Aufsichtsräte Große Namen, aber kaum Experten

Die Kontrolleure der Dax-30-Unternehmen sind besser als ihr Ruf. Es gibt aber jede Menge Mängel: zu viele große Namen und Funktionäre, zu wenig Experten, Frauen und Ausländer. Das zeigt eine exklusiv für die WirtschaftsWoche erstellte Studie.

Quelle: Torsten Wolber für WirtschaftsWoche

Was ist der Unterschied zwischen einer Hundehütte und einem Aufsichtsrat? Die Hundehütte ist für den Hund, der Aufsichtsrat ist für die Katz. Das für Unternehmenskontrolleure nicht sehr schmeichelhafte Bonmot stammt von Hermann Josef Abs, in den Fünfziger- und Sechzigerjahren Chef der Deutschen Bank. Mit zeitweise 30 Aufsichtsratsmandaten – davon 20 als Vorsitzender – war Abs in den Aufbau- und Wirtschaftswunderjahren der wohl einflussreichste Banker und mächtigste Strippenzieher der jungen Bundesrepublik.

Es sind immer die anderen

Was für Abs als Multi-Aufsichtsrat vermutlich weniger zutraf, beschreibt noch heute einen der Hauptkritikpunkte: Laufen die Geschäfte gut, so der Vorwurf, nicken die Aufsichtsräte ab, was der Vorstand beschließt. Geht etwas schief, weil das Management sich verkalkuliert oder zu hoch gepokert hat, sind Aufsichtsräte in der Regel so überrascht wie Belegschaft oder Öffentlichkeit und reden sich damit raus, sie hätten nicht genug gewusst oder sich auf den Sachverstand des Vorstands verlassen.

Ohne ethischen Kompass

Die Gründe sind vielfältig: Entweder fehlt Aufsehern der Durchblick, sie lassen sich von falsch verstandenem Korpsgeist leiten oder sind Opfer eines Interessenkonflikts, etwa weil das eigene Unternehmen Geschäfte mit dem zu kontrollierenden Vorstand macht. Manchmal fehlt auch die nötige Distanz. So endeten beim Stromkonzern E.On die Sitzungen bis zur Atomkatastrophe in Japan im März 2011 mit ein paar Runden Billard mit dem Vorstand.

So gut sind die Aufsichtsräte der Dax-Konzerne
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Methodik der Studie

Unkenntnis und Ignoranz, Kumpanei und Interessenkonflikte: Vor allem bei spektakulären Fällen von Missmanagement wie den Landesbankskandalen oder der Arcandor-Insolvenz lagen Vorurteile gegenüber Aufsichtsräten und Realität nah beieinander. Henning Schulte-Noelle, Aufsichtsratslenker der Allianz und früher deren Chef, ist unzufrieden mit den Leistungen vieler Kollegen und behauptet sogar: Die Kontrolleure seien mitverantwortlich für die Exzesse an den Kapitalmärkten. Vielen Managern sei der ethische Kompass verloren gegangen, die Aufsichtsräte hätten sie gewähren lassen.

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