Lernen nach Bedarf Welche Weiterbildungsangebote Lernzeit sparen

Wer digital lernen möchte, findet eine große Auswahl von Gratis-Angeboten im Netz. Zwar helfen Online-Kurse und Tutorials dabei, auf dem Laufenden zu bleiben. Sie sind aber auch Zeitfresser. Welche Angebote sich lohnen.

Was wirklich hinter Lernmythen steckt
Bloß nicht mit den Fingern rechnen Quelle: Fotolia
Eine Lehrerin schreibt mit Kreide an die Tafel Quelle: dpa
Schüler mit dem Smartphone auf dem Schulhof Quelle: dpa
Fehler helfen beim LernenWer sich beim Lernen häufig verhaspelt und die Lösung raten muss, lernt trotzdem was. Eine kanadische Studie hat gezeigt, dass die Gedächtnisleistung sogar von den Fehlern profitiert. Dies gilt allerdings nur, wenn die Raterei nicht völlig ins Kraut schießt, sondern nur knapp an der richtigen Lösung vorbei ist. Wer häufig fast richtige Vermutungen anstellt, dem helfen diese wie kleine Brücken beim Erinnern an die korrekte Information. Diesen Vorteil konnten die Forscher sowohl bei jüngeren als auch bei älteren Probanden feststellen. Wer sich selbst herantastet, profitiert davon also mehr, als wenn ihm die richtige Antwort vorgesagt wird. Quelle: Fotolia
Texte wiederholt zu lesen, heißt viel zu lernen Quelle: dpa
Gelerntes erzählen, hilft es sich zu merken Quelle: AP
Hochbegabte sind LernüberfliegerWer einen ungewöhnlich hohen IQ hat, ist in der Schule noch lange kein Überflieger. Weil viele Hochbegabte in der Schule unterfordert sind, markieren sie den Klassenclown und bekommen entsprechend schlechte Noten. Quelle: Fotolia

Die Videos der alljährlichen Innovations-Konferenz TED (Technology, Entertainment, Design) in Kalifornien sind gespickt mit großen Namen. In den 18 Minuten langen TED-Talks sprechen Experten unter dem Motto „Ideas worth spreading" zu den unterschiedlichsten Themen, von Erziehung über Neurowissenschaften bis hin zu Bildverarbeitung. Mit mehr als 30 Millionen Klicks am häufigsten aufgerufen wurde der Beitrag des Erziehungswissenschaftlers Ken Robinson. Er behauptet, dass Schule die Kreativität der Kinder verhindert.

Die TED-Talks sind zwar interessant. Aber sie bieten keinen wirklichen Lernzuwachs: „Wer Filme konsumiert, bleibt passiv. Das Gelernte sollte aber möglichst schnell praktisch angewandt werden, damit sich Wissen festigen kann“, bestätigt Christoph Igel, Wissenschaftlicher Leiter des Educational Technology Lab des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz.

„Wir gehen weg von klassischen Schulungen, in denen Faktenwissen gelernt oder Prozesse vermittelt wurden. Heute sind handlungsorientiertes Lernen am Arbeitsplatz und der Aufbau von Erfahrungswissen gefragt“, weiß der habilitierte Verhaltensforscher und Professor für Bildungstechnologie. Um den Wunsch der User nach Lernen „on demand“ zu befriedigen, stellen viele Anbieter passend zu ihren Lerneinheiten Werkzeuge und Hilfsmittel zum Download bereit. Performance Support heißt der Anwendungsschritt, der nach der reinen Wissensübermittlung kommt.

Christoph-Igel Quelle: privat

Wer sich konkret auf ein Mitarbeitergespräch oder eine Preisverhandlung vorbereiten will, sollte nach dem Karteikarten-Prinzip vorgehen: Informationen, die kurz zusammengefasst und sofort einsetzbar sind. Das setzt etwa der E-Learning-Anbieter IMC um. Die Experten für digitale Bildung bieten beispielsweise eine Funktion, in der sehr schnell einsetzbare Informationsbausteine zu verschiedenen Themen abrufbar sind. Für konkrete Situationen sind hier die wichtigsten Regeln übersichtlich dargestellt und frischen die Methodenkompetenz direkt vor dem Termin noch einmal auf. „Diese Einheiten verzichten auf jeden Schnickschnack. Sie sind Fakten pur“, sagt Christian Wachter, Vorstand von IMC.

Christian-Wachter Quelle: IMC

Kurze Lerneinheiten für Zwischendurch

Massive Open Online Courses (MOOCs) sind meist 90 Minuten lang und behandeln ein bestimmtes Themengebiet in epischer Breite. Große Universitäten weltweit wollen die Lehrveranstaltungen berühmter Professoren in voller Länge online für alle verfügbar machen. „Die Universitäten bieten so qualitativ hochwertige Inhalte für eine breite Masse“, sagt Wissenschaftler Igel. Das Gute: Wer schon einmal eine echte Vorlesung an der Yale University oder der TU München besuchen wollte, kann hier sein Wissen von zu Hause aus erweitern. Zwar entfällt der Flug ins Ausland, aber wer hat schon Zeit, sich neben dem Job anderthalb Stunden mit einem Thema zu beschäftigen?

Wer wie die meisten Macher akutem Zeitmangel ausgesetzt ist, setzt auf Microlearning. In kleinen Häppchen konsumieren sich Themen nämlich verträglicher. Deshalb bieten E-Learning-Anbieter vermehrt kurze Einheiten. „Zehn Minuten sind das Maximum“, sagt Wachter. Dass die Zeit immer knapper wird und der Wissensdurst größer, ist ein allgemeines Phänomen. „Es gilt, Inhalte intelligent aufzubereiten, damit sie auch genutzt werden. Niemand ist anspruchsvoller als ein Mitarbeiter mit knappem Zeitbudget“, weiß Wachter. Für den Macher von E-Learning-Content geht der Trend zu kleinteiligen, mobil verfügbaren Lernformaten. Diese „Nuggets“ können Videos von nicht mehr als fünf Minuten sein, oder kleine interaktive Trainings, mit Aufgaben zu einem bestimmten Thema.

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