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Lohnunterschiede Neue Erkenntnisse aus der Weiberwirtschaft

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Kristina Schröder hält solche Zahlen für ein Übergangsphänomen. Sie meint, junge Frauen seien von den Gehaltsunterschieden weniger betroffen. Auch deshalb hält sie Feminismus für eine Ideologie von gestern. Tatsächlich werden sich viele Probleme für die Generation Schröder verschärfen. Heute sind 70 Prozent der Beschäftigten im Niedriglohnsektor weiblich, prekäre Beschäftigung ist vor allem ein Frauenproblem.

Mutterschaft bedeutet nach wie vor für Frauen einen Karriereknick, weil sie so lange im Job ausfallen: Eine Untersuchung der Arbeitsmarktforscherin Jutta Allmendinger ergab, dass jede dritte Frau um die vierzig 14 Jahre oder länger pausiert, wenn sie Kinder bekommt. Nur 13 Prozent aller Mütter, die eine Kinderpause von drei oder mehr Jahren machen, schaffen den Wiedereinstieg in den Beruf. Das hat ausgerechnet Kristina Schröders Ministerium festgestellt. Weil Frauen schlechter bezahlt werden und kürzer arbeiten als Männer, haben sie mehr Probleme mit ihrer Altersversorgung. Feminismus ist ein Zukunftsprojekt, weil Frauenarmut ein Problem von morgen, nicht von gestern ist.

Ökonomen sagen, dass Menschen durch Anreize motiviert werden, auf bestimmte Art zu handeln. Mit diesem Erklärungsmuster kommt man auch in der Geschlechterdebatte erstaunlich weit. Frauen haben einen guten Grund dafür, schlecht bezahlte Jobs anzunehmen: das Steuer- und Sozialversicherungsrecht. Zum einen honoriert das Ehegattensplitting Partnerschaften, in denen einer viel (meistens der Mann) und einer wenig (meistens die Frau) verdient. Zum anderen ist es für eine verheiratete, arbeitslose Frau durchaus sinnvoll, einen Job mit einem Stundenlohn von beispielsweise 3,50 Euro anzunehmen. So kann sie wenigstens etwas verdienen, denn sie hat keinen Anspruch auf Grundsicherung (Hartz IV wird nur an Alleinstehende ausgezahlt). Deswegen finden sich so viele Frauen mit schlecht bezahlten Jobs ab.

Und auch hochqualifizierte Frauen kämpfen selten um ein gutes Gehalt, weil sie sich nicht als Familienernährerinnen sehen. Wer nie ein Haus finanzieren wollte, führt andere Gehaltsgespräche. Und wer nicht auf die Idee kommt, beim anderen Geschlecht durch Status, Karriere und Geld zu punkten, drängelt ebenfalls weniger.

Die Romanheldin Kate Reddy verlässt am Ende auch ihren Job, um die Ehe zu retten. Das ist der Teil des Buches, der nicht so viel zum Feminismus beiträgt.

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