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Sprengers Spitzen

Was Manager von Donald Trump lernen können

Können Manager von Donald Trump lernen? Von Trump als Politiker nicht – wohl aber von Trump dem Unternehmer und Redner.

Wie Trump-Tweets US-Unternehmen beeinflussen
Der Twitter-Account des desgnierten Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump Quelle: dpa
Autobauer General Motors /GM) Quelle: dpa
Ford-Chef Mark Fields Quelle: AP
Die Zentrale des US-amerikanischen Autokonzerns General Motos (GM) in Detroit Quelle: dpa
Der nächste US-Präsident Donald Trump Quelle: dpa
Boeing Quelle: REUTERS
Lockheed Martin F-35 Joint Strike Fighter Quelle: AP

Donald Trump wollte im eigentlichen Sinne niemals Präsident der USA werden. Er ist ein amerikanischer Oligarch, der durch die Präsidentschaft seine Geschäfte revitalisieren will. Das wird ihm nach der Wahl vermutlich gelingen. Auch Manager werden gewählt, und zwar von den Mitarbeitern. Indirekt zumindest. Mitarbeiter wählen, ob sie sich führen lassen. Das entscheiden sie täglich mit einer Fülle von produktivitätsrelevanten Handlungen. Nimmt man das zum Maßstab, haben wir in den Unternehmen mehr abgewählte Vorgesetzte als gewählte Führungskräfte. Nur dass eine Abwahl selten Konsequenzen hat.

Auf die Ansprache kommt es an

Eine für den Wahlausgang wichtige Situation ist dabei die Ansprache, die Rede vor der Mannschaft – egal, ob als tägliche Treppenansprache oder als Jahresauftaktrede. Die Ansprache ist eine Schlüsselsituation. Sie ist die wirkungsvollste Art zu zeigen, wer jemand ist und was ihm wichtig ist. Auch wenn man vor einem deutschen Publikum faktenbasierter argumentieren muss als vor einem amerikanischen.

Zur Person

Wenn eine Führungskraft vor ihrer Mannschaft steht und eine Ansprache hält, dann entscheiden die Zuhörer, ob sie wirklich etwas hören – oder ob sie nur physisch anwesend sind. Sie stellen implizit zwei Fragen, die gleichsam als Grundzweifel immer mitlaufen: 1. Ist die Führungskraft glaubwürdig? 2. Meint sie mich?

Glaubwürdigkeit war die wichtigste Leitunterscheidung im US-Wahlkampf: Trump ja, Clinton nein. Clinton galt als verlogen, ihr Verhalten antrainiert. Wie oft sagten Amerikaner „ABC!“ – „Anything but Clinton!“ Lieber einen ehrlichen Idioten als eine täuschende und enttäuschende Bildungsbürgerin, die Werte und Moral predigte, der aber der Verrat aus jeder Pore tropfte. Weil sie eine alte, korrupte Politikerkaste repräsentierte. So hat Trump zwar die Minderheiten verloren, aber Clinton hat sie nicht gewonnen.

Vier Buchstaben pro Wort, neun Wörter je Satz
„Ich bin sehr gebildet. Ich kenne Wörter. Ich habe die besten Wörter.“Zu diesen Wörtern gehörten im Wahlkampf wüste Beschimpfungen und abwertende Adjektive. Trumps Sprache wurde oft als rassistisch oder auch sexistisch beschrieben. So sagte er etwa über mexikanische Einwanderer: „Sie bringen Drogen, sie bringen Kriminalität, sie sind Vergewaltiger, und einige, nehme ich an, sind auch nette Leute.“ Sprach- und Kommunikationswissenschaftler aus Mainz, Siegen, Mannheim und dem amerikanischen Berkeley haben sich jeweils Interviews, Reden und Tweets von Trump vor und nach dem Wahlsieg des 70-Jährigen angeschaut. Eine Analyse. Quelle: dpa
LieblingswörterTrump sprach vor der Wahl häufig von „wir“ und „sie“ – Zeichen eines Weltbilds mit scharfen Grenzen zwischen dem Eigenen und dem Fremden. Nach der Wahl stellt er sich mit „ich“ massiv selber in den Vordergrund, wie eine Korpusanalyse von Ulrike Schneider, Anke Lensch und Matthias Eitelmann vom Fachbereich Englisch und Linguistik der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz zeigt. Quelle: AP
LieblingsthemaIm Wahlkampf ging es Trump um Bedrohung durch Mexikaner und Muslime, um ein ausblutendes Land und eine im Sterben liegende Nation – das sagt die Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Wehling, die im kalifornischen Berkeley forscht. Doch schon in der Dankesrede sei es ihm darum gegangen, die Nation zu einen: „Jetzt ist es an der Zeit für Amerika, die Wunden der Trennung zu schließen; wir müssen zusammenfinden. Ich sage zu allen Republikanern und Demokraten und Unabhängigen überall im Land, es ist Zeit für uns, als vereintes Volk zusammenzukommen.“ (Dankesrede am 09.11.2016) Quelle: AP
WertungSeit der Wahl lobt Trump auch sehr gerne – oder straft krass ab. Dabei gebe er sich wie ein strenger Vater, meint Wehling. Diese Art der Bewertung und Einteilung sei raffiniert, weil Trump so vielen Menschen das Gefühl gebe, er biete Orientierung. Ein Beispiel? Trumps Twitter-Reaktion nachdem Darsteller des Musicals „Hamilton“ sich an Trump-Vize Mike Pence gewandt hatten: „Das Theater muss immer ein sicherer und spezieller Ort sein. Das Ensemble von „Hamilton“ war letzte Nacht sehr unhöflich zu einem sehr guten Mann, Mike Pence. Entschuldigt euch!“ Quelle: REUTERS
Politischer GegnerHillary Clinton wird von Trump vor der Wahl vergegenständlicht („Marionette“), entpersonifiziert („Katastrophe“) und bekommt das Adjektiv „korrupt“ zugeschrieben. Nach der Wahl ist sie „Secretary Clinton“ und „sehr, sehr stark und sehr intelligent“. Das zeigen die Linguistinnen Eva Gredel und Konstanze Marx von der Universität Mannheim auf. Zwei Beispiele: „Das ist das Vermächtnis von Hillary Clinton: Tod, Zerstörung, Terrorismus und Schwäche.“ (Rede auf Parteiversammlung am 21.07.2016) „Hillary hat sehr lange und sehr hart gearbeitet, über einen langen Zeitraum hinweg, und wir sind ihr großen Dank schuldig für ihren Dienst für unser Land.“ (Dankesrede am 09.11.2016) Quelle: REUTERS
SatzlängeTrump spricht in kurzen, oft sehr kurzen Sätzen, mit den wichtigsten Begriffen am Ende. Das hat sich auch nach dem Wahlsieg nicht geändert, wie die Korpusanalyse der Mainzer Sprachwissenschaftler zeigt. Der durchschnittliche Satz ist nur neun Wörter lang. Übrigens sind auch seine Wörter simpel: Im Schnitt umfasst ein Wort nur vier Buchstaben. Quelle: REUTERS
WiederholungenDie Reden von Trump sind gespickt mit Wiederholungen. Mit diesen Wörtern oder Phrasen hangele sich Trump gerne an seinem Beitrag entlang, meint Antje Wilton, Professorin für Englische und Angewandte Sprachwissenschaft an der Universität Siegen. Sie kann bei diesem Mittel keinen Unterschied zwischen vor und nach dem Sieg feststellen. Ein Beispiel: „Menschen geben fantastische Karrieren auf, um sich euch Leuten auszusetzen und vielen anderen Leuten auszusetzen. Aber sie geben viel auf. Ich meine, einige geben fantastische Unternehmen auf, um für vier oder vielleicht acht oder wie lange der Zeitraum auch ist, zu sitzen. Aber ich denke, wir werden einiges an fantastischem Talent sehen, fantastisches Talent kommt.“ (Interview der „New York Times“ vom 23.11.2016) Quelle: AP

Zweitens: Meint er mich? Trump sprach zu den Menschen, Clinton sprach über Themen. Clinton sprach, mehr noch, tatsächlich „über“ Themen – von oben herab und mit hohem Abstraktionsgrad. Trump hingegen rümpfte nicht die Nase über Normalmenschen, trug keine elitären Ideale vor sich her. Seine Botschaft: Ich stehe auf eurer Seite! Ihr seid in Ordnung! Ihr seid der Souverän, nicht die politische Parallelgesellschaft! Er verzichtete entsprechend auf jede Umerziehungsrhetorik, auf moralisierende Belagerung, auf politische Korrektheit. Trump wusste, dass Ansprachen keine wissenschaftlichen Referate sind. Er zielte auf die Herzen, Clinton auf die Köpfe. Daher seine emotionale Wortwahl und die ungezwungene Diktion. Kurze Wörter, kurze Sätze, bildhaftes Sprechen.

Besonders beeindruckend: Die Gestik kam immer vor der Aussage, bereitete sie wirkungsvoll vor. Ganz anders als die üblicherweise blutleere, phrasenhafte Managersprache, die man oft nur benebelt ertragen kann. Inhaltlich klang vieles nach Reetablierung der Romantik in Politik und Wirtschaft. Genau danach sehnen sich die Menschen, das Gros der Wirtschaftsführer hat das nur noch nicht begriffen. Aber das ist eine andere Geschichte – aus der man zweifellos noch mehr lernen könnte.

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