Versicherungskonzerns Axa.

Andere Unternehmen müssen lange nach Experten wie Nolte suchen. „Die meisten Mandate werden aus dem Beziehungsnetz der Aufsichtsratsvorsitzenden besetzt“, sagt der Spezialist für die Suche nach Aufsichtsräten, Florian Schilling von Board Consultants International.

Doch das Beziehungsnetz reicht oft nicht mehr aus, weil eine wachsende Zahl von Unternehmen professionelles Aufsichtspersonal anheuert. Für viele ist ein Aufsichtsrat ohnehin Pflicht, darunter die rund 16.000 Aktiengesellschaften in Deutschland, die 8500 Genossenschaften und die rund 32.000 GmbHs mit mehr als 500 Mitarbeitern.

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Standort erkennen

    Inzwischen gründen aber auch kleinere Unternehmen öfter sogenannte Beiräte, das sind freiwillige Aufsichts- und Beratungsgremien in mittelständischen Firmen. Und das spüren vor allem die Personalberater.

    Etwa 15 Prozent aller Aufsichtsratsposten in Deutschland werden durch externe Berater besetzt, schätzt Experte Schilling. Und die Nachfrage steigt gerade spürbar. Um 25 Prozent habe die Zahl der Anfragen nach Berufsaufsichtsräten alleine in den vergangenen Monaten zugenommen, schätzt der Personalberater Marcus Labbé, der auch Aufsichtspersonal vermittelt.

    Während sich die Aufseher-Szene professionalisiert, interessieren sich auch jüngere Manager für den Beruf. Bei Axel Smend, der mit seinem Beratungsunternehmen Deutsche Agentur für Aufsichtsräte Kontrollgremien coacht, melden sich zunehmend Manager ab 45 Jahren.

    Gesucht: Manager mit Berufserfahrung

    Und die sind gern gesehen. „Jüngere Aufsichtsräte bringen andere Sichtweisen ein“, sagt Nolte. Sie haben oft mehr internationale Erfahrung als ältere Kollegen, sind eher bereit, Konflikte mit Vorständen auszutragen und zudem neuen Technologien gegenüber offener eingestellt. Aber zehn Jahre Management-Erfahrung sollten Aufsichtsräte in spe in jedem Fall mitbringen – und das nötige Handwerk.

    Wer da Nachholbedarf hat, kann im Schlosshotel Reichenschwand für knapp 10.500 Euro nacharbeiten, im Kurs „Qualifizierter Aufsichtsrat/Beirat für den Mittelstand“. Dieser erste Lehrgang für angehende Aufsichtsräte und Beiräte wurde von Berater Labbé entwickelt. Dabei frischen neun Top-Manager in drei mal drei Tagen ihr Wissen auf: Jura, Risikomanagement, Bilanzanalyse und Planungsinstrumente.

    Einer, der in der alten Wasserburg die Schulbank drückt, ist Manfred Bohn. Noch ist Bohn Direktor für Finanzen und Personal in einem großen Konzern. Ende des Jahres geht er in Rente und hat mit Anfang 60 noch „Zeit für neue Aufgaben“, wie er sagt. Er will seine Management-Erfahrungen einem mittelständischen Unternehmen zur Verfügung stellen.

    Erfahrungen weitergeben, auf die strategische Seite wechseln und Geld verdienen – das sind die wichtigsten Motive der Berufs-Aufseher.

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