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Vereinbarkeit „Quality time ist eine Illusion“

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Unternehmen müssen Work-Life-Balance ernst nehmen

Diesem Bedürfnis Rechnung zu tragen, zahlt sich letztlich auch für den Arbeitgeber aus. Nicht nur, weil glückliche Mitarbeiter auch motivierter sind. Wer seine Kinder vor acht Uhr abends sehen möchte, das aber wegen seines Arbeitgebers nicht kann, der kündigt früher oder später. „Es darf nicht passieren, dass Mitarbeiter nach sieben, acht Jahren das Unternehmen verlassen, „nur“ weil sie Eltern werden und wir für keine ausgewogene Work-Life-Balance sorgen können“, sagt Erismann. Deshalb versuche man in seinem Unternehmen, Arbeitsmodelle zu schaffen, die zum jeweiligen Leben der Mitarbeiter passen. Der Mensch, seine Erfahrungen und sein Know-how seien für das Bestehen des Unternehmens essentiell.

„Das digitale Geschäft wird weiter von Menschen gemacht“, sagt er. Deshalb müsse man seine Mitarbeiter für das Unternehmen begeistern – oder sie zumindest nicht mit aller Gewalt vertreiben.

Erismann gibt ein Beispiel: „In meinen vorherigen Jobs herrschte eine völlig andere Unternehmenskultur: Wenn man sich da abends um 17.30 Uhr die Jacke angezogen hat, wurde man gefragt, ob einem kalt ist.“ Das Modell der Präsenzkultur habe damals für ihn prima funktioniert. „Heute passt es nicht mehr zu meinem Lebensmodell.“ Also hat er gekündigt und zu einem Arbeitgeber gewechselt, der ihm die nötige Flexibilität bieten konnte.

Und Brede-Benning? „Ich würde mich auf jeden Fall wieder so entscheiden, denn es war die richtige Entscheidung für unsere Familie und für die würde ich alles tun“, sagt er. Mittlerweile hat er im Nebenerwerb einen Elektromeisterbetrieb gegründet.

„Meine Stelle als Außendienstmitarbeiter werde ich wohl nicht mehr antreten. Mein Arbeitgeber sieht hier eine Vollzeitstelle vor. Als Alternative hat er mir aber eine Teilzeitstelle im Büro angeboten“, sagt Brede-Benning. 40 Stunden pro Woche zu arbeiten, wenn auch seine Partnerin Vollzeit arbeiten geht, kann er sich mit zwei kleinen Kindern nicht vorstellen. Wenn beide Eltern zu 100 Prozent arbeiten, sei das seiner Meinung nach nur für eines gut: „Für die Scheidungsrate.“

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