Arbeitgeber-Awards "Beste Arbeitgeber" haben die treuesten Mitarbeiter

Wer als "bester Arbeitgeber" oder "great place to work" ausgezeichnet werden möchte, muss meist eine ganze Menge Geld investieren. Allerdings freuen sich diese Unternehmen über weniger Kündigungen und bessere Bewerber.

Zertifikate für Arbeitgeber. Quelle: Screenshot

In Deutschland gibt es rund 200 verschiedene Arbeitgeber-Bewertungen: Vom "Great place to work" und dem "familienfreundlichsten Unternehmen" über die "Top Company" oder den "Top Employer" bis zum "Ausgezeichneter Arbeitgeber". So manches Chefbüro ist regelrecht tapeziert mit Auszeichnungen. Und die sind gar nicht mal so billig. Unabhängig von der Größe zahlen Unternehmen dem Top Employers Institute 12.000 Euro für das Zertifikat. Wer sich vom TÜV Rheinland seine Arbeitgeberqualitäten besiegeln lassen will, muss zwischen 5000 und 6000 Euro für die Zertifizierung hinblättern. Für die zwei Jahre, in der das Unternehmen vom TÜV überwacht wird, werden nochmal zwischen 4000 bis 6000 Euro fällig.

Hinzu kommt der Aufwand: Wer ein Siegel möchte, hat nicht nur regelmäßig die (TÜV)-Prüfer im Haus, die Mitarbeiter müssen auch dazu motiviert werden, entsprechende Fragebögen auszufüllen. Je nach Zertifikat müssen 40 bis 80 Prozent der Angestellten teilnehmen. Wer schon mal eine Mitarbeiterbefragung initiiert hat, weiß, wie schwierig das sein kann.

Der ganze Aufwand für ein Stückchen Papier – lohnt sich das? Nein, sagte Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. "Zertifikate sind nur ein Indiz dafür, dass das Unternehmen über einen aufgeblähten Verwaltungsapparat verfügt." In einem Interview mit WirtschaftsWoche Online sagte er, dass die einzelnen Abteilungen großer Unternehmen gezielt nach Zertifikaten suchen, "um sich ein Stück Papier an die Wand zu hängen, mit dem sie ihr Handeln legitimieren können".

Die größten Arbeitgeber-Bewertungsplattformen

Zu einem deutlich positiveren Ergebnis kam dagegen Brian Dineen von der Purdue University und David Allen von der Rutgers University. Die beiden amerikanischen Wissenschaftler werteten die Daten eines Unternehmens aus, das regelmäßig den amerikanischen Best-Places-to-Work-Wettbewerb veranstaltet. Der Analysezeitraum betrug drei Jahre, in dieser Zeit hatten 624 Unternehmen das Siegel erhalten.

Die Daten dieser Unternehmen – Mitarbeiterzahlen, Umsätze, Fluktuation – verglichen die Forscher mit denen anderer Betriebe ohne Zertifikat. Das Ergebnis: In Firmen, die als "beste Arbeitgeber" ausgezeichnet worden sind, kündigen weniger Mitarbeiter.

Und je häufiger ein Unternehmen als guter Arbeitgeber zertifiziert wurde, desto weniger Mitarbeiter werfen das Handtuch. Wer das Zertifikat bekommt, scheint also nicht nur auf dem Papier top zu sein, sondern seine Leute wirklich glücklich zu machen.

Was sich die Deutschen von ihrem Arbeitgeber wünschen - und was sie bekommen

Und das strahlt auch nach außen: Firmen mit Siegel konnten sich auch in Zeiten mit starkem Fachkräfteengpass noch über gute Bewerber freuen. Wer seine Platzierung von einem aufs andere Jahr verbessern konnte, spürte auch dadurch einen positiven Effekt auf die Zahl der Bewerber. Die Interessenten, die sich bei einem Top-Arbeitgeber bewerben, seien außerdem im Schnitt besser qualifiziert. Wer in ein entsprechendes Zertifikat investiert und sich wirklich darum kümmert, dass die Mitarbeiter zufrieden sind, wird demnach also doppelt belohnt.

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