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Kreativität Wie sich Einfallsreichtum fördern lässt

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Herbert Hainer und René Obermann Quelle: Illustration: Birgit Lang

Womöglich tun sich manche Manager auch deshalb so schwer damit, weil sie einen Drahtseilakt leisten müssen – zwischen Einsparungen und Einfallsreichtum: „Wer zu spät an die Kosten denkt, ruiniert sein Unternehmen. Wer zu früh an die Kosten denkt, tötet die Kreativität“, resümierte einst der deutsche Industrielle Philip Rosenthal.

Doch ohne Kreativität keine Innovationen. Und ohne sie droht nicht nur Stillstand, sondern auch Rückschritt. Die Konkurrenz schläft nicht, sondern überholt rechts und links. Nicht nur Treiber, auch Getriebener zu sein erhöht den Druck am Arbeitsplatz. Eine weitere Hürde für Kreativität – denn Einfallsreichtum braucht vor allem Konzentration und Ruhe.

Die US-Psychologin Shelley Carson von der Harvard-Universität konnte für ein Experiment vor einigen Jahren eine Reihe unterschiedlicher Studenten gewinnen. Zuvor testete sie die unterschiedlichen Fähigkeiten: Die einen Teilnehmer zeichneten sich durch besondere Kreativität aus, die anderen hatten ihre Stärke eher in der Liebe zum Detail.

Ideenkiller Lärm

Nun las Carson den Probanden über Kopfhörer einen Text vor, in dem gelegentlich Fantasiewörter auftauchten. Die Aufgabe bestand darin, die Anzahl der sinnfreien Wörter zu zählen – während die Studenten im Hintergrund störende Geräusche hörten. Die unkreative Testgruppe ließ sich davon allerdings überhaupt nicht beirren. Alle zählten ungerührt weiter. Fehlerlos.

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    Und die Kreativen? Sie versagten komplett. Nur wenige Geräusche waren notwendig, um sie völlig aus dem Konzept zu bringen. Manche brachen den Versuch sogar ab, andere machten plötzlich Dutzende von Fehlern. Carson schiebt diese unterschiedlichen Reaktionen auf die verschiedenen Gehirne: Kreative sind sensibler und reagieren daher auf jegliche Sinnesreize. Ein Mechanismus namens „latente Hemmung“ ist bei ihnen so schwach entwickelt, dass sie Reize von außen gar nicht erst abblocken. Nicht wenige reagieren darauf, indem sie bewusst die Stille suchen oder sich eine kleine Auszeit nehmen – vorausgesetzt, sie können sich das erlauben.

    Probleme werden schneller gelöst

    „Für neue Ideen ist Bewegung gut“, sagt etwa René Obermann, Chef der Deutschen Telekom. Er geht am frühen Morgen gerne fünf Kilometer Joggen, bevor er ins Büro fährt. Toyota-Deutschland-Chef Alain Uyttenhoven hat seine besten Einfälle auf dem Mountainbike oder einem Langstreckenflug. Durch die veränderte Perspektive könne er seine Gedanken schweifen lassen: „Neue Ideen ergeben sich dann fast von selbst.“ Und Kirsten Lange, Geschäftsführerin der Boston Consulting Group, greift bei geistiger Leere zu Gedichten, bei deren Lektüre sie ganz abtaucht. Diese „Mischung aus Fakten und Meinungen, aus unklaren Formen und unvollständigen Mustern“ helfe ihr dabei, Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

    Manchmal helfen schon kleine Ablenkungen, um neue Einfälle zu bekommen. Mit positiven Folgen für das ganze Unternehmen. Die Bereitschaft zu Veränderungen steigt, Entscheidungen fallen leichter, Probleme werden schneller gelöst. Und: Derart kreative Konzerne wuchsen selbst in der Wirtschaftskrise schneller als ihre Konkurrenten, wie der Computerkonzern IBM in seiner Studie herausfand.

    Offenheit für Neues zahlt sich eben aus. Notwendig ist dafür oft nicht viel mehr als eine Attitüde, wie sie der irische Schriftsteller George Bernard Shaw vorlebte: „Du siehst Dinge und fragst: Warum? Doch ich träume von Dingen und sage: Warum nicht?“

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