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Machtverlust Wie geschasste Manager mit dem Karriereende klarkommen

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Ingrid Matthäus-Maier, Hartmut Mehdorn, Georg Funke, Richard Fuld (von rechts oben) Quelle: Torsten Wolber

Mehr Macht bedeutet nicht nur mehr Geld und Ansehen, sondern vor allem die Möglichkeit, Entscheidungen zu beeinflussen und über andere zu bestimmen. „Macht ist das Vermögen, das Mögliche wirklich werden zu lassen“, definierte der Philosoph Peter Koslowski. Und zwar ausdrücklich auch gegen Widerstände, wie der Soziologe Max Weber befand.

So menschlich das Streben nach Macht ist, so unmenschlich erleben viele deren Verlust. Oft geht der mit Scham- und Schuldgefühlen einher. Nicht selten löst die Machtamputation heftige Phantomschmerzen aus: Wer daran gewöhnt war, um neun Uhr die erste Besprechung zu leiten, und um zehn Uhr stets eine Unterschriftenmappe mit wichtigen Briefen vorgelegt bekam, verspürt selbst nach dem leckersten ausgedehnten Frühstück eine innere Leere. Keine Post, keine Anrufe, keine Einladungen mehr – das wiegt selbst ein erstklassiges Handicap auf dem Golfplatz nicht auf.

Droge Macht

Wie ein kalter Entzug sei das, wenn man plötzlich nicht mehr mitreden könne, sagt der Bonner Politikwissenschaftler Gerd Langguth und Autor des Buches „Kohl, Schröder, Merkel. Machtmenschen“, der für einflusssüchtige Politiker den Begriff „Politaholics“ geprägt hat.

Manch einer werde von der Droge so abhängig, dass es ihm nur noch darum gehe, die eigene Macht zu erhalten oder zu vergrößern. „Solche Menschen versuchen dann, jeden aus dem Weg zu räumen, der gefährlich werden kann“, hat Langguth beobachtet, „etwa, indem sie gezielt diskreditierende Informationen lancieren.“

Machthaber sind nur selten bereit, ihren Posten freiwillig zu räumen. Hartmut Mehdorn etwa trotzte den Rücktrittsforderungen lange. Auch Clemens Börsig, Chef des Aufsichtsrates der Deutschen Bank, scheint nicht an einen Rückzug zu denken, obwohl er als angezählt gilt.

„Macht“, so formulierte treffend der irische Schriftsteller Oscar Wilde, „ist die einzige Lust, derer man nicht müde wird.“

Kritik von außen wird abgewehrt

Doch Macht macht kurzsichtig. Studien belegen: Je einflussreicher jemand ist, umso eher schreibt er sich Erfolge seiner Organisation selbst zu und schiebt Misserfolge anderen in die Schuhe. Und übersieht so den Zeitpunkt, zu dem er noch würdevoll abtreten könnte. Beispiel: Erwin Müller, der auch mit 76 Jahren die Leitung seines Drogerie-Imperiums nicht abgeben will. Manch ein Familienunternehmer riskiert so gar die Zukunft seines Unternehmens.

Zumal es ihnen häufig an Ratgebern fehlt, die Warnsignale einordnen: „Manager an der Spitze neigen dazu, um sich ein Team aufzubauen, das sie permanent bestärkt“, stellt die Berliner Managementberaterin Ulrike Wolff fest, die zahlreiche Vorstände großer Unternehmen coacht.

Folge: Kritik von außen werde oft ignoriert oder gemeinsam abgewehrt.

Oder schlicht verschwiegen. Denn wie schon bei Kassandra leben die Überbringer schlechter Nachrichten gefährlich – erst recht, wenn sie Untergebene sind.

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