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Serie EntscheidungsMacher Deutsche Post baut eigene Elektroautos

Die Post will Elektroautos in der Zustellung einsetzen. Doch kein Hersteller hatte ein passendes Modell im Angebot. Nun baut der ehemalige Staatskonzern die Autos selbst.

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Ein Mitarbeiter der Deutschen Post AG fährt ein Elektro-Zustellfahrzeug. Quelle: dpa

Das Auto hat weder Klimaanlage noch Heckscheibe, und einen Beifahrersitz gibt es auch nicht. Post-Chef Frank Appel gerät trotzdem ins Schwärmen, wenn er über den StreetScooter spricht. Der elektrische Lieferwagen ist eines seiner Lieblingsprojekte – kommt er eben nicht von einem der großen Autobauer aus Stuttgart, München oder Wolfsburg, sondern aus seinem eigenen Unternehmen.

Genau wie das Silicon-Valley-Vorzeigeunternehmen Google mit seinem selbstfahrenden Auto hat sich auch eine Handvoll Post-Mitarbeiter gedacht: Wenn die etablierten Anbieter es nicht hinbekommen, machen wir es eben selbst.

Seitdem der Neurobiologe und Ex-Kinsey-Mann Appel auf den Chefsessel des ehemaligen Staatskonzerns aufgerückt ist, sind auch die ganz großen Visionen mit in die Bonner Zentrale eingezogen. Kaum eine Idee scheint abwegig genug, um sie nicht wenigstens mal auszuprobieren. Und so rollen bereits 700 der gelben Elektrokastenwagen durch Deutschlands Innenstädte. Für Appel sei es gut denkbar, die ganze deutsche Flotte auf Elektroantrieb umzurüsten.

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Ein Megaprojekt. Weltweit hat die Deutsche Post DHL rund 92.000 Fahrzeuge im Einsatz, davon einen Großteil in Deutschland. Hierzulande ist das Unternehmen immer noch Marktführer in der Briefzustellung und dem Paketversand. Aber auch einer der größten Luftverschmutzer: Jede Fahrt verursacht umweltschädliche Kohlenstoffdioxidemissionen.

Der Konzern hat es sich deshalb zum Ziel gemacht, umweltfreundlicher zu werden. Innerhalb von sieben Jahren will die Post ihre Energieeffizienz um 30 Prozent steigern. Um dieses Ziel zu erreichen, haben die Post-Mitarbeiter lange nach einem geeigneten Elektrolieferwagen Ausschau gehalten.

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Doch die Modelle der großen Autohersteller sind auf den Massenmarkt ausgerichtet, nicht auf die Zustellung von Briefen und Paketen. Zum Beispiel sind die Ladeflächen zu niedrig, die Zusteller müssen sich bücken, um die Pakete zu entnehmen. Und unnötiger Luxus in der Fahrerkabine verteuert die Modelle. Andere Anbieter wie UPS rüsten deshalb ihre Lieferwagen aufwendig um.

Die Deutsche Post ging einen Schritt weiter: Sie entwickelte einen eigenen Lieferwagen. Schon seit sechs Jahren arbeitet das Unternehmen deshalb mit dem Team von StreetScooter zusammen. Achim Kampker, Professor für Maschinenbau, gründete das Start-up 2010 an der Universität Aachen. Vier Jahre später entschied Appels Team, das Unternehmen zu kaufen. Seitdem baut die Post Autos auf eigenes Risiko und nach den eigenen Bedürfnissen: Der StreetScooter hat nur rund 60 Kilometer Reichweite. Genug, um von den Brief- und Paketzentren in die Innenstadt und wieder zurück zu fahren. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 80 Kilometer begrenzt.

Doch für die Postboten ist es ohnehin wichtiger, dass der StreetScooter schnell anspringt. Bis zu 200 Mal steigen die Zusteller an einem Tag ein und aus. Auf Extras müssen die Mitarbeiter verzichten. Das macht die Autos deutlich günstiger. Nur rund 22.000 Euro soll die Produktion eines Modells kosten. Laut Branchenkenner ist das sehr viel billiger als vergleichbare andere Elektrolieferwagen. „Wir tun nicht nur Gutes, das rechnet sich auch“, sagt Post-Chef Appel.

In diesem Winter sollen auch fremde Anbieter den StreetScooter kaufen können. Die Deutsche Post wird damit zum Konkurrenten von Autobauern wie VW und Daimler. Das freut den Post-Chef. In kleiner Runde erzählt er gern, wie er dem eigenen Postboten auflauert. Dann holt er sich von ihm den neuesten Bericht: Wie fährt sich der Wagen? Ist die Reichweite ausreichend? Die Antwort sei fast immer die gleiche, berichtet Appel: Alles läuft, wie es soll.

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