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Serie EntscheidungsMacher Wie Olaf Berlien Osram neu erfindet

Mit einem radikalen Umbau will Konzernchef Olaf Berlien aus dem Münchner Lichtkonzern Osram ein Hightechunternehmen formen. Doch noch nicht überall läuft die Transformation glatt.

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Olaf Berlien formt Osram mit einem radikalen Umbau zum Hightechunternehmen. Quelle: Wolf Heider-Sawall für WirtschaftsWoche

Seinen jüngsten Coup verkündete Olaf Berlien vor nicht einmal vier Wochen: Für gut 400 Millionen Euro verkauft der Osram-Chef das komplette Lampengeschäft des Konzerns. Der Abnehmer: ein Konsortium aus drei chinesischen Investoren. Die gesamte Fertigung von Glühbirnen, Leuchtstoffröhren, Halogen- und Energiesparlampen, kurzum: alles, was der Verbraucher zu Hause in seine Lampen schraubt und steckt, werden künftig andere betreiben.

WirtschaftsWoche und KPMG präsentieren die Entscheidungsmacher

Ausgerechnet – handelte es sich doch bei der Sparte um das ehemalige Kerngeschäft des vor mehr als 100 Jahren in Berlin gegründeten Traditionsunternehmens. Etwa zwei Milliarden Euro des Konzernumsatzes von zuletzt 5,6 Milliarden Euro wandern damit in chinesische Hände. Ein Schnäppchen, könnte man meinen. Doch das Lampengeschäft ist sanierungsbedürftig und vor allem: rückläufig.

Osram, so hat es Berlien entschieden, soll sein Geld in Zukunft lieber mit Hightech, mit Spezialbeleuchtung und Lichtkonzepten verdienen.

Berliens Vorgänger Wolfgang Dehen, bekannt für seine ruppigen Umgangston und autokratischen Führungsstil, versuchte das defizitäre Lampengeschäft durch immer neue Sparmaßnahmen zu retten.

Nachfolger Berlien beendete das Kapitel und will künftig auch auf das Massengeschäft mit LED-Chips setzen, ein Kurs, der wegen der großen Konkurrenz aus Asien nicht ganz ungefährlich ist. Heftige Kritik kam von Osram-Großaktionär Siemens; zwischenzeitlich stürzte der Aktienkurs um mehr als zehn Prozent ab.

Osram: Umsatz nach Geschäftsfeldern

Doch Berlien setzte sich durch und stellt das Unternehmen künftig auf drei Standbeine: zum einen das Halbleitergeschäft, jetzt die wohl wichtigste Sparte. Knapp 1,3 Milliarden Euro hat Osram im vergangenen Geschäftsjahr damit umgesetzt und einen Gewinn vor Steuern und Zinsen von 17,8 Prozent erwirtschaftet. Gebaut werden die Halbleiter für LED-Licht bislang in Regensburg, im ostchinesischen Wuxi und in Penang in Malaysia.

Wo es bei Osram noch hakt

Doch das reicht Berlien nicht: Er will eine weitere LED-Chipfabrik in Malaysia eröffnen. Eine Milliarde Euro wird der Konzern in den kommenden Jahren in die neue Fertigung in Kulim stecken.

Osram: Die Welt in neuem Licht

Die zweite Säule bildet die hoch profitable Sparte Spezialbeleuchtung, zu der unter anderem Autolampen, Handyblitze oder Infrarotlicht für Unterhaltungselektronik gehören. Knapp 1,9 Milliarden Euro haben die Münchner damit im zurückliegenden Geschäftsjahr umgesetzt, fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Berlien setzt hier auf Wachstum aus eigener Kraft, schließt aber kleinere Firmenübernahmen nicht aus. Zum Beispiel kauft Osram aktuell das Unternehmen Novità Technologies, einen amerikanischen Hersteller von LED-Lichtmodulen für den Automobilbereich.

Zukunft statt Sparprogramm

Die dritte Sparte bereitet Berlien noch etwas Kummer. Zwar hat sich das Geschäft mit Leuchten und Beleuchtungslösungen in den zurückliegenden Quartalen ein wenig erholt. Doch im vergangenen Jahr verlor der Konzern noch etwa 30 Millionen Euro damit.

Und das, obwohl der Markt für Straßen- und Gebäudebeleuchtung sowie für Speziallösungen, wie Osram sie etwa in der Sixtinischen Kapelle oder im Münchner Museum Lenbachhaus umgesetzt hat, Prognosen zufolge schon in vier Jahren ein Volumen von jährlich 55 Milliarden Euro erreichen wird.

Trotz all der Unsicherheiten: Zu Berliens radikalem Kursschwenk gibt es keine Alternative. Unter seinem Vorgänger Dehen wurde nur noch gespart; insgesamt baute Osram etwa 10.000 Arbeitsplätze ab; die Belegschaft war zuletzt ermattet und ausgelaugt.

Jetzt, nach dem Umbau, sagen viele bei Osram, gebe es endlich wieder eine Perspektive, auch wenn die neue Strategie nicht ganz ohne Risiko ist. Doch der frühere Thyssenkrupp-Manager ist von seinem Plan überzeugt: „An der Strategie wird nichts, aber auch gar nichts geändert“, sagt Berlien.

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