Künstliche Intelligenz Wie Manager KI zu ihrem Werkzeug machen

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Keine große Mathematik, sondern strukturiertes Denken

Wichtig sei in erster Linie die Fähigkeit zu strukturieren und Entscheidungen treffen zu können. Ein mathematisches Talent, wie viele annehmen würden, sei hingegen überhaupt nicht relevant: „Mathematik steckt sozusagen als Blackbox in den Systemen drin, aber ist zum Bedienen nicht notwendig. Wie beim Smartphone muss ich die KI nur benutzen und nicht programmieren können.“

Eines gelte es allerdings zu vermeiden, rät Weiler, der Unternehmen wie BMW, dem Hamburger Hafen oder Bosch bei der Implementierung von KI-Systemen beraten und unterstützt hat: „Manager dürfen nicht mit dem Anspruch antreten, dass sie sofort ihre Firma flächendeckend mit Künstlicher Intelligenz organisieren können.“ Dafür ist der Prozess zu aufwendig. Eine intensive Lernphase gilt als Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Einführung von KI-Systemen.

Projekt KI: Langwieriger Prozess, großer Erfolg

Das zeigte sich auch bei Babor Cosmetics: Die Geschäftsführung um Horst Robertz entschied sich zunächst für ein Projekt „Künstliche Intelligenz“ im deutschen Vertriebsnetz. „Der Prozess war komplex und langwierig, was aber beileibe nicht an der mangelnden Kompetenz der Projektgruppen lag, sondern in der Natur der Materie: wir mussten ja erst einmal verstehen und – oftmals noch schwieriger – klar definieren, was unsere Wertschöpfung unterbricht und welche Parameter uns wichtig sind“, so Robertz. Zudem traten auch bei dem Aachener Kosmetikhersteller die üblichen Startschwierigkeiten auf: Zunächst mussten saubere Stammdaten generiert werden und die Informationen zu allen Komponenten in digitalisierter Form zur Verfügung stehen – ohne Ausnahmen.

Nach einer intensiven Vorbereitung und der ausführlichen Erprobungsphase zog das Management von Babor Cosemtics ein positives Fazit des KI-Experiments: „Die Einführung der Softwarelösung hat zu einer deutlichen Beruhigung der Planung geführt, verbunden mit einem erheblichen Abbau von Beständen bei gleichzeitiger Steigerung der Lieferfähigkeit“, sagt Robertz und vermerkt mit gewissem Stolz: „Die Einführung der KI hat übrigens keinen einzigen bestehenden Arbeitsplatz gekostet.“

Das Projekt „Künstliche Intelligenz“ ist für das Aachener Unternehmen deshalb ein großer Erfolg: „Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass wir unseren erfolgreichen Expansionskurs, in dessen Verlauf wir viele neue Arbeitsplätze schaffen konnten, ohne den Einsatz der KI nicht erreicht hätten“, sagt Robertz.

Geschäftsleitungen von KI zu überzeugen – das ist laut KI-Experte Weiler häufig gar nicht das große Problem: „Sie stehen KI in der Regel sehr offen gegenüber.“ Je tiefer es in der Hierarchie gehe, desto schwieriger werde die Vermittlung von Künstlicher Intelligenz als hilfreiches Werkzeug aber. „Der einzelne Arbeitsplaner sieht natürlich seinen Job gefährdet“, erklärt Weiler. „Es ist auch so, dass die Arbeit letztlich mit weniger Disponenten und Planern auskommt. Allerdings geht es trotzdem nicht ohne sie!“

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