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Aufsichtsräte Dax-Aufseher kennen ihre Schwächen

Aufsichtsratsmitglieder der Volkswagen AG Quelle: dpa

Aufsichtsräte sind oft scharfer Kritik ausgesetzt. Bei AirBerlin oder Volkswagen wirft man ihnen konsequentes Wegschauen vor. Eine Studie ergab nun, dass Kritik nicht selten auch aus den eigenen Reihen kommt.

Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen: Die Aufsichtsräte der Dax-Unternehmen geraten wegen ihres Verhaltens zunehmend in Bedrängnis. Die Pleite von AirBerlin - ein Scheitern mit Ansage. Und der Aufsichtsrat hat nichts dagegen unternommen. Eine Kontrolle habe kaum stattgefunden, stattdessen konsequentes Wegsehen.

"Kasperletheater" hatte ein Ex-Vorstandchef das Kontrollgremium einmal genannt. Auch in anderen Unternehmen, die in der Krise stecken, wie Stada und Volkswagen, zeigen anklagende Finger auf die Aufsichtsräte.
Diese sind sich der Kritik schon lange bewusst, meint Michael Bürker, Professor für Marketing, Kommunikation und Marktforschung an der Hochschule Landshut. Er hat in einer Studie herausgefunden: Die deutschen Aufsichtsräte haben ein ziemlich realistisches Selbstbild - und sind selbstkritisch.

Im Winter letzten Jahres hatten Bürkers Studenten die Aufsichtsräte und Vorstände deutscher Dax-Unternehmen online zu ihrer Wahrnehmung und ihren Ansprüchen in Bezug auf die Qualität ihrer Arbeit befragt. 124 Aufsichtsräte und 36 Vorstände von insgesamt 1600 Angefragten nahmen teil.
Das Ergebnis ist auf beiden Seiten eindeutig: Sowohl Aufseher als auch Vorstände halten die allgemeine Qualität der Aufsichtsratsarbeit für gut oder sehr gut, sie bleibt aber generell hinter den Ansprüchen der Befragten zurück. Den größten Handlungsbedarf sehen beide Parteien bei den persönlichen Eigenschaften der Aufsichtsräte: deren Selbstverständnis und dem Umgang mit Kritik und Konflikten. Am wenigsten zu kritisieren hatten die Befragten bei der fachlichen Kompetenz und den Fähigkeiten der Aufsichtsräte.

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Die Studie im Detail:

Zunächst wurden die Erwartungen der Befragten erforscht, also der Soll-Zustand. Auf einer Skala von null (gar nicht wichtig) bis drei (sehr wichtig) sollte beurteilt werden, wie wichtig verschiede Qualitätsmerkmale für einen guten Aufsichtsrat sind.
Oben auf der Liste landeten dabei vor allem berufliche Erfahrung (2,5) und Branchenerfahrung (2,2), sowie Unabhängigkeit und Konfliktbereitschaft (2,6).

In einem zweiten Schritt sollten die Befragten beurteilen, für wie ausgeprägt sie diese Merkmale tatsächlichen in Aufsichtsräten halten, also der Ist-Zustand. Dabei stellte sich heraus, dass die meisten dieser Merkmale nur im schwach positiven Bereich liegen und in der Regel weit hinter den Erwartungen zurück bleiben. Besonders deutlich ist dieser Unterschied zwischen Soll und Ist bei der Unabhängigkeit und Konfliktbereitschaft. Hier hoffen die Befragten auf den positiven Effekt von Seminaren und Schulungen. Weniger optimistisch sehen sie gesetzliche Regelungen wie die Frauenquote.
Da Selbsterkenntnis ja bekanntlich der erste Weg zur Besserung ist, sieht Bürker hier einen Grund für wagen Optimismus. Je lauter die Kritik wird, desto mehr steige die Sensibilität für Verbesserungsbedarf, so der Wissenschaftler. Jedoch lassen sich die größten Problempunkte ihm zufolge nur schwer durch Schulungen lösen: "Haltung und Konfliktbereitschaft kann man im Seminarraum nicht lernen."

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