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Kontroll-Profis Beste Berufschancen für hauptberufliche Aufsichtsräte

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Doch der Job birgt auch Risiken: Viele Aufsichtsräte machen sich nicht klar, dass sie bei persönlicher Pflichtverletzung auch mit ihrem Privatvermögen haften. Ein Aufsichtsrat verletzt seine Pflichten schon dann, wenn er versäumt, sich Informationen einzuholen. Oder wenn er zu spät auf unvorhergesehene wirtschaftliche Entwicklungen des Unternehmens reagiert.

So stand der Aufsichtsratsvorsitzende eines bayrischen Gastronomieunternehmens vor Gericht, weil er nicht unverzüglich eine außerordentliche Sitzung einberufen hatte. Dabei wusste er nachweislich von der massiven Krise der Firma. Die Klage wurde später vom Gericht zurückgewiesen und der Mann kam mit einem blauen Auge davon. Doch das muss keineswegs immer so ausgehen.

Selbst für operative Entscheidungen des Managements können Aufsichtsräte belangt werden. Wenn sich etwa ein Geschäft, dem der Aufsichtsrat zugestimmt hat, als Verlustbringer für das Unternehmen herausstellt, kann er belangt werden. Experten empfehlen angehenden Aufsichtsräten deswegen, unbedingt eine Managerhaftpflichtversicherung abzuschließen.

Gemessen an diesen Risiken, verdienen Aufsichtsräte wenig – vor allem in kleineren Unternehmen. Im Mittelstand hängt die Höhe der Vergütung von der Firmengröße ab, aber auch von der Branche und der wirtschaftlichen Situation des Unternehmens. Laut dem Experten-Netzwerk Mittelstandplus, das auch Aufsichtspersonal vermittelt, erhalten Kontrolleure von Unternehmen mit mehr als 500 Millionen Euro Umsatz durchschnittlich 31.000 Euro im Jahr. Unternehmen mit weniger Jahresumsatz zahlen ihren Aufsehern zwischen 5000 und 20.000 Euro.

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    Das muss sich ändern, um den Beruf für Manager attraktiver zu machen. „Die Entlohnung von Berufsaufsichtsräten sollte sich – auf Tagessätze bezogen – an Vorstandsbezügen orientieren“, sagt Berater Labbé. Große Konzerne sind da weiter.

    Dort hat sich die Bezahlung in den vergangenen Jahren kontinuierlich verbessert. Rund acht Prozent legten die Gehälter der Aufseher in Dax-Konzernen zuletzt zu, belegt eine Studie der Beratungsfirma Towers Perrin. Das höchste Honorar aller Dax-Aufseher kassierte der Aufsichtschef der Deutschen Bank: Clemens Börsig bekommt für seine Arbeit 618.000 Euro im Jahr.

    Es gibt aber noch andere Gründe, Berufsaufsichtsrat zu werden: die Lust auf Neues zum Beispiel. Denn Aufsichtsräte müssen sich nicht nur auf ein Unternehmen konzentrieren, sie können sich in verschiedenen Branchen engagieren.

    Das macht den Beruf als zweiten Karriereweg so attraktiv. Klaus Bukenberger schätzt es, für verschiedene Unternehmen zu arbeiten und gleichzeitig noch Freiraum für die Familie zu haben, Messen zu besuchen und zwischendurch in aller Ruhe in seinem Büro in der Stuttgarter Königsstraße zu grübeln.

    Sein Berufskollege Wolfram Nolte erweitert seinen Horizont noch konsequenter. Er bringt als Vorstand den Museumsverein der Kölner Museen auf Vordermann, wirkt in zahlreichen Kuratorien, etwa der Rheinischen Musikschule mit und widmet sich einer alten Liebe, dem Klavierspiel.

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