Ängstliche Generation Y? Viele junge Frauen scheuen Führungsrolle

Taffe Frauen? Von wegen: Gerade die jungen Frauen trauen sich keine Führungsposition zu, wie eine Studie zeigt. Nur 29 Prozent hätten gerne einen Job mit Leitungsfunktion.

So soll unser Traumjob sein
BetriebsklimaEine gute Arbeitsatmosphäre ist das wichtigste Kriterium der deutschen Arbeitnehmer bei der Firmenwahl. Zwei Drittel gaben in der repräsentativen Umfrage " Beruf und Karriere 2014" der CreditPlus Bank AG. an, dass ein gutes Klima unverzichtbar ist. Das angenehme Arbeitsklima ist aber nicht - wie man meinen könnte – vor allem der jungen Generation Y wichtig. In der Gruppe der 18 bis 24-Jährigen wird darauf am wenigsten Wert gelegt (60 Prozent). Erst nach einigen Berufsjahren wächst der Wunsch nach harmonischer Zusammenarbeit, besonders ausgeprägt ist er in der Altersgruppe 25 bis 34 Jahre (70 Prozent). Quelle: Fotolia
Work-Life-BalanceDas Gleiche gilt für die flexiblen Arbeitszeiten: Auch hier sprechen nur 43 Prozent der Jungen von einem wichtigen Kriterium. Dagegen sagen 60 Prozent der älteren Umfrageteilnehmer, dass ihnen die Work-Life-Balance besonders wichtig ist. So viel also zum Bild der jungen Generation, der ihre flexible Zeiteinteilung wichtiger ist, als die Karriere. Allerdings: Insgesamt steigt die Bedeutung der individuellen Zeitgestaltung über alle Altersgruppen hinweg an: Waren sie 2013 noch 49 Prozent der Deutschen wichtig, achten jetzt 56 Prozent auf flexible Arbeitszeiten bei ihrem Arbeitgeber. Quelle: Fotolia
KarriereAufstiegsmöglichkeiten sind heute weniger wichtig als noch 2013. Anstatt 40 Prozent geben nur noch auf 35 Prozent an, darauf großen Wert zu legen. Doch dieser Trend wird stärker durch Frauen als durch Männer getrieben, wie eine Betrachtung nach Geschlecht zeigt. Männern sind auf Aufstiegschancen und ein hohes Gehalt sehr wichtig (jeweils 42 Prozent). Bei Frauen liegen die Werte deutlich darunter (hohes Gehalt: 35 Prozent; Aufstiegschancen: 27 Prozent). Quelle: Fotolia
FamilienfreundlichkeitBeide Geschlechter legen aber in gleichem Maße Wert auf Sozialleistungen und Familienfreundlichkeit (jeweils 34 Prozent). Quelle: Fotolia
WeiterbildungGefragt, was sie für ihre berufliche Weiterentwicklung am liebsten tun würden, nennen die meisten Arbeitnehmer Auslandserfahrungen: 27 Prozent möchten einmal außerhalb Deutschlands arbeiten, vor allem in der Gruppe der 18-24-Jährigen ist dieser Wunsch ausgeprägt (38 Prozent). Einen Sprachkurs wollen ebenfalls fast 27 Prozent absolvieren, um mit internationalen Kunden und Kollegen besser kommunizieren zu können. Quelle: dpa
Selbstständig und verschuldetFür 23 Prozent ist die Selbstständigkeit ein erstrebenswertes Ziel. Dieser Wert ist im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken (2013: 26 Prozent). Um sich die Karrierewünsche erfüllen zu können, würden 42 Prozent der Arbeitnehmer einen Kredit aufnehmen. Quelle: dpa

Immer wieder wird die Generation der zwischen 1980 und 2000 Geborenen vermessen und untersucht. Zuletzt knöpfte sich das Beratungsunternehmen Universum, das INSEAD Emerging Markets Institute (EMI) und die HEAD Foundation die sogenannte Generation Y vor. Sie befragten 16.000 Studierende und junge Berufstätige in 42 Ländern für ihre „Millennial-Studie“. Die Ergebnisse hatte man so alle schon einmal gehört: Work-Life-Balance geht über hohes Gehalt, Überstundenausgleich ist wichtig. Doch auch von Ehrgeiz war die Rede: Die Jungen können sich gut vorstellen, einmal Chef zu sein. Die Unter-30-Jährigen seien „ehrgeizig“ und wollen „ihre Karriere selbst gestalten“.

Das scheint jedoch nur für junge Männer zu gelten. Denn die jungen Frauen haben für den Chefposten offenbar zu wenig Selbstvertrauen. Das zeigt zumindest die Deloitte Millennial Survey 2015: Lediglich 29 Prozent der weiblichen Befragten wünschen sich eine leitende Position, bei den Männern sind es 46 Prozent. Deutschland nimmt mit insgesamt 37 Prozent potentiellen späteren Chefs im internationalen Vergleich einen der letzten Plätze ein.

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In den Emerging Markets, also den Schwellenländern, wollen dagegen 65 Prozent der jungen Generation eine Führungsposition erreichen - dies ist der weltweit höchste Wert. Aus Sich der Studienautoren könne das aber auch an den Arbeitgebern liegen, die die Frauen nicht ausreichend motivieren. "Junge Talente sind bereit, Verantwortung zu übernehmen, wenn Unternehmen ihnen dies ermöglichen", sagt Nicolai Andersen, Partner und Leiter Innovation bei Deloitte. Unternehmen sollten daher Gestaltungsraum für junge Talente bieten. "Dies wird dazu führen, dass die Bereitschaft der Generation Y steigt, eine Führungsposition anzustreben", sagt Andersen.

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