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Kündigungen Fair feuern

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Für das Gespräch selbst gilt: dem Mitarbeiter respektvoll und wertschätzend begegnen, auf Wischiwaschi-Formulierungen verzichten und stattdessen den Trennungswunsch und den Grund dafür klar benennen. "Die Menschen sind nicht dumm", sagt Kienbaum-Berater von der Linden. "Nachvollziehbare Gründe machen es einfacher, die Kündigung zu akzeptieren."

Genauso gehört zum Trennungsprozess schließlich das Gespräch mit dem restlichen Team über die Hintergründe und Folgen der Personalie. Selbstverständlich ohne die Persönlichkeitsrechte des Gekündigten zu verletzen oder nachzukarten.

Zusätzliche Schwächung

Denn wie fair mit dem Betroffenen in allen Phasen der Trennung umgegangen wird, entscheidet auch über den Verbleib der Mitarbeiter, die das Unternehmen halten will. Eine vorgeschobene Sozialauswahl etwa trübt das Gerechtigkeitsempfinden und die Motivation erheblich.

Wer sein Team anschließend sich selbst überlässt und stillschweigend darauf setzt, dass die Arbeit irgendwie gemacht wird, schürt Unsicherheit. "Wann bin ich dran?", sei eine Frage, die ihr von demoralisierten Kollegen oft gestellt werde, sagt die Kölner Personalberaterin Angela Kämper-Laube. Derlei Verunsicherung führt schnell zu unerwünschten Abgängen, die eine ohnehin dezimierte Abteilung zusätzlich schwächen kann.

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    Wird nur einem Prozent der Belegschaft gekündigt, führt das durchschnittlich zu einer um 31 Prozent höheren Fluktuation, zeigt eine Studie von Wirtschaftswissenschaftlern der amerikanischen Universität Wisconsin-Madison.

    Angestellte und Manager nicht allein lassen

    Nur offene Worte können den Exodus stoppen. Und: "Ähnlich wie bei privaten Verlusten findet auch bei den Kollegen ein Trauerprozess statt", sagt Kämper-Laube. Der Gekündigte hinterlässt auch menschlich eine Lücke. Trauer, Ärger oder Sorgen in Einzelgesprächen aufzufangen ist daher ebenfalls Chefsache und -pflicht.

    Spätestens an der Stelle wird klar: Auch die Führungskräfte sollten mit ihren Gefühlen nicht alleingelassen werden. Sie brauchen einen neutralen Partner, mit dem sie sich austauschen können. Kündigen geht an die Nieren. Das ist nun einmal so. Dass die Entscheidung einem höheren Unternehmensziel dient, entlastet indes kaum. "Ich habe keinen Manager erlebt", sagt Kienbaum-Berater von der Linden, "der das gerne tut."

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